«Atemnot» und «Gefahrensignal»: Eltern wehren sich gegen Maskenpflicht an Schulen
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«Atemnot» und «Gefahrensignal»Eltern wehren sich gegen Maskenpflicht an Schulen

Manche Mütter und Väter befürchten, dass das obligatorische Maskentragen in der Schule ihren Kindern schadet. Etwa im Kanton Luzern prüft eine Elterngruppe rechtliche Schritte.

von
Nadine Wechsler
Bettina Zanni
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Kurz vor dem Start des neuen Schuljahrs am Montag im Kanton Luzern wehrt sich laut dem «Regionaljournal Zentralschweiz» von SRF einen Gruppe von Eltern gegen die an den nachobligatorischen Berufs- und Kantonsschulen eingeführte Maskenpflicht.

Kurz vor dem Start des neuen Schuljahrs am Montag im Kanton Luzern wehrt sich laut dem «Regionaljournal Zentralschweiz» von SRF einen Gruppe von Eltern gegen die an den nachobligatorischen Berufs- und Kantonsschulen eingeführte Maskenpflicht.

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In elf Kantonen herrscht für Schüler auf der nachobligatorischen Stufe eine mehr oder weniger strikte Maskenpflicht. Sobald der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, müssen sie eine Maske aufsetzen.

In elf Kantonen herrscht für Schüler auf der nachobligatorischen Stufe eine mehr oder weniger strikte Maskenpflicht. Sobald der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, müssen sie eine Maske aufsetzen.

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Einzelne Kantone gehen noch etwas weiter und schreiben die Maske im Kampf gegen die Pandemie sowohl in den Schulräumen als auch ausserhalb vor.

Einzelne Kantone gehen noch etwas weiter und schreiben die Maske im Kampf gegen die Pandemie sowohl in den Schulräumen als auch ausserhalb vor.

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Darum gehts

  • Die Maskenpflicht, die in mehreren Kantonen an den Gymis und Berufsschulen eingeführt wurde, kommt bei einigen Eltern schlecht an.
  • Eine Elterngruppe aus dem Kanton Luzern führt «erhebliche gesundheitliche und psychosoziale Konsequenzen» für die Schüler ins Feld.
  • Auch das Schaffhauser Bildungsdepartement erhielt kritische Reaktionen.

In elf Kantonen herrscht für Schüler auf der nachobligatorischen Stufe eine mehr oder weniger strikte Maskenpflicht. Sobald der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, müssen sie eine Maske aufsetzen. Einzelne Kantone gehen noch etwas weiter und schreiben die Maske im Kampf gegen die Pandemie sowohl in den Schulräumen als auch ausserhalb vor. Doch nun formiert sich gegen die Schutzkonzepte Widerstand.

Kurz vor dem Start des neuen Schuljahrs am Montag im Kanton Luzern wehrt sich laut dem Regionaljournal Zentralschweiz von SRF einen Gruppe von Eltern gegen die an den nachobligatorischen Berufs- und Kantonsschulen eingeführte Maskenpflicht. Rund 60 Personen, meist Eltern von Jugendlichen, haben den Brief, der 20 Minuten vorliegt, unterschrieben. «Mit grosser Empörung» nähmen sie zur Kenntnis, dass die weiterführenden Schulen und die Oberstufe des Kantons Luzern wie auch viele Schulen in anderen Kantonen eine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet hätten, schreibt die Gruppe mit dem Namen «Eltern und Schule stehen auf. Regionalgruppe Luzern». Adressat ist der Luzerner Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann.

«Atemnot, Schwindel und Übelkeit»

Nach Ansicht der Eltern sind die Gesichtsmasken eine Belastung für die Schüler und «eigentlich für den beruflichen Einsatz im Gesundheitswesen gedacht und konzipiert». Für den Gebrauch in einer Schule seien diese «schon gar nicht» vorgesehen. Im Gegensatz zu den Schülern setze das medizinischen Personal die Masken situativ ein und sei in deren korrekten Umgangs geschult. Auch verweisen die Absender auf den «ohnehin umstrittenen Nutzen der Masken».

Die Eltern warnen weiter vor «erheblichen gesundheitlichen und psychosozialen Konsequenzen» für die Schüler. Erwähnt werden Atemnot, Schwindel, Übelkeit und Hautprobleme. Damit entstünden erhebliche Konzentrationsprobleme. Auch stellen die Masken laut den Eltern einen «Angriff auf die Menschenwürde und die körperliche sowie geistige Unversehrtheit» dar. Die Maske mache Menschen gesichts- und sprachlos und sende das Dauersignal: «Jeder ist für jeden eine Gefahr.» Man prüfe nun, ob man die Maskenpflicht auf dem Rechtsweg verhindern könne, heisst es im Brief weiter. Als mögliche Anklagepunkte werden «Amtsmissbrauch», «Nötigung» oder «vorsätzliche Körperverletzung» genannt.

Sind Ausnahmen möglich?

Der Luzerner Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann sagte zum «Regionaljournal Zentralschweiz» von SRF: «Wir wollen in der Schule so viel Präsenzunterricht und Normalität wie möglich», so der parteilose Regierungsrat. Durch die spezielle Lage, in der man sich befinde, sei eine Maskenpflicht teilweise erforderlich. Ein Angriff auch die Menschenwürde sei das mit Bestimmtheit nicht. In der kommenden Woche werde er den Brief der Eltern schriftlich beantworten.

