Ernsthafte Konkurrenz: Endet mit Lorenzos Titel die Ära Rossi?
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Ernsthafte KonkurrenzEndet mit Lorenzos Titel die Ära Rossi?

Jorge Lorenzo hat vorzeitig die MotoGP-WM gewonnen und Valentino Rossi als Weltmeister abgelöst. Der italienische Superstar wird 2011 neben Lorenzo auch noch einen neuen Gegner haben: Das Alter.

von
Klaus Zaugg
Valentino Rossi (l.) gratuliert Jorge Lorenzo zum WM-Titel. (Bild: Reuters)

Valentino Rossi (l.) gratuliert Jorge Lorenzo zum WM-Titel. (Bild: Reuters)

Jorge Lorenzo sicherte sich mit dem 3. Platz beim GP von Malaysia den WM-Titel in der MotoGP-Klasse. Und es macht Sinn, dass Valentino Rossi genau dieses Rennen gewonnen hat. So sehr Lorenzo diesen Titel verdient, aus dem Schatten des italienischen Superstars ist er (noch) nicht gefahren.

Valentino Rossi ist im Titelkampf der Töff-Königsklasse erst einmal «regular» besiegt worden: Im Jahr 2000. In seiner ersten Saison. Von Kenny Roberts junior. Seither dominierte Rossi die wichtigste Töff-WM. 2006 (gegen Nicky Hayden/Honda) und 2007 (gegen Casey Stoner(Ducati) verliert er den Titel nur, weil er nicht ganz bei der Sache ist. In einem Steuerstreit mit dem italienischen Staat drohen ihm zeitweise über 100 Millionen Franken Busse und eine Gefängnisstrafe.

Weder Kenny Roberts junior noch Nicky Hayden noch Casey Stoner haben ihren Titel gegen Rossi verteidigt. Roberts ist inzwischen zurückgetreten, Hayden wird nächste Saison Rossis Teamkollege bei Ducati sein. Nur Stoner (neu bei Honda) tritt ein weiteres Mal an. In dieser Saison muss Rossi den Titel Jorge Lorenzo überlassen, weil er zum ersten Mal in seiner Karriere wegen Sturzverletzungen mehrere Rennen auslassen muss.

Lorenzo, ein kompletter Rennfahrer

Bis heute ist der Töff-Superstar also mit allen Rivalen fertig geworden. Sein Landsmann Max Biaggi (2001 und 2002) und der Spanier Sete Gibernau (2003 und 2004) zerbrachen auch an der «psychologischen Kriegsführung» des Ehrendoktors der Kommunikation. Rossi hat bisher bei allen seinen Titeln die Entscheidung vor dem letzten Rennen herbeigeführt und mit 106, 140, 80, 47, 147, 93 und 45 Punkten Vorsprung die WM gewonnen.

Aber Jorge Lorenzo ist anders als alle, die Rossi bisher herausgefordert haben. Der wilde Spanier ist in seiner dritten Saison in der «Königsklasse» zu einem kompletten Rennfahrer gereift und durch den Gewinn des WM-Titels wird er mental noch «unzerstörbarer». Er ist auf und vor allem neben der Piste der stärkste Gegner, mit dem es Rossi je zu tun hatte. Zum ersten Mal wird Rossi 2011 gegen einen mental ebenbürtigen Rivalen fahren. Und zum ersten Mal wird das Alter eine Rolle spielen.

Man muss stets am Limit fahren

In der wichtigsten Töffrennklasse gibt es nur eine Handvoll Piloten, die in der Neuzeit beim Titelgewinn 31 oder älter waren: 1999 Mick Doohan (33), 1992 Wayne Rainey (32) und 1989 Eddie Lawson (31). Valentino Rossi ist am 16. Februar 31 Jahre alt geworden. Seine möglichen Rivalen sind alle viel jünger: Jorge Lorenzo feierte am 4. Mai erst seinen 23. Geburtstag. Casey Stoner wird am 16. Oktober 25 und Dani Pedrosa ist seit dem 29. September 25 Jahre alt.

Das Alter spielt im Motorradrennsport eine grosse Rolle. Siege sind nur für jene möglich, die ohne mit der Wimper zu zucken am Limit fahren. Jedes Jahr und jeder Sturz machen es ein bisschen schwieriger, am Limit zu fahren. Rossi ist diese Saison zum ersten Mal so schwer gestürzt, dass er mehrere Rennen auslassen musste. Zuvor hatte er in seiner ganzen Karriere nie ein Rennen verpasst und er ist nach wie vor nicht ganz fit: Nach dem letzten Rennen dieser Saison muss er sich einer Schuleroperation unterziehen.

Das aufregendste Deull seit 1983

Und da ist noch etwas: Auf drei verschiedenen Marken hat noch keiner die «Königsklasse» gewonnen. Rossi war auf Honda und Yamaha Weltmeister und wird nächste Saison auf Ducati antreten.

Wir dürfen uns freuen: Weltmeister Jorge Lorenzo gegen Superstar Valentino Rossi - bei diesem Duell wird die Töffwelt 2011 den Atem anhalten. Es wird vielleicht das aufregendste Töff-Duell seit 1983. Damals entschied Freddie Spencer (22) den Titelkampf in der Königsklasse im letzten Rennen gegen Kenny Roberts (32).

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