Aktualisiert 23.01.2008 23:28

EM 08: Schweizern fehlt es an Charme

Der erste Gastgeberkurs für die Verantwortlichen an der Euro 08 hat begonnen. 20minuten.ch hat Redaktionsmitglied Maurice Thiriet ins Höflichkeitsseminar gesteckt. Der konnte den Kurs sowieso gut gebrauchen.

«Glauben Sie ja nicht, der Gast könne Ihnen auf der Nase rumtanzen. Denn der Gastgeber ist der Chef, und der Gast hat zu spuren. Das darf man den Gast aber nicht spüren lassen. Er soll immer meinen, er könne machen, was er will». Die erste Lektion im Gastgeberkurs von Dan Wiener ist unmissverständlich.

Die teilnehmenden Benimmschüler bekommen langsam wieder Oberwasser und Selbstvertrauen. Der Schock, den Benedikt Weibel, Mister Euro 08, den Schülern zu Anfang des Seminars verpasst hat, scheint überwunden: «Mit dem Charme der Österreicher können wir nicht mithalten.» Das sass.

Inzwischen sind die Anwesenden am Gastgeber-Training, vorwiegend SBB- und Bergbahnmitarbeiter, wieder wild entschlossen, die Schweiz wenigstens für die Euro in ein Land des Lächelns zu verwandeln.

Dazu sind die Grundregeln der Gastronomie, so Wiener, strikt zu beachten: «Freundlich sein statt höflich. Respektvoll sein statt unterwürfig und interessiert sein statt neugierig.»

Ganz wichtig: Der erste Eindruck ist alles, so Wiener: «Bringen Sie den Gast gleich zu Anfang gegen sich auf, dann haben sie nachher nur unnötige Scherereien.» Dies gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Sich auf die Deutschen freuen

Doch die Aufgaben sind nicht für alle gleich. Die Dreierdelegation der Tessiner Tourismusverantwortlichen zum Beispiel soll vor allem lernen, sich «auf die Deutschen zu freuen», wie Kursleiter Dan Wiener mit einem Augenzwinkern sagte. Die anwesenden Tessiner sind unter anderem verantwortlich für die Einquartierung und Betreuung der deutschen und schwedischen Nationalmannschaft. Noch hält sich die Freude in engen Grenzen und sieht eher nach angestrengtem Lachen aus. Aber der Kurs ist ja noch lange nicht zu Ende.

«Kennen Sie die Stadien»

In der zweiten und dritten Lektion des Euro 08-Gastgeberkurses hat man gelernt: Kennen Sie sich im Fussball und auch an der Euro 08 aus. Sie sollen sich mit Ihren Gästen ja auch unterhalten können. Kennen Sie also die verschiedenen Nationalhymnen, damit Sie bei spontanen gesanglichen Darbietungen nicht abseits stehen müssen. Bereiten Sie sich auch darauf vor, in einem Satz erklären zu können, was ein Abseits ist.

Auch die korrekten Bezeichnungen für die Fussballstadien sollte man kennen. Die Besucher können mit «Joggeli» oder «Wankdorf» eventuell nichts anfangen. Sagen Sie stattdessen St. Jakob-Park und Stade de Suisse.

Wissen Sie auf jeden Fall auch, wer Karli Odermatt ist. Es könnte sein, dass Deutsche Franz Beckenbauer als grösste Fussballlegende bezeichnen. Das Wissen um Odermatts Existenz gestaltet das unvermeidliche Streitgespräch für alle Parteien erquicklicher.

Engagiert bis gewaltbereit

In der vierten Lektion hat Euro-Fanbetreuer David Zimmermann die Bedürfnisse eines Fussballfans erklärt. Seine Erfahrung habe gezeigt, so gibt er den Schülern mit, dass man dem Fan lieber erklärt, warum man ihm einen Wunsch verweigert. Sonst werde der engagierte Fan gegebenenfalls zum gewaltbereiten Fan.

Allen Fans gemein sei ihr Wunsch nach Wertschätzung. Ausrufe wie «böser Türke», «hässlicher Deutscher» und «heissblütiger Italiener» sollen tunlichst unterlassen werden.

Vorsicht vor dem Hahn

Zimmermann orientierte die mittlerweile schon ein wenig in den Seilen hängenden Kurs-Teilnehmer auch über die Eigenheiten der verschiedenen Fangruppen. So wies er etwa darauf hin, dass die französischen Fans keine Frösche essen. Der französische Fanbetreuer hat auf der Weitergabe dieser Information in der Schweiz bestanden.

