10.06.2017 18:54

Krise in den GolfstaatenEmir von Katar, Sportfan und Lieblingssohn

Tamim bin Hadam Al Thani ist der Emir von Katar. Der 37-Jährige muss die Krise mit den Nachbarstaaten lösen. Nicht zum ersten Mal in seinen jungen Jahren.

von
vbi
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Dem Emir von Katar, Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, weht in der Golf-Region ein kalter Wind entgegen. Saudiarabien wirft ihm vor, den Terror zu unterstützen. (20. September 2016)

Dem Emir von Katar, Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, weht in der Golf-Region ein kalter Wind entgegen. Saudiarabien wirft ihm vor, den Terror zu unterstützen. (20. September 2016)

AFP/Lucas Jackson
Tamim ist der Lieblingssohn vom ehemaligen Machthaber Hamad bin Chalifa. Bereits 2003 stand fest, dass Tamim später seine Nachfolge antritt. (Archivbild)

Tamim ist der Lieblingssohn vom ehemaligen Machthaber Hamad bin Chalifa. Bereits 2003 stand fest, dass Tamim später seine Nachfolge antritt. (Archivbild)

Brendan Smialowski
Kuwaits Emir Sheikh Sabah Al Ahmad Al Sabah (links) und Katars Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani in Doha. (Archivbild)

Kuwaits Emir Sheikh Sabah Al Ahmad Al Sabah (links) und Katars Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani in Doha. (Archivbild)

Vor wenigen Wochen noch schüttelte Tamim bin Hamad Al Thani, Staatschef von Katar, in der saudiarabischen Hauptstadt Riad Donald Trump die Hand. Nun wird Katar von Saudiarabien isoliert und der US-Präsident freute sich darüber auf Twitter.

Keine einfache Situation für den 37-Jährigen. Doch es ist nicht die erste Krise, die der Herrscher des reichsten Landes der Welt lösen muss. Im Januar 2014 zogen Saudiarabien und andere Golfstaaten bereits einmal Botschafter aus Katar ab. Tamim war damals erst ein halbes Jahr im Amt, schreibt die «Süddeutsche». Zuvor hatte sein Vater, Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, als erstes Oberhaupt eines arabischen Golf-Landes die Macht freiwillig abgegeben.

Konflikt wegen Iran und Muslimbrüdern

Der Grund für den Konflikt war die Aussenpolitik von Katar, die Saudiarabien nicht passte. Nach neun Monaten reiste der junge Emir nach Riad. Es gelang ihm damals, die Wogen zu glätten. Offenbar aber nicht nachhaltig genug. Wegen Katars entspannter Beziehung zum Iran und zur sunnitisch-islamistischen Bewegung der Muslimbrüder ist der Konflikt nun neu entflammt.

Kalter Krieg am Golf

Wegen des Vorwurfs der Terrorunterstützung haben mehrere Golfstaaten die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Katar abgebrochen. (Video: Tamedia/AFP)

In einem CNN-Interview sagte der Emir 2014 auf die Frage, ob sein Land den Terror unterstütze, es gebe Bewegungen, die man in den USA für Terrororganisationen halte, in «unserer Region aber nicht». Dass Katar und andere Golfstaaten terroristische Gruppen unterstützen, ist dabei unumstritten.

Erste Frau eines Herrschers, die ihr Gesicht zeigte

Als Lieblingssohn des ehemaligen Staatsoberhauptes stand Tamim als Thronnachfolger seit 2003 fest. Er ist der vierte Sohn von Hamad und dessen Zweitfrau Mozah Bint Nasser Al Missned. Diese wiederum ist Hamads Lieblingsfrau und gilt als mächtige Frau am Golf. So wagte sie es etwa 2003, unverhüllt im Fernsehen aufzutreten. Das konservative Land war schockiert. Mozah war die erste Frau eines Herrschers, die öffentlich ihr Gesicht zeigte.

Weltweit anerkanntes Zentrum für Kultur, Bildung, Tourismus und Sport

Seine Kindheit verbrachte Tamim in einem Elite-Internat in England, danach besuchte er die britische Militärakademie in Sandhurst, genau wie sein Vater. Dann ging Tamim nach Katar zurück. Erst wurde er Leutnant, schliesslich stellvertretender Oberbefehlshaber der Armee des Emirats. Der 37- Jährige ist neunfacher Vater, die Kinder hat er mit drei Frauen.

Besonders gegenüber dem übermächtigen Saudiarabien versucht sich der Emir immer wieder zu behaupten, schreibt «Der Standard». So schert Katar regelmässig aus der Linie des Golfkooperationsrats (GCC) aus. Weiter hat Tamim mit Investition auf der ganzen Welt ein gewaltiges Soft-Power-Netzwerk aufgebaut, die Fussballweltmeisterschaft 2022 ins Land geholt – Geld, um sich zu brüsten und prestigeträchtige Projekte durchzuführen, ist genug da.

Drei Weltmeisterschaften in Katar

Deshalb hegt Tamim auch den Plan, zusammen mit seiner Mutter die «nationale Vision 2030» umzusetzen. Dabei will sich Katar aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Öl und Gas befreien. Der Kleinstaat soll ein weltweit anerkanntes Zentrum für Kultur, Bildung und Tourismus werden, so die «Süddeutsche». Tamim will gar, dass Doha zur Welthauptstadt des Sportes aufsteigt.

Tamim ist bereits seit 15 Jahren im Internationalen Olympischen Komitee. Er holte die Handball-WM 2015 und die Rad-WM 2016 ins Land . 2022 findet die Fussball-WM 2022 in Katar statt. Für die ägyptische Zeitung «al-Ahram» war Tamim 2006 «die beste Sportpersönlichkeit der arabischen Welt». Heftige Kritik erntet der Emir bezüglich des Sports aber auch: Etwa für die prekären Arbeitsbedingungen der Migranten auf Stadion-Baustellen.

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