10.09.2017 19:53

Bub oder Mädchen?

Eltern wollen zunehmend Baby-Geschlecht wählen

Geschlechterselektion ist in der Schweiz weiter verboten. Dennoch gibt es eine wachsende Zahl an Eltern, die über das Geschlecht ihres Kindes bestimmen möchten.

von
sul
Family balance: Für die meisten Eltern bedeuten ein Mädchen und ein Bube das perfekte Familienglück.

Family balance: Für die meisten Eltern bedeuten ein Mädchen und ein Bube das perfekte Familienglück.

Keystone/Rainer Jensen

In einigen US-Bundesstaaten dürfen Eltern, die bereits ein oder meherere Kinder desselben Geschlechts haben, bei einer In-vitro-Fertilisation über das Geschlecht ihres nächsten Babys bestimmen. Family balancing, wie sich diese Art der Selektion in den USA nennt, ist in der Schweiz nicht erlaubt.

Dennoch treten auch hierzulande vermehrt Eltern mit einem Geschlechterwunsch an Ärzte heran, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. So etwa am Universitätsspital Basel, das als einziges in der Schweiz über die technischen Möglichkeiten verfügt, Spermien nach Geschlecht zu sortieren. Die Methode darf aber nur angewendet werden, um genetisch bedingte Krankheiten auszuschliessen.

PID zur Wahl des Geschlechts weiterhin verboten

«Haben die Paare kein medizinisches Motiv, dann geht es nahezu immer um family balancing», sagt Christian De Geyter, Chefarzt Reproduktionsmedizin am Uni-Spital Basel, zur Zeitung. Gegen dieses Anliegen wehrt er sich allerdings. Zwar könne er sich in einzelne Fälle durchaus einfühlen, doch sei es seine Aufgabe, «Krankheiten zu heilen oder zu verhindern, und nicht, Familienkosmetik zu betreiben».

Befeuert wird der Geschlechterwunsch durch das revidierte Fortpflanzungsmedizin-Gesetz, das vergangene Woche in Kraft getreten ist. Dieses erlaubt die genetische Untersuchung von im Labor erzeugten Embryonen, bevor er der Frau in die Gebärmutter eingesetzt wird (Präimplantationsdiagnostik, PID). Allerdings ist die PID lediglich zur Erkennung von schweren Entwicklungsstörungen zugelassen. Die Wahl des Geschlechts bleibt auch in Zukunft verboten.

Thema auch bei natürlichen Schwangerschaften

In Internetforen werden rege Tipps ausgetauscht, wie die klaren gesetzlichen Bestimmungen umgangen werden können. Dort findet man etwa Tipps, an welche Kliniken sich Paare wenden sollen. «Die Ärzte machen PID nicht offiziell für family balancing, aber wenn man sie diskret darauf anspricht, lassen sie einen den Embryo auswählen», schreibt etwa eine Userin auf der Seite Genderdreaming.

Auch bei natürlichen Schwangerschaften ist die Wahl des Geschlechts zunehmend von elterlichem Interesse, schreibt die «NZZ am Sonntag» weiter. Durch einen pränatalen Bluttest der Mutter, der ab der 10. Schwangerschaftswoche erlaubt ist, lässt sich das Geschlecht des Fötus bestimmen. Straffrei abgetrieben werden kann bis zur zwölften Woche.

Rund 100 geschlechtsbedingte Abtreibungen jährlich

Gemäss einer Schätzung von Daniel Surbek, Chefarzt am Inselspital Bern, kommt es in der Schweiz jährlich zu rund 100 Abtreibungen aufgrund «falschen» Geschlechts. Solche Fälle will der Bundesrat verhindern. Daher unterstützt er eine Motion, gemäss der das Geschlecht des Ungeborenen erst nach der 12. Woche mitgeteilt werden darf.

Fehler gefunden?Jetzt melden.