Ausserdem warnte Zimmermann vor dem einen Fan, der traditionellerweise mit einem lebenden Hahn als Maskottchen unterwegs ist. Bei einer allfälligen Begegnung soll auch der Hahn mit dem nötigen Respekt begrüsst werden. Allfällige Schreckgefühle seien aus Rücksicht auf den Hahn so gut als möglich zu verbergen.

Holländer ist auch nur ein Mensch

Die holländischen Fans wiederum soll der gute Gastgeber nicht spüren lassen, dass er ein Fussballfan ist. Der holländische Fan sieht sich nur als Mensch und nicht als Fussballfan. Fanspezifische Angebote und Massnahmen kann er deshalb nicht richtig einordnen und mag sie nicht.

Italiener sind problemlos

Die Italiener wiederum sind problemlos. Für diese Fangruppe ist eine EM ein sehr familiärer Anlass. Lediglich im Umgang mit den Ultras ist Feingefühl angebracht.

Rumänen wie «Russen in Davos»

Über die rumänischen Fans weiss man so gut wie nichts, sagte Zimmermann. Einzig über kurzfristige Reiseantritte sei man informiert. Ausserdem spiele für die Rumänen Geld keine Rolle.

Es sei ein Benehmen wie von «Russen in Davos zu erwarten», sagte Zimmermann gestützt auf die Aussagen eines rumänischen Szene-Kenners.

20minuten.ch-Reporter Maurice Thiriet ist für Sie im Gastgeber-Kurs vor Ort und berichtet fortlaufend, wenn es im Berner Wankdorf für eine erste Gruppe von Chef-Gastgebern heisst: «Punkten Sie». Als «Gastgeber», als «Kenner der Euro 08», als «City Guide», «bei den Fans» und mit «Fairness und Sicherheit».

Der Gastgeber-Kurs in fünf Modulen dauert den ganzen Tag. Schauen Sie also öfter mal rein und werden Sie selbst beiläufig ein besserer Gastgeber.

Der Basler Schauspieler und Kommunikationsberater Dan Wiener hat in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Fernsehmoderator Raymond Fein das Gastgeber-Trainings-Programm ausgearbeitet. Dieses soll Polizisten, Kioskangestellte, Bähnler, Sanitäter, Wirte und Flughafenpersonal zu strahlenden und kompetenten Gastgebern machen, auf dass die Euro-Besucher die Schweiz auch später wiedermal beehren. Das Gastgeber-Tuning sei nötig, liess Jürg Schmid, Chef von Schweiz Tourismus in den Medien verlauten. Der Schweizer sei zwar charmant, aber bisweilen zu «kantig» und zu «direkt». Dan Wiener meint, die Schweizer seien «etwas reserviert und agierten beamtenhaft». Das werde man jetzt ändern, wie eigene Freunde sollen die ausländischen Fussballfans und potentiellen Schweiz-Touristen behandelt werden.

Der Basler Schauspieler und Kommunikationsberater Dan Wiener hat in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Fernsehmoderator Raymond Fein das Gastgeber-Trainings-Programm ausgearbeitet. Dieses soll Polizisten, Kioskangestellte, Bähnler, Sanitäter, Wirte und Flughafenpersonal zu strahlenden und kompetenten Gastgebern machen, auf dass die Euro-Besucher die Schweiz auch später wiedermal beehren. Das Gastgeber-Tuning sei nötig, liess Jürg Schmid, Chef von Schweiz Tourismus in den Medien verlauten. Der Schweizer sei zwar charmant, aber bisweilen zu «kantig» und zu «direkt». Dan Wiener meint, die Schweizer seien «etwas reserviert und agierten beamtenhaft». Das werde man jetzt ändern, wie eigene Freunde sollen die ausländischen Fussballfans und potentiellen Schweiz-Touristen behandelt werden.

Der Basler Schauspieler und Kommunikationsberater Dan Wiener hat in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Fernsehmoderator Raymond Fein das Gastgeber-Trainings-Programm ausgearbeitet. Dieses soll Polizisten, Kioskangestellte, Bähnler, Sanitäter, Wirte und Flughafenpersonal zu strahlenden und kompetenten Gastgebern machen, auf dass die Euro-Besucher die Schweiz auch später wiedermal beehren. Das Gastgeber-Tuning sei nötig, liess Jürg Schmid, Chef von Schweiz Tourismus in den Medien verlauten. Der Schweizer sei zwar charmant, aber bisweilen zu «kantig» und zu «direkt». Dan Wiener meint, die Schweizer seien «etwas reserviert und agierten beamtenhaft». Das werde man jetzt ändern, wie eigene Freunde sollen die ausländischen Fussballfans und potentiellen Schweiz-Touristen behandelt werden.

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