Aktualisiert 20.03.2016 09:42

Stadt ZürichEltern wehren sich gegen WLAN im Klassenzimmer

In Zürich verfügen Schulen und Kindergärten über WLAN-Sender, die nicht ausgeschaltet werden können. Eltern sind um das Wohl ihrer Kinder besorgt – laut einem Experten zu Recht.

von
ced
Im Unterricht finden Laptops und Tablets immer mehr Verwendung.

Im Unterricht finden Laptops und Tablets immer mehr Verwendung.

Keystone/AP/Elaine Thompson

Das Projekt Kits 3 der Stadt Zürich wurde 2013 ins Leben gerufen und sieht vor, bis Ende 2016 allen Schülern kabellosen Internet-Zugriff zu ermöglichen. Mittlerweile sind laut der Wochenzeitung praktisch alle Schulhäuser und Kindergärten in der Stadt Zürich mit WLAN ausgerüstet. Das stösst auf Kritik – vor allem bei den Eltern, die sich in der «Interessengruppe für WLAN mit Mass in Schulen, Kindergärten und Krippen» organisiert haben.

Insbesondere dass die Sender nicht ausgeschaltet werden können, löst bei ihnen Unverständnis aus. «Fast in jedem Klassenzimmer steht ein WLAN-Router, den weder Schüler noch Lehrer abschalten dürfen. Er strahlt also 24 Stunden am Tag», sagt Mitglied Schoschana Braut. Zum Schutz der Kinder fordert sie deshalb, dass die Sender nur bei Gebrauch eingeschaltet werden. Die Interessensgruppe hat dazu eine Petition lanciert, die am 30. März dem Stadtrat übergeben werden soll.

Elektrosmog an Schulen zu hoch

Sie folgt damit der Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das die Langzeitauswirkungen von WLAN als noch «ungenügend erforscht» ansieht. Weshalb ist es in den Zürcher Schulen trotzdem verboten, die Sender bei Nichtgebrauch auszuschalten? Ralph Kreuzer, Sprecher des Schul- und Sportdepartements: «Das hat zwei Gründe. Erstens greifen Geräte bei einer Abschaltung auf das Mobilfunknetz zurück, wodurch die Strahlenbelastung erhöht wird. Zweitens soll verhindert werden, dass Schüler mit den Sendern Unfug treiben.» Nur so könne ein risikoarmer Einsatz von drahtlosen Netzwerken gewährleistet werden.

Strahlungsexperte Josef Peter hält das für «Humbug». WLAN sei vor allem in alten Bauwerken belastend – aussagend sei nämlich nicht nur das drahtlose Netzwerk, sondern die Summe des Elektrosmogs: «WLAN an sich ist kein Problem. Oft sind Gebäude für die heutige Strahlenbelastung jedoch schlecht geerdet.» Bereits ohne WLAN werde Strahlung, wie zum Beispiel jene der Beleuchtung, ungenügend abgeleitet. Peter: «An den meisten Schulen ist das eine absolute Katastrophe.» Komme zum bereits bestehenden Elektrosmog noch WLAN hinzu, könne das zu Konzentrationsstörungen, Kopfweh und einem Gefühl des «inneren Brennens» führen.

Politiker nehmen Stellung

Wissenschaftlich ist der direkte Einfluss von WLAN auf den Gesundheitszustand jedoch umstritten. Politiker bringen den Schulen deshalb Verständnis entgegen. So zum Beispiel FDP-Gemeinderat Severin Pflüger, der die Begründung des Schulamts unterstützt. «Kommt hinzu, dass Kinder heutzutage praktisch überall WLAN-Netzwerken ausgesetzt sind, ohne bekannte Folgen», so Pflüger. Gemeinderat und Energieberater Andreas Edelmann (SP) schlägt eine zusätzliche Alternative vor: «Eine Möglichkeit wäre, die Sender nicht direkt im Schulzimmer zu platzieren.»

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