Obacht, Meineid!: Endet Lance Armstrong wie Marion Jones?
Aktualisiert

Obacht, Meineid!Endet Lance Armstrong wie Marion Jones?

Lance Armstrong fällt tiefer und tiefer. Der Rad-Ikone droht sogar Knast - wie einst der Leichtathletin Marion Jones, die auch über Lügen und Doping stolperte.

von
Herbie Egli

Wenn ein Wort auf Lance Armstrong zutrifft, dann ist es das Adverb «schnell». Früher war der 41-jährige Amerikaner mit dem Rennvelo rasant unterwegs – heute geht es mit dem (noch) siebenfachen Tour-de-France-Sieger rapide bergab. Aufgrund des über 1000-seitigen Doping-Enthüllungsberichts der USADA laufen Armstrong die Sponsoren reihenweise davon. Trotz der immer klareren Faktenlage beteuert er selbst nach wie vor seine Unschuld.

Armstrong sagte 2006 unter Eid aus, dass er zum italienischen Dopingarzt Michele Ferrari keine Beziehungen mehr pflege. Sollte nun das Gegenteil bewiesen werden, droht der gestürzten Fahrrad-Ikone eine unbedingte Gefängnisstrafe. Wie einst der Leichtathletin Marion Jones.

Der tiefe Fall der Marion Jones

Was Doping und Lügen für Folgen haben können, weiss Marion Jones nur zu gut. Die amerikanische Leichtathletin war um die Jahrtausendwende der Publikumsliebling. Sie lief ihre Gegnerinnen auf den Kurzdistanzen in Grund und Boden. Aber auch sie konnte den verbotenen Substanzen nicht widerstehen.

Nach jahrelangem Leugnen gab Jones im Jahr 2007 zu, dass sie bei ihren Olympiasiegen in Sydney gedopt war. Die drei Gold- und zwei Bronzemedaillen musste sie zurückgeben. Auch mehrere Weltmeistertitel kamen nur dank unlauterem Wettbewerb zustande. Nach ihrem Geständnis gab Jones ihren Rücktritt bekannt.

Lüge zugegeben

Ein amerikanisches Gericht nahm sich der Sache an und verdonnerte die zweifache Mutter im November 2008 zu sechs Monaten Gefängnis unbedingt. Zudem musste sie 400 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Jones wurden Falschaussagen zu ihrer Doping-Vergangenheit zum Verhängnis. Im November 2003 wurde sie im Zuge des Balco-Skandals befragt und stritt jeglichen Missbrauch vehement ab. Die Kalifornierin bekannte sich aber schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheckbetrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben.

Finanzielle Sorgen und missratene Zweitkarriere

Neben ihren Titeln und Medaillen, die sie abgeben musste, sah sich Jones auch finanziellen Rückforderungen gegenübergestellt. Rund 700 000 Dollar musste die ehemals schnellste Frau der Welt zurückgeben. Dieses Geld setzte sich aus Prämien und Gagen zusammen. Gemäss einem Bericht der «Los Angeles Times» besass Jones im Jahr 2007 nur noch 2000 Euro Vermögen.

2010 wollte sie es noch einmal wissen. Sie startete eine zweite Karriere als Basketballerin. Keine zwei Jahre später war der Spuk bereits wieder vorbei. Ihr Verein Tulsa Shock entliess die damals 35-jährige Kalifornierin wegen ungenügender Leistungen. In 47 Spielen für den Verein aus dem Bundesstaat Oklahoma stand Jones im Schnitt pro Spiel 8,6 Minuten auf dem Parkett.

Parallelen zu Armstrong

Auch Armstrong schlug nach seiner grandiosen Rennfahrer-Zeit eine zweite Karriere ein. Er versuchte sich als Triathlet und Mountainbiker. Wie zu seinen besten Tour-de-France-Zeiten war er auch in diesen Sportarten bei Wettkämpfen auf den vorderen Plätzen klassiert. Wegen seiner Dopingvergehen wurde er von der USADA allerdings lebenslang gesperrt.

Finanziell ist Armstrong nach wie vor auf Rosen gebettet. Auch wenn ihm die Sponsoren reihenweise den Rücken kehren. Man munkelt, dass sein Vermögen über all die Jahre auf über 100 Millionen Dollar angestiegen ist. Mit dem Entzug seiner sieben Tour-de-France-Titel durch die UCI dürften jetzt allerdings massive Schadenersatzforderungen auf ihn zukommen. Armstrong dürfte noch tiefer fallen – aus finanzieller Sicht aber wohl nicht so tief wie einstmals Marion Jones.

Team Sky will Klarheit

Der britische Radrennstall um Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins greift nach den Enthüllungen um Lance Armstrong durch. Jeder Fahrer muss eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit mit Doping zu tun hatte. Sonst droht ein Rauswurf.

«Wenn jemand die Unterschrift verweigert oder es im Nachhinein herauskommt, dass er die Erklärung gebrochen hat, muss er das Team verlassen. Wir wollen ein Team, dessen Fahrer sauber sind und denen die Fans ohne Zweifel und Zögern glauben können. Es gibt im Team Sky kein Platz für diejenigen, die mit Doping in Verbindung stehen. Das betrifft sowohl die Fahrer als auch das Management und Helfer», so der Wortlaut im Schreiben.

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