Empfängnisverhütung: Krokodilkot und Maultiernieren
Aktualisiert

Empfängnisverhütung: Krokodilkot und Maultiernieren

Die ältesten Belege für Empfängnisverhütung stammen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Schon früh entwickelten sich neben absolut nutzlosen auch erstaunlich wirkunsgsvolle Methoden.

Einen Propfen aus in Sauermilch aufgelöstem Krokodilkot und Honig sollen Frauen in die Scheide einführen, wird auf dem ägyptischen «Papyrus Kahun» (2200 bis 2100 v. Chr.) empfohlen.

Die undelikate Pampe dürfte sogar gewirkt haben, denn die Säuren von Milch und Dung wirkten spermizid, der Honig klebte den Muttermund zu, und die Heiligkeit des Krokodils konnte zumindest nicht schaden.

Auch die Wirkungsweise der Spirale entdeckten bereits die alten Ägypter. Vor langen Reisen bliesen sie mit einem Rohr ihren Kamelstuten Steine in den Uterus. Die Anwendung bei Frauen beschrieb später Hippokrates.

Tödliche Familienplanung

Dass Empfängnisverhütung tödlich enden kann, wissen wir aus der Bibel. Onan, der Coitus interruptus praktizierte, wurde von Gott mit dem Tod bestraft.

Nicht, weil «den Samen auf den Boden fallen lassen» eine Sünde gewesen wäre. Der «Rückzieher» war im Urchristentum so wenig verboten wie in Judentum und Islam. Onan aber hatte Gottes Befehl, seinem toten Bruder Nachkommen zu zeugen, missachtet.

Auch Frauen bezahlten Familienplanung oft mit ihrem Leben. So im alten China, wo sie in Öl erhitztes Quecksilber schluckten. Toxisch wirkten auch die bleihaltigen Salben, die Aristoteles empfahl, ebenso wie Mutterkorn oder Petersiliensamensud, die in unseren Breiten bis ins letzte Jahrhundert zur Abtreibung benutzt wurden.

Muttermundverschluss

Doch so weit muss es nicht kommen. Seit man in der Jungsteinzeit bei den Nutztieren den Zusammenhang zwischen Koitus und Trächtigkeit erkannt hatte, wurde den Spermien der Weg versperrt.

Die Legende bestimmt Minos' Gattin Pasiphae (12. Jh. v. Chr.) als Erfinderin des Pessars. Nötig wurde es, weil sie einen Zauber auf ihren untreuen Gatten Minos gelegt hatte, der seinen Samen für Frauen giftig werden liess. Sich selber schützte sie mit einem mit Kräutern getränkten Vaginalschwamm.

Zu Pasiphaes Zeiten waren syrische Schwämme mit parfümiertem Essigwasser weit verbreitete Kontrazeptiva. Mit Substanzen angereicherte Tampons aus Gras und später Leinen kamen aber schon lange vorher zum Einsatz.

Während die Frauen mündlich wertvolle Tipps weitergaben, verbreiteten die antiken Wissenschaftler viel Unsinn zum Thema. Plinius riet, einer Frau einen Lederbeutel mit Spinnenlarven umzuhängen. Dioskurides schwor auf Pappelrinde und Maultiernieren.

Lümmeltüte

Das Kondom ist wie der Muttermundverschluss uralt. Männer mit Lümmeltüten finden sich schon auf prähistorischen Fresken aus der Dordogne und Libyen. Möglicherweise waren sie von ritueller Bedeutung - oder dienten schlicht dem Imponiergehabe.

Eingeölte Leinenbeutel, Tierblasen und Stücke von Tierdarm als Nahkampfsocken wurden in allen antiken Kulturen verwendet. So leiten Sprachwissenschaftler den Begriff «Kondom» ab vom altpersischen «kendü», einem Saatgut-Sack aus Tier-Eingeweiden.

1564 beschrieb der Arzt und Gelehrte Gabriele Fallopia das Kondom erstmals. Die Schriftstellerin Marquise de Sévigné (1626- 1696) bezeichnete das Präservativ als «ein Panzer gegen die Lust, aber eine Spinnwebe gegen die Gefahr». Casanova (1725-1798) dagegen nannte es zärtlich «redingote anglaise», englische Reitjacke. (sda)

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