Drama im Emmental: Emmentaler Behörden waren offenbar gewarnt
Aktualisiert

Drama im EmmentalEmmentaler Behörden waren offenbar gewarnt

Verwandte warnten das Betreibungsamt vor der Unberechenbarkeit von Roger F., der einen Polizisten erschossen hat. Inzwischen ist auch klar, dass es sich bei der gefundenen Pistole um eine Armeewaffe handelt.

von
Adrian Müller
Bern

Der Schütze von Schafhausen, der bei einer Zwangsräumung einen Polizisten erschossen hat, wurde von Verwandten als unberechenbar eingestuft. Dies soll ein Schreiben belegen, welches zwei Wochen vor der Tat an die Sozialdirektion und das Betreibungsamt Burgdorf abgeschickt wurde. «Schweiz aktuell» liegt eine Abschrift dieses Dokuments vor. Darin steht unter anderem geschrieben: «Sein Verhalten ist unseres Erachtens gestört. Vor allem ist nicht voraussehbar, wie er auf die Ausweisung reagiert. Wir betrachten die Situation als ernsthaft und ersuchen deshalb die polizeiliche Hilfe und eine Person von der Sozialhilfe von Beginn weg beizuziehen.»

Polizeikommandant Stefan Blättler sagte an der Medienkonferenz, vor der Zwangsräumung habe der Betreibungsbeamte am Montagabend bei der Polizei vorgesprochen, weil es ein «schwieriger Fall» sei. «Er hat von einem Brief aber nichts erwähnt», so der Kommandant. Man habe Roger F. gekannt und sei deshalb auf eine «schwierige» Zwangsräumung vorbereitet gewesen. Das Schreiben habe man schliesslich am Tatort selbst entdeckt.

Der Brief richtete sich an das Betreibungsamt Burgdorf (mit Kopie an den Sozialdirektor der Gde Hasle b/B) und wurde namentlich signiert. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen die Absender jedoch anonym bleiben.

Wie das Betreibungsamt Emmental-Oberaargau in Burgdorf gegenüber «Schweiz aktuell» sagte, wurde die Polizei über das Schreiben informiert und auf Grund dessen für die Zwangsräumung aufgeboten. Dem widerspricht Polizeikommandant Blättler vehement. Somit steht Aussage gegen Aussage.

Schuss durchtrennte Arterie des Polizisten

An der Pressekonferenz sagte Blättler weiter, Roger F. habe zweimal auf den 39-jährigen Polizisten geschossen. Eine kugelsichere Weste hätte dem getöteten Polizisten das Leben nicht gerettet. «Ein Schuss traf ihn in die untere Bauchgegend, dabei wurde die Beckenarterie durchtrennt.» Der Polizist verblutete deshalb innert kürzester Zeit.

Zum weiteren Ermittlungsstand meinte Blättler: «Wir wissen nun etwas mehr und doch noch zu wenig.» So sei zwar jetzt klar, dass es sich bei der sichergestellten Pistole um eine Armeewaffe handle. Doch wisse man noch nicht, ob es sich um die Tatwaffe handle. Die Pistole war laut Blättler «im Freien» entdeckt worden.

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