Aktualisiert 02.11.2012 12:04

Ehrenmord in PakistanEltern töten Tochter mit Säure

Im Namen der Ehre: Eine grausame Tat hat den Süden Kaschmirs aufgeschreckt. Ein Vater und eine Mutter haben ihre 16-jährige Tochter mit Säure umgebracht, weil diese mit einem Jungen gesprochen hatte.

von
kub

Es muss für die Eltern traumatisch gewesen sein, als sie ihre 16-jährige Tochter ertappten, wie sie mit einem Jungen ausserhalb ihres Hauses im pakistanischen Teil Kaschmirs redete. Der Vater des Teenagers fühlte sich entehrt und fürchtete, seinen guten Ruf im kleinen Distrikt Kotli zu verlieren. Die Eltern glaubten, ihre Tochter hätte eine Beziehung mit dem Jungen.

Der Vater schleppte sie ins Haus, schlug sie und schüttete kurzerhand Säure über das Haupt und den Körper der 16-Jährigen, wobei ihm seine Frau behilflich war. So schildert der lokale Polizist Raja Tahir Ayub gegenüber BBC die schreckliche Tat. Dann liess man sie liegen, brachte sie erst am nächsten Morgen ins Spital.

Das Mädchen überlebte die Attacke nicht. Mit Verbrennungen dritten Grades im Gesicht, an Armen, Füssen und Beinen starb sie später im Spital. «Sogar ihr Schädelknochen wurde sichtbar», erzählte der behandelnde Arzt Muhammad Jahangir der pakistanischen «The Dawn». «Sie hatte keine Chance.»

Säureattacken sind häufig

Die Mutter des Opfers behauptete zuerst, ihre Tochter habe sich umbringen wollen. Doch die älteste Tochter der Familie wurde misstrauisch, weil sie ihre Schwester bei deren Beerdigung nicht sehen durfte. Sie zeigte ihre Eltern bei der Polizei an. Die Eltern wurden in der Folge festgenommen. Angeblich gestanden sie die Tat. Ihnen droht nun lebenslängliche Haft; seit März dieses Jahres behandelt das von Pakistan verwaltete Kaschmir Säureattacken als kriminellen Akt.

Dass die eigenen Kinder mit Säure verletzt oder gar getötet werden, ist in Pakistan weit verbreitet (siehe obige Bildstrecke). Die Menschenrechtskommission in Pakistan zählte 2011 943 solcher Fälle im ganzen Land. Das sind 100 mehr als 2010. Dieser Fall rüttelt auf, weil dies bisher in Kaschmir nie passiert ist.

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