Aktualisiert 19.06.2019 20:01

Porträts von Arbeitslosen

«Ende Monat bleibt nichts mehr übrig»

Der Aargauer Elia Giacalone (27) machte eine Lehre in der Autobranche, doch ein Rückenleiden durchkreuzte seine beruflichen Pläne.

von
Matthias Gröbli
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Elia Giacalone (27) ist gelernter Detailhandelsfachmann in der Autobranche.

Elia Giacalone (27) ist gelernter Detailhandelsfachmann in der Autobranche.

Stevan Bukvic
Wegen einer Wachstumsstörung im Rücken kann er nicht mehr auf seinem angestammten Beruf im Autobereich arbeiten.

Wegen einer Wachstumsstörung im Rücken kann er nicht mehr auf seinem angestammten Beruf im Autobereich arbeiten.

Stevan Bukvic
Seit Februar 2018 ist der Aargauer Jungvater arbeitslos.

Seit Februar 2018 ist der Aargauer Jungvater arbeitslos.

Stevan Bukvic

Arbeiten wollen, aber nicht können: So ergeht es in der Schweiz gegen 180'000 Stellensuchenden. Wie lebt man ohne Arbeit? Worauf muss man verzichten? Wie steckt man die Absagen bei den Bewerbungen weg? 20 Minuten porträtiert fünf arbeitslose Menschen in der Schweiz (siehe Box).

Detailhandelsfachmann

«Ich bin gelernter Detailhandelsfachmann in der Autobranche. Nach der militärischen Aushebung kam kurz vor dem Ende der Lehre der Bescheid, dass ich wegen einer Wachstumsstörung im Rücken doppeluntauglich bin und weder ins Militär noch in den Zivilschutz kann. Danach war ich drei Monate lang arbeitslos.»

Seit Februar 2018

«Nach einem Job als Promoter im Verkauf für ein halbes Jahr war ich bis auf einen Ferienjob erneut arbeitslos. Dann arbeitete ich für drei Monate im Callcenter eines Telecom-Anbieters, leider kam es nach der Probezeit zu keiner Festanstellung.

Die IV finanzierte eine Umschulung zum Arbeitsagogen. Ein halbes Jahr absolvierte ich ein Praktikum als Betreuer und Sozialpädagoge mit geistig Beeinträchtigten im Bereich Wohnen. Anschliessend arbeitete ich als Arbeitsagoge-Praktikant ein halbes Jahr mit psychisch Beeinträchtigten. Die zweijährige Ausbildung zum Arbeitsagogen schloss ich im August 2018 mit dem Diplom ab. Vom RAV aus hatte ich meinen letzten Job als Veranstaltungstechniker ab Mai 2018 bis Ende November 2018.

Ich bin nun seit Februar 2018 arbeitslos. Ende Juli droht die Aussteuerung. Ich hoffe, ich werde nicht zum Sozialfall.»

2500 Franken im Monat

«Von der Arbeitslosenversicherung erhalte ich rund 2500 Franken im Monat. Nach den fixen Aufwendungen bleibt Ende Monat meist nichts mehr übrig.»

Freundin ist grosse Stütze

«Meine Freundin wird ab Ende Juli, nach dem Mutterschaftsurlaub, wieder 40 Prozent arbeiten, um auch Zeit für unsere kleine Tochter zu haben. Sie ist in jeder Hinsicht eine grosse Unterstützung für mich. Ich weiss nicht, wo ich ohne sie wäre.»

Tanzen und Downhill

«Ich gehe gern tanzen im Ausgang. Velofahren ist ein grosses Hobby von mir, ich liebe Downhill-Fahren. Ich fotografiere, zeichne und koche auch gern.»

Traumberuf Arbeitsagoge

«Ich habe die Hoffnung, dass ich eine Arbeit finde. Aber es ist schwierig. Im Verkauf heisst es «überqualifiziert», weil ich auf den Autobereich spezialisiert bin, dort aber wegen des Rückenleidens nicht mehr arbeiten kann. Mein Traum ist es, als Arbeitsagoge arbeiten und meine eigenen Erfahrungen weitergeben zu können. Doch die fehlende Berufserfahrung ist ein Hindernis. Ich hoffe, dass mir auch Beziehungen bei der Jobsuche helfen können. Psychiatriepfleger wäre ebenfalls eine Option.»

Fünfteilige Serie

20 Minuten porträtiert fünf Arbeitslose in der Schweiz.

- Der Akademiker: Flavio Schrenk (27)

- Die Alleinerziehende: Rebecca Scheidegger (25)

- Der Ausgesteuerte: Beat Vollenweider (52)

- Der Jungvater: Elia Giacalone (27)

- Die Langzeitarbeitslose: Anina Striebel (26)

Wenn Sie mit den porträtierten Personen in Kontakt treten möchten, melden Sie sich bitte per E-Mail an matthias.groebli@20minuten.ch

Wir leiten die Zuschriften weiter.

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