Magerwahn: Empörung über knochige Schaufensterpuppen
Aktualisiert

MagerwahnEmpörung über knochige Schaufensterpuppen

Eine englische Kleiderkette preist ihre Mode an ultradünnen Plastikmannequins an. Die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen (AES) aus Zürich ist besorgt.

von
Lorena Sauter
Diese Puppen stehen im Schaufenster von Whistles in London.

Diese Puppen stehen im Schaufenster von Whistles in London.

Der Magerwahn im Mode-Business ist weit verbreitet. Ob mit Size-Zero-Outfits, hageren Laufsteg-Models oder ausgemergelten Frauen auf Werbeplakaten – immer wieder schockt die Branche die Welt mit neuen Extremen. Während zuletzt das italienische Label Brandy Melville mit – viel zu kleinen – Einheitsgrössen empörte, liefert jetzt die englische Kleider- und Accessoire-Marke Whistles Grund zur Sorge.

In London lockt das Label in einem Laden, in dem übrigens auch Herzogin Kate gerne einkauft, die Kunden aktuell mit überaus fragwürdigen Schaufensterpuppen. Die Plastikmannequins haben nicht nur überaus dünne Ärmchen – im Brustbereich stehen die nachgebildeten Knochen regelrecht hervor. Organisationen, die sich für Essgestörte einsetzen, schlagen laut Dailymail.co.uk Alarm. Die Puppen würden alles andere als einen natürlichen und gesunden Körper zeigen und ein verzerrtes Schönheitsideal vermitteln, so der Tenor.

Weg mit diesen Puppen

Die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen (AES) aus Zürich pflichtet den britischen Kollegen bei. «Ich hoffe sehr, dass sich dieses neue Modell einer Schaufensterpuppe langfristig nicht durchsetzen wird», sagt Iris Cook-Müller, Geschäftsführerin der AES, zu 20 Minuten. Alles, was auf dem Laufsteg propagiert werde oder den Weg in die Schaufenster finde, beeinflusse unsere Wahrnehmung.

Cook ist besorgt: «Speziell junge Frauen, deren Selbstbewusstsein noch nicht erstarkt ist, welche eine gestörte Körperwahrnehmung haben oder ihre Rolle in der Gesellschaft noch nicht gefunden haben, erliegen schnell diesen Trends.»

Whistles boykottieren?

Anstelle knochiger Schaufensterpuppen würde Cook ein natürliches Abbild begrüssen: «Die Vielfalt unserer Gesellschaft ist unsere Stärke. Ich bin der Meinung, Schaufensterpuppen sollten diese Vielfalt abbilden – gross, klein, dünn, fester – eine optimale Grösse gibt es nicht», sagt sie. Und sie fordert die Kunden zum Handeln auf: «Es wäre super wenn wir Frauen durch unser Kaufverhalten direkt Einfluss nehmen oder unsere Meinung via Social Media kundtun.»

Essstörungen sind nach wie vor weit verbreitet. Die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen verzeichnete in den letzten Jahren steigende Beratungszahlen. Nicht ganz klar ist laut Cook allerdings, ob es tatsächlich mehr Betroffene gibt oder ob sie sich bloss früher Hilfe holen als früher.

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