Auf Anfrage von 20 Minuten sagte Aldo Magno, Leiter der kantonalen Dienststelle für Gymnasialbildung, dass Schüler, die keine Masken tragen wollen, bei der Schulleitung einen Antrag stellen könnten. «Die Schulleitung würde dann eine Verfügung ausstellen, gegen die der normale Rechtsweg beschritten werden kann.» Bei einem medizinischen Grund würde eine Bewilligung wohl erteilt, «aber einfach mit der Behauptung, die Maskenpflicht an der Schule sei eine Verletzung des Menschenrechts, eher nicht». Dieses Argument sei ihm «schleierhaft».

Und was, wenn sich ein Schüler im Klassenzimmer einfach weigert, eine Maske zu tragen? Dann soll der Lehrer ihn laut Magno höflich darauf hinweisen, eine Maske anzuziehen. «Ich glaube indes nicht, dass viele Schüler opponieren werden, so wie es nun diese Eltern tun.»

Bedenken wegen Mangel an frischer Luft

Auch in anderen Kantonen trifft die Maskenpflicht auf Widerstand. Im Kanton Schaffhausen gingen laut Erziehungsdirektor Christian Amsler (FDP) einzelne Reaktionen von Eltern dagegen ein. «Sie hatten Bedenken, dass ihr Kind nicht genügend frische Luft einatmen kann», sagt Amsler. Andere Eltern hätten die Masken rein visuell problematisch gefunden. «Wenn plötzlich alle mit Masken rumlaufen, vermittle das eine Weltuntergangsstimmung, fanden einzelne Eltern.»

Die Schulen antworteten den Eltern laut Amsler individuell auf Basis eines Grundlagentextes. Der Brief, der 20 Minuten vorliegt, weist unter anderem darauf hin, dass mit der Maskenpflicht bei auftretenden positiven Fällen nicht ganze Klassen oder Schulen geschlossen werden müssten. «Das Schlimmste für den Schulbetrieb wäre ein erneuter Lockdown mit einer Rückkehr zu Fernunterricht über längere Zeit.» Auch macht der Brief darauf aufmerksam, dass eine Lockerung der Maskenpflicht an Hitzetagen erfolgt. «Eine Ausnahme kann auch aus medizinischen Gründen gemacht werden», heisst es dort zudem.

Regel akzeptiert

Alle Schüler würden sich erfreulich an die Maskenpflicht halten, sagt Christian Amsler. «Es gab aber Eltern, die unsere Regel zwar akzeptieren, aber dennoch bei ihren Ansichten blieben.»

Im Kanton Aargau geht die situativ angeordnete Maskenpflicht in den nachobligatorischen Schulen laut dem Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) bisher mit viel Verständnis und ohne grössere Misstöne über die Bühne. «Gewisse Berufsfachschulen haben sehr strikte Regeln. Da hätte ich mit gewissem Widerstand gerechnet», sagt er. Bis anhin hätten ihn aber keine Reklamationen erreicht.

Elf Kantone haben Maskenpflicht

Laut einem Bericht von SRF gilt in elf Kantonen eine Maskenpflicht an Gymnasien und Berufsschulen: Bern, Aargau, Jura, Luzern, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf, Basel-Landschaft, Zürich und Schaffhausen. In Kantonen wie Basel-Stadt, St. Gallen, Graubünden, Thurgau, Zug, Obwalden, Schwyz, Solothurn, Uri oder den beiden Appenzell werde vorerst darauf verzichtet, heisst es im Bericht weiter. Doch auch in vielen dieser Kantone müssten Masken getragen werden, wenn die Distanzregeln nicht eingehalten werden könnten.

Oberster Gymnasiallehrer fordert Gratismasken

Lucius Hartmann, Präsident des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und -Lehrer, findet es gut, dass es keine schweizweit einheitliche Lösung gibt, sondern jeder Kanton selber entscheidet. «Das ist abhängig von der epidemiologischen Entwicklung. In Kantonen mit wenig Fällen ergibt eine Maskenpflicht an Gymnasien wenig Sinn, in stark betroffenen Kantonen oder an Schulen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, schon», sagte er Anfang August auf Anfrage von 20 Minuten. Er glaubt indes: «Wenn gewisse Kantone die Pflicht einführen und damit Erfolg haben, werden andere nachziehen.»

In Kantonen, in denen eine Pflicht gilt, wünscht sich der oberste Gymnasiallehrer der Schweiz, dass die Schüler die Masken nicht selber zahlen müssen, sondern ihnen solche gratis zur Verfügung gestellt werden. «Das hätte auch den Vorteil, dass sichergestellt ist, dass alle Schüler über Masken verfügen, die den Qualitätsansprüchen genügen, und dass sie nicht jeden Tag einfach dieselbe Maske tragen.»

Deine Meinung

929 Kommentare
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Ego

18.08.2020, 17:27

Ich trage nur eine weil es ein Muss ist, und ja eine stylische Stoffmaske. Das blabla um den Schutz ist eh nur geheuchel. Mir persönlich sind die anderen ziemlich egal. Die größte Epidemie ist der Mensch, wenns da ein paar weniger hat who cares ??

Marco M.

18.08.2020, 11:48

Die Berufsschule hat gestartet und ist problemlos. Alle halten sich daran. Schlimm dieses Nörgeln. Wir wollen nicht wieder Fernunterricht.

Domdom

17.08.2020, 08:47

Wer denkt an die Lehrer. Vor allem jene welche die Altersgruppen 13+ unterrichten müssen. Teenager die sich gerne über Regeln hinwegsetzen und (verständlicherweise) auch in dem Ausgang wollen.