Arbon TG: Eltern vor Gericht wegen Schwänzens der Tochter
Aktualisiert

Arbon TGEltern vor Gericht wegen Schwänzens der Tochter

Nachdem sie ihre elfjährige Tochter wegen Panikattacken kurzfristig vom Skilager abgemeldet hatten, hat eine Thurgauer Schule ein Elternpaar angezeigt.

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Ein Thurgauer Ehepaar musste sich am Montag vor dem Bezirksgericht Arbon verantworten.

Ein Thurgauer Ehepaar musste sich am Montag vor dem Bezirksgericht Arbon verantworten.

Staatskanzlei
Dies nachdem sie ihre Tochter wegen Panikattacken kurzfristig vom Skilager abgemeldet hatten.

Dies nachdem sie ihre Tochter wegen Panikattacken kurzfristig vom Skilager abgemeldet hatten.

Keystone/Arno Balzarini
Die Vorwürfe gegen sie seien haltlos: Weder hätten sie sich von der Tochter um den Finger wickeln lassen, noch hätten sie zu spät das Gespräch mit der Schule gesucht.

Die Vorwürfe gegen sie seien haltlos: Weder hätten sie sich von der Tochter um den Finger wickeln lassen, noch hätten sie zu spät das Gespräch mit der Schule gesucht.

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Wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet, musste das Ehepaar diese Woche vor dem Bezirksgericht Arbon erscheinen. Die ehemalige Spitzenathletin und der Sportseelsorger verzichteten auf einen Anwalt: Sie seien sich keiner Schuld bewusst.

Anders sahen das die Schulbehörde ihres Wohnorts und die Staatsanwaltschaft Bischofszell. Sie warfen dem Ehepaar vor, gegen das Volksschulgesetz verstossen zu haben. Grund: Im Januar 2016 hatten sie ihre damals elfjährige Tochter kurzfristig vom Skilager abgemeldet, nachdem diese eine Panikattacke hatte.

Geweint und gezittert

Per Strafbefehl wurde den Eltern eine Busse von je 450 Franken plus Verfahrensgebühren von je 300 Franken auferlegt. Dagegen haben sie Einsprache erhoben, weshalb es diese Woche zum Gerichtstermin kam. Die Vorwürfe gegen sie seien haltlos: Weder hätten sie sich von der Tochter um den Finger wickeln lassen, noch hätten sie zu spät das Gespräch mit der Schule gesucht. Schon gar nicht hätten sie das Ganze lange im Voraus geplant.

Im Gegenteil: Für sie sei selbstverständlich gewesen, dass die Tochter ins Lager fährt, so die Eltern. Doch am Vorabend sei das Kind von Panik ergriffen worden, es habe geweint und gezittert. Und auch am Tag der geplanten Abreise habe es sich nicht beruhigt: «Ich hätte sie mit körperlicher Gewalt zwingen müssen, in den Bus einzusteigen», wird die Mutter von der Zeitung zitiert. Sofort habe sie den Lehrer über den Vorfall informiert.

Gleiche Regeln für alle

Auch mit dem Schulleiter habe man Kontakt aufgenommen. Dieser habe nicht viel gesagt. Ab Dienstag besuchte die Tochter den Unterricht einer tieferen Klasse. Von der Schule hätten die Eltern in der Folge nichts mehr gehört und die Sache zunächst für erledigt gehalten. Sie täuschten sich. Als die Mutter einmal die Schulpräsidentin traf, habe ihr diese erklärt, die Sache werde ein Nachspiel haben.

Das Ehepaar glaubt, man wolle ein Exempel statuieren, nachdem es bereits im Herbst 2015 verwarnt worden war. Dies, nachdem es die Kinder am Tag vor den Ferien rund eine Stunde zu früh aus der Schule geholt hatte. Die Frau bezeichnet den damaligen Vorfall als «absolutes Missverständnis»: Sie habe die zuständigen Stellen informiert, doch habe ihr niemand gesagt, dass sie ein Gesuch hätte stellen müssen.

Die Eltern vermuten, die Schule wolle womöglich ein Zeichen setzen und zeigen, dass die Regeln für alle gälten – auch für sie, die in der Vergangenheit immer wieder in der Öffentlichkeit standen. Dabei würden sie für sich gar keine Sonderstellung beanspruchen, sagt die Mutter.

Schelte für die Schule

Das Bezirksgericht Arbon sprach das Ehepaar frei. Es hält die Aussagen des Ehepaars für glaubwürdig. Es sprach ihm zudem eine Umtriebsentschädigung von 500 Franken zu. In einer akuten Ausnahmesituation hätten die Eltern zum Wohl des Kindes gehandelt. «Sie haben nichts falsch gemacht», wird die vorsitzende Richterin zitiert.

Peinlich wird die Sache für die Schule. Ihr Verhalten taxiert das Gericht als befremdlich. Im entscheidenden Moment habe sie keine Hilfe angeboten, dafür dem Ehepaar nachträglich Vorwürfe gemacht. Und auch die Staatsanwaltschaft steht in der Kritik. Es sei nicht nachvollziehbar, dass weder die Angeschuldigten noch die Schulverantwortlichen befragt worden seien. (20 Minuten)

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