Social Media: Eltern von ihren Kids überfordert
Aktualisiert

Social MediaEltern von ihren Kids überfordert

Zwei Drittel der Eltern in der Schweiz fühlen sich oft überfordert. Vor allem älteren macht der Umgang mit neuen Medien zu schaffen. Jedes dritte Paar sorgt sich wegen Cybermobbing.

von
Simona Marty

Mehr als die Hälfte der Schweizer Eltern empfindet die Erziehung ihrer Kinder als immer schwieriger. Zu den Top-­Herausforderungen gehören laut einer Studie von Pro Juventute Ernährung, Schule, Freizeit und Medien. Auffallend: Rund ein Drittel häufig überfragt, was das Medienkonsumverhalten ihrer Kinder anbelangt.

«Eltern wissen im Vergleich zu ihren Kindern vielfach weniger gut über neue Medien Bescheid, was sie in der Erziehung verunsichert», so Stephan Oetiker, Direktor von Pro Juventute. Aber auch medienkompetente Väter und Mütter seien oftmals überfragt, wie ein aktueller Fall eines Schülers zeige: «Ein Foto eines Jungen in unvorteilhafter Stellung auf der Toilette machte kürzlich im Web die Runde. Solch ein Bild ist kaum mehr wegzukriegen und stellt für Schüler und Eltern eine grosse psychische Belastung dar», sagt Oetiker. So bestätigt denn auch eine Studie der Allianz Suisse, dass jedes dritte Schweizer Elternpaar Angst davor hat, dass ihr Kind einmal gemobbt werden könnte.

Eine Problematik, die sich im Zeitalter neuer Medien enorm verschärft hat: «Wenn eine ganze Internet-Community über ein Kind lästert, ist dies viel schlimmer als beim klassischen Mobbing auf dem Schulhof», sagt Oetiker. Neben Cybermobbing berge Facebook bei Kindern zudem die Gefahr, dass sie reale Freundschaften vernachlässigen. Für Nadia Garcia von Elternet.ch sollten Kinder deshalb vor allem lernen, zwischen einer positiven, aktiven Nutzung und unreflektiertem Konsum zu unterscheiden.

«Zeigen, was man im Netz tut»

Herr Hermida*, ist die Medienangst der Eltern berechtigt? Martin Hermida: Ihre Kinder haben mehr Erfahrungen mit Facebook und Co. Eltern sehen sich hier mit etwas Neuem konfrontiert. Es ist klar, dass dies mit einer gewissen Angst verbunden ist.

Herr Hermida*, ist die Medienangst der Eltern berechtigt? Martin Hermida: Ihre Kinder haben mehr Erfahrungen mit Facebook und Co. Eltern sehen sich hier mit etwas Neuem konfrontiert. Es ist klar, dass dies mit einer gewissen Angst verbunden ist.

Sollten Eltern ihre Kinder im Internet überwachen?

Ich denke, es ist wichtig, dass sie ihnen eine gewisse Privatsphäre zugestehen. Dazu gehört sicher nicht, dass sie jeden Schritt ihrer Kinder überprüfen.

Sie sollten auf Facebook also auch nicht befreundet sein?

Das ist nicht nötig. Vielmehr sollten Kinder ihren Eltern ab und zu zeigen, was sie auf Facebook posten oder hochladen. Umgekehrt aber sollten Eltern mit ihren Kinder auch über Gefahren sprechen und mit ihnen zum Beispiel

die Sicherheitseinstellungen durchgehen.

*Martin Hermida ist Medienexperte an der Universität Zürich.

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