Smartphone-SuchtEltern sorgen sich wegen Vampir-Kindern
Sie chatten bis tief in die Nacht hinein und können das Handy nicht weglegen. Eltern müssen wegen schlafloser Kinder zu radikalen Massnahmen greifen.
- von
- ann
Kinder, die die halbe Nacht lang chatten oder Videos schauen, bereiten den Eltern Sorge: Um die Nutzung der elektronischen Gadgets entsteht einerseits Streit, andererseits riskieren Teenager, Schlafprobleme oder Depressionen zu entwickeln.
«Seit einigen Wochen muss mein Sohn jede Nacht sein Handy abgeben, sonst schläft er nicht mehr», erzählt ein Vater in einer Elternrunde. Er habe den 14-Jährigen mehrmals dabei ertappt, wie er bis spät in die Nacht mit Freunden chattete. Er ist nicht der Einzige in der Runde, der nachts das Smartphone des Kindes wegsperrt. Mehrere Eltern stimmen seinen Aussagen zu und berichten auch über heftige Auseinandersetzungen, die sie mit ihren Kindern deswegen haben. Andere sind besorgt und fragen sich, ob vielleicht auch ihre Kinder heimlich die Nacht mit Chatten verbringen.
Die Sorge ist nicht unberechtigt, wie eine Studie der Uni Basel zeigt. Bei einer Befragung von Schülern zwischen 12 und 17 Jahren gaben viele an, bis spät in die Nacht noch Freunden Nachrichten zu texten oder Videos zu schauen. Die Folgen sind nicht unerheblich. «Das Risiko für Schlafprobleme und depressive Störungen steigt», sagt Studienleiter Sakari Semola.
Der tägliche Kampf ums Tablet
In Grossbritannien nennt man diese schlaflosen Jugendlichen bereits Vampir-Kinder. Gegenüber der «Daily Mail» erzählte eine Mutter vom täglichen Kampf mit ihrem 10-jährigen Sohn Charlie um sein Tablet. Er braucht es, weil er für die Hausaufgaben täglich auf eine Mathe-Webseite gehen muss.
Jeden Abend muss die Mutter darum kämpfen, es ihm wegzunehmen. Mittlerweile hat sie angefangen, das Tablet zu ihren in der Nachbarschaft lebenden Eltern zu bringen, weil Charlie in der Nacht durch die Wohnung schleicht und es sucht.
Erwachsene sollen Kinder unterstützen
Gemäss Medien-Experte Laurent Sedano von Pro Juventute sollte die Diskussion ums Handy aber nicht in so einen Machtkampf ausarten. Eltern sollten Kindern zwar einen Rahmen geben und dazu gehöre, die Nutzung des Handys einzuschränken. «Dies sollte aber kameradschaftlich geschehen.» Die Eltern sollten dem Kind aufzeigen, wieso es wichtig ist, das Smartphone oder Tablet über Nacht nicht zu nutzen.
Auseinandersetzungen seien dabei nicht vermeidbar. Der Streit solle sich aber nicht nur darum drehen, dass man dem Kind droht, das Handy wegzunehmen. Eltern sollten ihren Kindern vielmehr aufzeigen, wie sie dem Druck, für ihre Kollegen ständig erreichbar zu sein, begegnen können. «Kinder müssen lernen, sich zu mässigen und brauchen dazu die Unterstützung der Erwachsenen.»