Mad Heidi sorgt bei Eltern für Empörung

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«Mad Heidi»Empörte Eltern laufen Sturm gegen Schweizer Brutalo-Film

Schon Minderjährige können den Schweizer Splatterfilm «Mad Heidi» trotz brutalster Blutszenen im Kino sehen. Nun fordern Eltern eine Erhöhung der Altersfreigabe.

von
Noah Knüsel
Daniel Graf

Darum gehts

  • Schweizer Elternverbände empören sich über einen Film mit blutigen Gewaltszenen, der ab 16 Jahren freigegeben ist.

  • «Wie kann man einen so menschenverachtenden Film produzieren?», so etwa Thomas Schlickenrieder, Geschäftsführer der Stiftung Elternsein.

  • Und Gabriela Kohler von der Kantonalen Elternmitwirkungs-Organisation KEO Zürich sagt: «Ich würde der Freigabekommission dringend ans Herz legen, nochmals über die Bücher zu gehen.»

  • Junge finden den Film weniger dramatisch: «Mit 16 sollte man selber entscheiden, ob man so etwas schauen kann», sagt etwa die 17-jährige Jael.

  • Auch Co-Regisseur Johannes Hartmann verteidigt seinen Film: «Ich bin überzeugt, dass die völlig übertriebene Darstellung von Gewalt und Blut 16-Jährige nicht verstört.»

Seit einer Woche ist der Schweizer Exploitation-Film (siehe Box) «Mad Heidi» in den Kinos. Im Trailer sind exzessive und blutige Gewaltszenen zu sehen. Trotzdem ist der Film in der Schweiz ab 16 Jahren freigegeben – anders als in Deutschland, wo er keine Jugendfreigabe bekommen hat.

Das stört eine Mutter, die sich bei 20 Minuten gemeldet hat: «Ich würde meinen Kindern niemals erlauben, diesen Film zu schauen», sagt sie. «Früher hätte ein so blutiger Film nie die Altersfreigabe 16 bekommen.»

Exzessive Gewaltdarstellung

Elternvereine sind empört

Auch Thomas Schlickenrieder von der Stiftung Elternsein ist empört: «Mir fehlen die Worte», so der Geschäftsführer. «Wie kann man einen so menschenverachtenden Film produzieren? Ich finde das widerlich.» Der Film sei für keinen Menschen geeignet, besonders nicht für junge Leute: «Ich bin gegen jede Zensur. Aber hier frage ich mich, ob man die Menschen nicht schützen müsste.»

«Ich habe grosse Mühe damit, dass ein solcher Film eine Altersfreigabe ab 16 Jahren bekommt», sagt auch Gabriela Kohler, Präsidentin der Kantonalen Elternmitwirkungs-Organisation KEO Zürich. «Ich würde diesem Komitee dringend ans Herz legen, nochmals über die Bücher zu gehen.»

Generell habe der Schweizer Jugendschutz im Filmbereich Lücken, so Kohler. Probleme gebe es vor allem bei dessen Kontrolle: «Unter Umständen können so auch Jüngere als 16-Jährige den Film im Kino sehen.» Für Eltern sei die Betreuung der Kinder in diesem Bereich sehr anspruchsvoll.

«Wir können selber entscheiden»

Weniger schlimm finden Jugendliche selbst den Film: «Mit 16 sollte man selber entscheiden, ob man so etwas schauen kann», sagt etwa die 17-jährige Jael. Und Lilo (21) meint: «16-Jährige schauen viel Schlimmeres als das auf ihren Handys.» Wie sie auf die Blutszenen im Trailer reagiert haben, seht ihr im Video oben.

Auch Co-Regisseur Johannes Hartmann verteidigt seinen Film: «Es ist keine sinnlose Gewaltorgie. Wer sucht, findet unter der Oberfläche auch eine politische und gesellschaftskritische Ebene», sagt er im Interview mit 20 Minuten: «Ich bin überzeugt, dass die völlig übertriebene Darstellung von Gewalt und Blut, wie wir sie bei ‹Mad Heidi› zeigen, 16-Jährige nicht verstört.»

Sollen 16-Jährige «Mad Heidi» schauen können?

Prüfstellen sind uneinig

Genau diese Szenen waren aber der Grund, warum die deutsche Prüfstelle FSK den Film erst ab 18 Jahren freigegeben hat. Folterszenen oder Tötungsszenarien würden zwar durch die Überzeichnung abgefedert, so Sprecherin Isabell Tatsch: «In der Gesamtwirkung konnte aber eine Desensibilisierung von Jugendlichen nicht ausgeschlossen werden.»

In der Schweiz ist die Kommission «Jugendschutz im Film» (SKJF) zuständig. Sie kann Freigaben von null bis 18 Jahren beschliessen. Dabei wird zwischen dem «Zutrittsalter» und dem «empfohlenen Alter» unterschieden. Das Erste regelt den Zutritt zu den Kinos und kann in Elternbegleitung um zwei Jahre unterschritten werden. Das Zweite gilt als Leitlinie für Eltern und kann auch höher sein als das Zutrittsalter.

Meist reiche der Filmverleih einen Beschrieb, Trailer und Altersvorschlag bei der Kommission ein, sagt eine Sekretärin: «Die Mitglieder der SKJF hatten keine Einwände und so folgten sie dem Vorschlag, ohne den Film ganz gesehen zu haben.» In der Zwischenzeit habe die Waadtländer Filmkommission den Film angeschaut und 16 als empfohlenes Alter festgelegt: «Beide Entscheide sind national verbindlich, daran lässt sich jetzt nichts mehr ändern», so die Sekretärin.

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