Ausgesetzte Kinder: Eltern verlieren Sorgerecht
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Ausgesetzte KinderEltern verlieren Sorgerecht

Die italienische Polizei schliesst einen Selbstmord des deutschen Paares, das drei Kinder in einer Pizzeria ausgesetzt hat, nicht mehr aus. Dennoch hat ein deutsches Gericht den Eltern das Sorgerecht entzogen. Inzwischen wurde bekannt: Der leibliche Vater sitzt im Knast, weil er ein Baby totgeschüttelt hatte.

Rettungskräfte suchen zurzeit die Alpenflüsse in der Nähe ab, erklärte der leitende Polizist Alessandro Carmeli in Aosta. «Wir können eine Tragödie nicht ausschliessen.» Carmeli betonte, ein Selbstmord sei aber nur eine der Richtungen, in die derzeit ermittelt werde. Gegen die beiden werde auch wegen Aussetzung Minderjähriger ermittelt.

Die Ermittler kontrollieren auch Grenzübergänge, Häfen, Bahnhöfe und Flughäfen, um das deutsche Paar zu finden, sagte der Sprecher. «Aber wir haben bisher noch keine Spur von den beiden.»

Man habe im Auto ein Tagebuch der Frau gefunden, in dem Einzelheiten zu ihren finanziellen Problemen beschrieben sind. Die Behörden sind inzwischen in Kontakt mit einer Grossmutter der Kinder in Deutschland, in deren Obhut die Kinder vielleicht gegeben werden.

Sorgerecht entzogen

Die 26-jährige Ina Remhof und ihr 24-jähriger Freund Sascha Schmidt hatten die drei Kinder, die aus einer früheren Beziehung der Frau stammen, am Sonntag in einer Pizzeria alleingelassen, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Die Fünf hätten zu Abend gegessen, danach seien der Mann und die Frau nach draussen gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Sie seien aber nicht wieder zurückgekehrt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Die Deutschen schienen arm zu sein, die Kinder wirkten verwahrlost, sind aber gesund.

Unterdessen wurde bekannt, dass den aus dem Kreis Olpe stammenden Eltern der Kinder das Sorgerecht entzogen wurde. Die Sprecherin des Landgerichts Siegen in Nordrhein-Westfalen, Susanne Kuschmann, teilte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage mit, das Jugendamt des Kreises Olpe habe den Entzug des Sorgerechts am Dienstag vor dem Amtsgericht Lennestadt erwirkt.

Die Staatsanwaltschaft Siegen prüft, ob eine Straftat vorliegt. Wie ihr Sprecher, Oberstaatsanwalt Johannes Daheim, mitteilte, kommen drei Straftatbestände in Frage: Verletzung der Unterhaltspflicht, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und Aussetzung.

Der leibliche Vater ist kein unbeschriebenes Blatt

Nach Angaben der Siegener Ermittlungsbehörde handelt es sich bei den ausgesetzten Kindern um ein vierjähriges Mädchen und zwei Jungen im Alter von acht Monaten und sechs Jahren. Zurzeit kümmert sich der Sozialdienst von Aosta um die Kinder.

Nach Informationen von «Spiegel Online» befindet sich der leibliche Vater der drei Kinder derzeit im Gefängnis. Er war im Juni 2007 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden: Der damals 28-Jährige hatte im November 2006 seine sieben Wochen alte Tochter totgeschüttelt. Dennoch hatte er nach Angaben des Landgerichts Siegen bis zu der jetzigen Entscheidung der Justiz weiterhin das Sorgerecht für seine übrigen drei Kinder.

(ap/kle)

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