EM-Medaillen in Göteborg - Drei Trümpfe für die Schweiz
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EM-Medaillen in Göteborg - Drei Trümpfe für die Schweiz

10 000-Meter-Läufer Christian Belz, Marathon-Läufer Viktor Röthlin und Dreispringer Alexander Martinez müssen es richten: Die Schweizer Delegation will zumindest eine Medaille.

Viktor Röthlin, Christian Belz oder Alexander Martinez: Zumindest einer aus diesem Trio soll ab Montag an den EM in Göteborg (Sd) dafür sorgen, dass Athen 1982 für die Schweiz weiterhin die bislang letzten medaillenlosen Kontinentaltitelkämpfe bleiben.

Die Faustregel, wonach im Schnitt drei Medaillenanwärter einen Podestplatz garantieren, hat sich in der Vergangenheit mehrfach bewährt. Die Schweizer Leichtathleten zeigten sich bei den Europameisterschaften der letzten 20 Jahre sogar effizienter. André Bucher lief für das Rumpfteam in München 2002 überraschend zu Silber und auch vier Jahre zuvor in Budapest stachen mit Bucher und Anita Weyermann (1500 m) die beiden einzigen Trümpfe. Als 1994 in Helsinki nach der Aera mit Werner Günthör (Gold 1986/Kugel), Anita Protti und Sandra Gasser (Bronze 1990/1500 m) Titelkämpfe ohne Medaillen-Gewinn anzustehen schienen, holten Mathias Rusterholz (400 m) und Daria Nauer (10 000 m) mit je einer bronzenen Auszeichnung die Kohlen aus dem Feuer.

Keine Garantien auf Top-Platzierungen

In Göteborg soll das Pendel nun nicht in die gegengesetzte Richtung ausschlagen. Im 18-köpfigen Schweizer Team befinden sich drei Athleten, die offen von einer Medaille sprechen. Doch im Falle von Röthlin (Marathon) und Belz (10 000 m) sind die Prognosen schwierig, Garantien auf eine Top-Platzierung gibt es nicht. Zum einen fehlen die Vergleiche unter der Saison, andererseits tauchen in der Langdistanz bei Titelkämpfen oft Namen auf, die in anderen Sparten wie beispielsweise den lukrativeren Strassenläufen tätig sind, nun aber wegen der Absenz der Afrikaner ihre Chance auf eine Medaille wittern.

Auch im Fall von Dreispringer Martinez bleiben Vorhersagen schwierig. Verletzungen behinderten ihn in der Saisonvorbereitung, oft war Improvisation gefragt. Nun scheint der eingebürgerte Kubaner mit latenischem Lebensstil tatsächlich noch rechtzeitig in Form gekommen zu sein. Er benötigt allerdings wie Belz und Röthlin einen Exploit und zählt nicht zu den absoluten Favoriten seiner Disziplin.

Hoffnung auf Finalplätze

Hinter dem Trio folgt eine grössere Gruppe, die für einen «Finalplatz» (erste 8) in Frage kommt. Dazu zählen die 4x100-m- Staffel, die beiden Speerwerfer (Stefan Müller und Felix Loretz) sowie Pierre Lavanchy (400 m). Aufgrund dieser Ausgangslage formuliert Leistungssportchef Peter Haas die offizielle Zielsetzung: «Eine Medaille und drei bis vier weitere Finalplätze.»

Erstes Ziel aller Schweizer EM-Teilnehmer bleibt jedoch die Wiederholung der Qualifikationsleistungen unter den erschwerten Bedingungen eines Grossanlasses. Die Vorläufe und Qualifikationen finden oft vormittags statt - und ob das Wetter in Südschweden ähnlich gute Voraussetzungen bietet wie die in der Schweiz perfekten Sommermonate Juni und Juli, ist eher zweifelhaft.

Schweizer in allen Disziplinen

Erfreulich ist die Tatsache, dass die Schweiz in allen Disziplinengruppen (Sprint, Läufe, Sprünge/Würfe und Mehrkampf) antreten kann. Allerdings klafft hinter Belz, Röthlin und Martinez leistungsmässig ein Lücke. Wären bei Selektionsschluss am 23. Juli die letztjährigen Limiten für die Weltmeisterschaften in Helsinki angewandt worden, hätte neben dem erwähnten Trio bloss noch Speerwerfer Stefan Müller die Auflagen erfüllt.

(si)

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