Ende der Krise: Ems-Chemie kann aufatmen
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Ende der KriseEms-Chemie kann aufatmen

Ems macht wieder so gute Geschäfte wie vor der Wirtschaftskrise. Vor allem mit Asien floriert das Geschäft.

Das Gesicht von Ems Chemie: Magdalena Martullo-Blocher.

Das Gesicht von Ems Chemie: Magdalena Martullo-Blocher.

Der Spezialchemiekonzern Ems steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2010 um 54,4 Prozent auf 836 Mio. Franken. Den Betriebsgewinn konnte es mehr als verdoppeln auf 154 Mio. Franken.

Die Zahlen stellten selbst im Vergleich mit den Jahren vor der Finanzkrise neue Höchstwerte dar, sagte EMS-Chefin Magdalena Martullo am Freitag an der Präsentation des Halbjahresabschlusses im bündnerischen Domat/Ems. In Landeswährungen gerechnet erhöhte sich der Umsatz um 58,5 Prozent.

Die EBIT-Marge - das Verhältnis des Gewinns vor Zinsen und Steuern zum Umsatz - wuchs von 13,2 auf 18,4 Prozent. Die massiv gestiegenen Rohstoffpreise und die Franken-Stärke hätten die Margen jedoch belastet. An der Generalversammlung im August sollen eine unveränderte Dividende von 5 Fr. pro Aktie und eine Sonderdividende in gleicher Höhe beschlossen werden.

Kapazitätsengpässe

In der weltweiten Wirtschaftskrise hatte EMS noch stark unter den Problemen der Automobilindustrie gelitten, dem wichtigsten Absatzmarkt des Unternehmens. Die Umsatzsteigerung begründet der Chemiekonzern mit dem besseren konjunkturellen Umfeld und mit Geschäften mit neuen Kunden.

Nachdem das Unternehmen bis letzten Sommer Kapazitäten heruntergefahren, den Personalbestand per Einstellungsstopp um zehn Prozent abgebaut und Kurzarbeit eingeführt hat, sind jetzt seine Auftragsbücher so gut gefüllt, dass die Produktion an ihre Kapazitätsgrenzen gerät.

Obwohl EMS 2010 in China zwei neue Werke eröffnete, braucht der Konzern dort dringend weitere Kapazitäten. Mit einer Automobilisierungs-Rate der Bevölkerung von gerade Mal 2 Prozent sei das Wachstumspotenzial in China enorm, so Martullo.

Auch als Produktionsstandort sei das Land interessant. Die EMS- Betriebe in China würden die gleiche Produktionsqualität wie schweizerische erreichen und das bei zehnmal tieferen Löhnen. Insgesamt will EMS in Asien seine Arbeitskräfte um 25 Prozent aufstocken.

Gegen höhere Strompreise

Dennoch bekräftigte die Verwaltungsratsdelegierte Martullo das Bekenntnis zum Standort Schweiz und will auch hier mehr Personal beschäftigen. Allerdings müsse die Politik weitere Standortvorteile schaffen. Zentral seien gute Ausbildung, ein freier Arbeitsmarkt und tiefe Steuern.

Ein Dorn im Auge sind der EMS-Chefin die angekündigten Strompreiserhöhungen. Umgerechnet kämen die geplanten Aufschläge für das Domat-Emser-Werk einer Steuererhöhung von 9 Prozent gleich. «Über die Strompreise füllen die Kantone auf Kosten von Firmen ihre Kassen auf», kritisierte Martullo.

Rohstoffpreise drücken

In den nächsten Monaten rechnet das Unternehmen mit einer anhaltenden Erholung der weltweiten Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Jedoch erwartet EMS weiterhin hohe Rohstoffpreise, die zwischenzeitlich auf die Margen drücken werden. «Rohstoffe sind überall sehr knapp», formulierte die EMS-Chefin eine ihrer Hauptsorgen.

Der weiterhin erwartete schwache Euro ist, kombiniert mit einem starken Franken, für den Chemiekonzern ein zweischneidiges Schwert: Einerseits erschwere die Situation Exporte aus Schweizer Produktion und drücke auf den Gewinn in Franken. Andererseits erlebe zum Beispiel Deutschland als sehr wichtiger Markt des Chemiekonzerns dank tiefem Euro einen regelrechten Export-Boom.

Für das Gesamtjahr 2010 stellt das Unternehmen einen deutlich höheren Umsatz und operativen Gewinn als 2009 in Aussicht. Im zweiten Halbjahr erwartet Martullo minim tiefere Ergebnisse als im ersten.

EMS hat mit der Publikation der Halbjahreszahlen gewissermassen den Startschuss zur Berichtssaison gegeben. Die Analysten reagierten positiv auf den Geschäftsgang und den Ausblick des Unternehmens. Die Aktien gewannen am Freitag um 1,3 Prozent auf 148 Franken. Der Gesamtmarkt (SPI) legte derweil um 0,8 Prozent zu. (sda)

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