Staad SG: Eltern von Jasmina (1) müssen ins Gefängnis
Aktualisiert

Staad SGEltern von Jasmina (1) müssen ins Gefängnis

Jasmina (1) wurde im August 2015 tot im Keller ihres Wohnhauses aufgefunden. Im November mussten sich die Eltern vor Gericht verantworten. Nun sind die Urteile da.

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Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Im Februar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft St. Gallen Anklage gegen die Eltern Jessica T. und Hanspeter H.

Im Februar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft St. Gallen Anklage gegen die Eltern Jessica T. und Hanspeter H.

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In diesem Haus in Staad ereignete sich das Drama.

In diesem Haus in Staad ereignete sich das Drama.

20 Minuten/rar

Für das Kreisgericht Rorschach ist erwiesen, dass die Eltern von Jasmina (1) für ihren Tod verantwortlich sind. Wie das Gericht am Donnerstag bekannt gab, wird Jessica T.* zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Dies wegen fahrlässiger Tötung, Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht, Störung des Totenfriedens, der falschen Anschuldigung sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Anklage hatte zehneinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung forderte bis auf den Punkt der falschen Anschuldigung Freisprüche.

Hanspeter H.* wird verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren, hier hatte die Anklage acht gefordert. Die Verteidigung forderte auch hier Freisprüche.

Nicht vorsätzlich, aber grob fahrlässig

Die 13-seitige Anklageschrift zum Prozess, der Ende November stattfand, war happig. Sie liess erahnen, durch welche Hölle die kleine Jasmina gehen musste. Ihre Qualen gipfelten schliesslich in ihrem Tod. Das Mädchen wurde nur knapp zwei Jahre alt. Am 4. August 2015 wurde sie tot im Keller eines Einfamilienhauses in Staad SG gefunden. Ihre Eltern wohnen noch heute dort.

Nach Auffassung des Gerichts ist davon auszugehen, dass Jasmina am Nachmittag des 3. Juli 2015, einem Hitzetag mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad, verstarb. «Ihr infolge der schweren Vernachlässigung geschwächter Kreislauf kollabierte in der brütenden Hitze», so das Gericht. Nachdem die Mutter den Tod des Kindes festgestellt hatte, informierte sie jedoch niemanden. Man könne den Eltern zwar nicht unterstellen, vorsätzlich den Tod von Jasmina verursacht zu haben, ihre Verhaltensweise sei aber als grob fahrlässig zu qualifizieren.

Jessica T. versteckte die Leiche von Jasmina schliesslich in einem Koffer, den sie in den Keller stellte. Danach täuschte sie ihr gesamtes Umfeld, ihren Partner und die Polizei. Für das Gericht ist dieses Verhalten damit zu erklären, dass Jessica T. die Umstände, die zum Tod ihres Kindes geführt hatten, kaschieren und so eine zeitnahe Obduktion verhindern wollte.

Emotionaler Fall für Gericht

Wie es im Urteil heisst, war es auch für das Kreisgericht Rorschach ein emotional belastendes Verfahren, dem es mit einer gewissen Fassungslosigkeit begegnet. «Wie ist es möglich, dass wortwörtlich mitten im Dorf ein Kind, unbeachtet von seiner Umgebung, über längere Zeit vernachlässigt wird, ohne dass seitens der Öffentlichkeit eingeschritten wird? Dies, obwohl der Kindsmutter die Obhut über zwei ältere Kinder bereits entzogen worden war?», schreibt das Gericht in seiner Mitteilung vom Donnerstag.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen heisst es auf Anfrage, man habe das Urteil zur Kenntnis genommen und werde das begründete Urteil studieren und sich dann Gedanken über weitere Schritte machen. Der Anwalt von Hanspeter H. ist mit dem Urteil überhaupt nicht zufrieden, wie er sagt. Für ihn sei jetzt schon ziemlich klar, dass er den Fall ans Kantonsgericht weiter ziehen wolle. Genau so sieht es auch die Anwältin von Jessica T., wie sie auf Anfrage von 20 Minuten sagt.

* Namen der Redaktion bekannt

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