18.03.2020 04:43

Coronavirus-EpidemieEltern und Betreuer sorgen sich wegen offener Kitas

Kita-Mitarbeiter haben Angst, sich bei der Arbeit anzustecken – und Eltern wissen nicht, ob ihre Kinder noch in die Kita sollen. Das BAG verteidigt seine Strategie.

von
dgr
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Die Kitas bleiben in der Schweiz weiter offen. Das besorgt Eltern und Betreuer.

Die Kitas bleiben in der Schweiz weiter offen. Das besorgt Eltern und Betreuer.

Sina Schuldt
Viele Kinder, aber auch Betreuer zeigen laut Lesern Symptome einer Grippe oder einer Coronavirus-Erkrankung.

Viele Kinder, aber auch Betreuer zeigen laut Lesern Symptome einer Grippe oder einer Coronavirus-Erkrankung.

Markus Scholz
Es sei ausserdem unmöglich, den geforderten Abstand von zwei Metern oder die Hygienevorschriften des BAG einzuhalten.

Es sei ausserdem unmöglich, den geforderten Abstand von zwei Metern oder die Hygienevorschriften des BAG einzuhalten.

Sina Schuldt

Die Schulen bleiben in der Schweiz bis zum 19. April zu. Kindertagesstätten und -krippen müssen aber geöffnet bleiben, sofern der Kanton keine anderweitigen Betreuungsangebote zur Verfügung stellen kann. Das hat der Bundesrat in seiner am Montag veröffentlichten Verordnung beschlossen.

Das sorgt bei den 20-Minuten-Lesern für Unklarheiten und Unverständnis: «Täglich arbeite ich intensiv mit einer Gruppe von 16 Kindern auf engstem Raum zusammen. Die Angst, dass ich und unzählige andere Betreuer uns in der Kita anstecken oder schon infiziert sind, wächst», schreibt eine Leserin. Ihr Partner arbeite im Detailhandel. «Was passiert, wenn ich ihn anstecke, dürfte klar sein.»

«Klagen dauernd über Husten und Halsschmerzen»

Die Kita-Mitarbeiter würden laut der Leserin von einer Infektion oft gar nichts merken: «In unserem Beruf klagen aufgrund der permanenten Konfrontation mit kränkelnden Kindern viele dauernd über Halsschmerzen, Husten und Erkältungen.» Weil viele Eltern mit Homeoffice und Kinderbetreuung überfordert seien, kämen derzeit mehr Kinder in die Kita.

Weitere Kita-Mitarbeiter beklagen ähnliche Probleme: «In der Kita ist es unmöglich, immer zwei Meter Abstand zu halten und die Hygienevorschriften einzuhalten», schreibt eine Leserin. Gewisse Eltern schickten ihre Kinder auch dann in die Kita, wenn diese Symptome aufweisen würden: «Sie husten, haben triefende Nasen und erhöhte Körpertemperatur.» Die Eltern seien hier gefordert, aber auch der Bund: «Ich fordere eine sofortige Schliessung der Kindertagesstätten.»

Auch Eltern unter Druck

Auch die Eltern haben Fragen: «Um eine Ansteckung zu verhindern, schicke ich meine Kinder nicht mehr in die Kita», schreibt eine Mutter. «Doch solange die Kitas nicht von den Behörden geschlossen werden, können sie die Leistungen weiterhin verrechnen.» Das grössere Problem sei allerdings, wie man die Situation dem Arbeitgeber erkläre: «Solange der Bund die Kitas nicht schliesst, ist es meine persönliche Entscheidung, sie nicht dorthin zu schicken. Meine Arbeit im Homeoffice habe ich trotzdem zu leisten.»

Für sie und ihren Mann werde das zur Belastung: «Es heisst für uns, dass wir vor den Kindern aufstehen und arbeiten und dann noch einmal, sobald sie ins Bett gegangen sind.» Da sie Teilzeit arbeite, gehe das bis jetzt. «Wir suchen nach Lösungen, über längere Zeit werde ich die Arbeit aber vermutlich weiter reduzieren müssen.»

Koch vom BAG: «Um die Kinder mache ich mir weniger Sorgen»

An einer Pressekonferenz des Bundes am Dienstagnachmittag wurden noch einmal Fragen zur Kinderbetreuung und zum Umgang mit Kindern auf Spielplätzen gestellt. Daniel Koch vom BAG betonte: «Um die Kinder mache ich mir weniger Sorgen, sie stecken sich sehr selten mit dem Virus an und übertragen es auch kaum.» Das zeigten die Zahlen aus anderen Ländern wie China. Die Schulen seien geschlossen worden, weil die Eltern sonst keine andere Wahl gehabt hätten, als ihre Kinder weiter in die Schule zu schicken. «Bei den Kitas ist das freiwillig.»

Ein Tweet der Weltgesundheitsorganisation WHO deckt sich allerdings nicht ganz mit Kochs Aussage: «Kinder und junge Erwachsene wurden positiv getestet, wenn auch weniger oft als ältere Personen», schreibt die WHO. Die meisten infizierten Kinder und jungen Erwachsenen hätten lediglich einen milden Krankheitsverlauf gehabt. «Einige hatten aber auch ernsthafte oder kritische Verläufe und wir haben Kenntnis von einem Kind, das gestorben ist.»

«Jedes Kind, das stirbt, ist eines zu viel»

Die WHO schreibt weiter: «Jedes Kind, das stirbt, ist eines zu viel. Wir müssen gefährdete Bevölkerungsgruppen, auch die Kinder, vor einer Ansteckung schützen, indem wir aggressive Anstrengungen unternehmen, um die Übertragung zu reduzieren. Dazu gehören die Untersuchung aller Verdachtsfälle sowie die Betreuung und Isolierung der Fälle.»

Zur Frage, ob die Kinder weiterhin auf Spielplätze gelassen werden könnten, sagte Koch vom BAG indes: «Den Kindern soll weiterhin ein einigermassen normales Leben ermöglicht werden.» Er habe weniger Angst um die Kinder auf den Spielplätzen. «Das weitaus grössere Problem sind Eltern, die sich dort treffen, unterhalten und danach den Grosseltern Lebensmittel bringen.» Koch betonte vehement: «Es geht um eine strikte Trennung der Generationen, um den Schutz der älteren. Ältere und besonders gefährdete Personen sollen auch nicht mehr in Kitas arbeiten.»

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