Mit Dino-Aufkleber – Eltern wollen TCS-Werbung vom Kindsgi-Bändel verbannen
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Mit Dino-AufkleberEltern wollen TCS-Werbung vom Kindsgi-Bändel verbannen

Auf den «Lüchzgis» der Kindergärtler wird seit Jahrzehnten das Logo des TCS aufgedruckt. Nun wehren sich Eltern dagegen und stellen Sticker zur Verfügung, mit denen das Logo abgeklebt werden kann.

von
Christina Pirskanen
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Sie sind weit bekannt: Die «Lüchzgis», welche Kindergärtler auf dem Weg zur Schule tragen. Produziert werden diese seit knapp 40 Jahren vom Touring Club Schweiz (TCS). So ist auch das Logo des Vereins auf dem Kindsgi-Bändel sichtbar aufgedruckt.

Sie sind weit bekannt: Die «Lüchzgis», welche Kindergärtler auf dem Weg zur Schule tragen. Produziert werden diese seit knapp 40 Jahren vom Touring Club Schweiz (TCS). So ist auch das Logo des Vereins auf dem Kindsgi-Bändel sichtbar aufgedruckt.

20min/Marco Zangger
Anstatt TCS-Logos sollen nun bunte Tiere die «Lüchzgis» von Kindergärtlern zieren. Die Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» stellt die Sticker kostenlos zur Verfügung. Finanziert werde die Aktion aus der eigenen Tasche.

Anstatt TCS-Logos sollen nun bunte Tiere die «Lüchzgis» von Kindergärtlern zieren. Die Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» stellt die Sticker kostenlos zur Verfügung. Finanziert werde die Aktion aus der eigenen Tasche.

20min/Marco Zangger
 «Wir finden es stossend, dass der TCS die Kinder als Werbesäule missbraucht und gleichzeitig gegen ihre Interessen vorgeht», sagt die Koordinatorin der Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» Andrea Hüsser. Sie kritisiere, dass sich der TCS stark gegen Tempo 30 einsetze. «Das ist für uns ein grosser Widerspruch», sagt sie.

«Wir finden es stossend, dass der TCS die Kinder als Werbesäule missbraucht und gleichzeitig gegen ihre Interessen vorgeht», sagt die Koordinatorin der Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» Andrea Hüsser. Sie kritisiere, dass sich der TCS stark gegen Tempo 30 einsetze. «Das ist für uns ein grosser Widerspruch», sagt sie.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Aktion «Kindgsi-Bändel ohne Werbung» wehrt sich gegen das TCS-Logo auf den «Lüchzgis».

  • Die Initiantinnen und Initianten bieten nun Tier-Stickers an, mit denen das Logo überklebt werden könne.

  • Finanziert wird die Aktion aus eigener Tasche.

  • Der TCS, welcher die reflektierenden Bändel seit knapp 40 Jahren produziert, empfindet die Kampagne als «nicht ganz ehrlich».

Die meisten trugen ihn schon mal: Den leuchtenden Kindsgi-Bändel, welcher zur verbesserten Sichtbarkeit auf dem Schulweg von Kindergärtlern beiträgt. Auf dem reflektierenden Bändel prangt auch das Logo des Touring Club Schweiz (TCS) - der Verein produziert die «Lüchzgis» seit knapp 40 Jahren.

Das stösst einigen Eltern jedoch sauer auf: «Wir finden es stossend, dass der TCS die Kinder als Werbesäule missbraucht und gleichzeitig gegen ihre Interessen vorgeht», sagt die Koordinatorin der Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» Andrea Hüsser. Die Aktion bietet gratis Sticker an, mit denen unliebsame Logos, wie jenes des TCS, überklebt werden können. Neu sollen nun Dino- und Tiermotive mit 30er-Symbol den Kindsgi-Bändel zieren.

Finanzierung durch Initiantinnen und Initianten

Ausschlaggebend für die Aktion sei laut Hüsser, dass der TCS hauptsächlich die Interessen von Autofahrenden vertritt, nicht aber diejenigen der Fussgänger oder Kinder. «Der TCS setzt sich zum Beispiel stark gegen Tempo 30 ein. Das ist für uns ein grosser Widerspruch», sagt Hüsser, die selber Mutter einer Tochter im Kindergartenalter ist.

Die Idee mit den Klebern käme in ihrem Umfeld sehr gut an: «Viele Eltern hatten sich noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Bis jetzt haben wir nur positive Rückmeldungen erhalten.» Das Vorhaben finanzierten die Initiantinnen und Initianten aktuell aus der eigenen Tasche, so Hüsser: «Es wäre natürlich schön, wenn wir die Produktion mit Spenden finanzieren könnten, wir werden aber auch ohne weitermachen.»

TCS zeigt sich erstaunt über Aktion

Beim TCS hat man Kenntnis von der Aktion. «Wir sind etwas erstaunt und bedauern, dass über die «Lüchzgis» versucht wird, politische Anliegen zu transportieren», sagt Mediensprecher Daniel Graf. Die Aussage, dass der TCS sich generell gegen Tempo 30 ausspreche, sei falsch. «Der TCS begrüsst und unterstützt Tempo 30 oder 20er Zonen in Quartierstrassen, insbesondere in der Nähe von Schulen und Kindergärten», so Graf. Auf Hauptverkehrsachsen würden 30er-Zonen aus Sicht des TCS jedoch keinen Sinn ergeben: «Dadurch müsste bei Stau mit mehr Ausweichverkehr in den Quartieren gerechnet werden.»

Die Kampagne sei nicht ganz ehrlich, so Graf: Er vermutet, dass die Aktion in Wahrheit von der «politischen» Kampagnenorganisation Campax gesteuert werde: «Einerseits sollen Kinder laut Campax nicht als Werbeträger fungieren, für die Anliegen von Campax mit dem ‹30iger Sticker› dann aber schon.» Andrea Hüsser bestreitet diesen Vorwurf: «Die Aktion wird einzig und allein von mir und den zwei anderen Initianten geleitet.» Campax unterstütze laut Hüsser nur beim Versand der Sticker und habe der Aktion eine Webseite zur Verfügung gestellt.

«Lüchzgi»-Produktion durch TCS mache Sinn

Neu sei es nicht, dass Eltern ihren Kindern verbieten Produkte zu tragen, auf denen das Logo eines Verkehrsverbandes aufgedruckt ist, sagt Dieter Lüthi, Geschäftsführer des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS). «Die Gründe dafür sind wohlbekannt und wir akzeptieren diese ohne Probleme.» Aus diesem Grund möchte er die Aktion «Kindsgi-Bändel ohne Werbung» nicht kommentieren.

Die «Lüchzgis» seien Teil der Kampagne «Schulweg» gewesen und somit von Anfang an ein gemeinschaftlich geführtes Projekt der Organisationen «Ihre Polizei», der bfu, dem FVS und dem TCS. «Dass da eine der Organisationen, der TCS, die Produktion der Kindsgi-Bändel übernommen hat, macht Sinn», sagt Lüthi.

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