penner auf zeit: Empörung über Obdachlosen-Projekt
Aktualisiert

penner auf zeitEmpörung über Obdachlosen-Projekt

Ein St. Galler Pfarrer will mit 12 Freiwilligen eine Woche lang auf der Strasse leben. Berner Politiker sind empört.

von
Sophie Reinhardt
Echter Obdachloser (Symbolbild): Das Projekt Street Retreat stösst auf Kritik.

Echter Obdachloser (Symbolbild): Das Projekt Street Retreat stösst auf Kritik.

Ohne Geld, ohne Schlafsack und bettelnd: Der St. Galler Pfarrer Patrick Schwarzenbach will mit bis zu 12 Projektteilnehmern eine Woche auf der Strasse hausen (20 Minuten berichtete).

Bei Berner Politikern kommt die Idee nicht gut an: «Man kann Restaurants testen, aber bitte nicht Notschlafstellen», so SVP-Stadtrat Alexander Feuz. Und auch CVP-Stadtrat Claudio Fischer findet, man habe Bettler aus St. Gallen nicht nötig: «Sie kommen nur, weil sie in der Stadt toleriert werden.»

Ebenfalls kritisch ist Juso-Stadtrat Halua Pinto de Magalhães: «Die Betten der Notschlafstelle sind eigentlich für Bedürftige reserviert.» Diesen Vorwurf kann Schwarzenbach nachvollziehen: «Auch ich möchte nicht, dass wegen uns ein Obdachloser keinen Schlafplatz findet.»

Pfarrer testete bereits

Darum sollen die Teilnehmer die Nächte vor allem wach verbringen, und dann am Tag auf öffentlichen Plätzen nachschlafen.

Der Leiter des Projekts Street Retreat hat in der Stadt bereits eine Woche auf Probe auf der Gasse gelebt und sich im Kocherpark die Nächte um die Ohren geschlagen. «Zu Schwierigkeiten ist es dabei nicht gekommen», so Schwarzenbach. Wenn jemand das Projekt nicht durchhalte, könne er jederzeit abbrechen. Zudem hat der Pfarrer der Heiliggeistkirche, Andreas Nufer, seine Wohnung als Notfallschlafplatz zur Verfügung gestellt.

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