Aktualisiert 03.03.2011 18:33

Interview«Endlich ausgezogen»

Drummer Jack, 23, von den White Lies freut sich aufs Touren. Und ist froh, eine eigene Bleibe zu haben. Seine Eltern auch.

«Jetzt muss ich den ganzen Haushalt schmeissen»: Jack Lawrence-Brown (r.) von den White Lies. (PR)

«Jetzt muss ich den ganzen Haushalt schmeissen»: Jack Lawrence-Brown (r.) von den White Lies. (PR)

Jack, erst mal Hallo. Stören wir dich gerade?

Jack: Ach, wegen dem Bügeleisen? Nein. Wir richten heute unseren Tourbus ein, und ich habe mir von unserem Manager ein Bügeleisen gewünscht, weil meine Kleider immer so zerknittern. Ich habe aber eigentlich nicht vor, während des Interviews zu bügeln (lacht).

Ein Rockstar, der seine Klamotten selber bügelt, ich bin beeindruckt.

Ich bin nach der letzten Tour von zuhause ausgezogen. Meine Eltern lagen mir schon lange damit in den Ohren, ich glaube, sie wollten einfach ihre Ruhe haben. Es ist schon cool, aber jetzt muss ich eben auch den ganzen Haushalt selber schmeis­sen.

Was hat sich sonst noch in eurem Leben verändert, seit ihr 2009 mit eurem Debüt «To Lose My Life» durchgestartet seid?

Die krasseste Veränderung für uns war, dass uns die Musik auf einmal genug Geld einbringt, um davon leben zu können. Natürlich haben wir immer davon geträumt, aber dass wir dieses Ziel gleich mit der ersten Platte erreichten, das war irgendwie sehr schräg. Ich konnte es mir auf einmal leisten zu reisen, und eben auszuziehen.

Der Erfolg hat aber auch seine Schattenseiten: Wie seid ihr mit dem ganzen Medienzirkus umgegangen?

Zum Glück sind wir ziemlich langweilig, sodass sich niemand für unser Privatleben interessiert: Wir torkeln nicht betrunken vor Clubs herum, sind alle seit langer Zeit in festen Händen und interessieren uns nur für unsere Musik. Für die Klatschspalten sind wir zu brav, und das ist auch gut so.

Die Erwartungen an euer zweites Album «Ritual» waren nach dem Debüt sehr hoch. Wart ihr euch dessen bewusst?

Natürlich, besonders ganz am Anfang, wenn man neu in dem Geschäft ist, legt man alles auf die Goldwaage. Es gibt einige Leute, die von uns ziemlich unbeeindruckt sind, andere wiederum fanden das Debüt so gut, dass sie die neue Platte schon im Voraus zum Scheitern verurteilt haben.

Stresst euch das?

Nicht mehr, nein. Wir haben als Band unsere eigenen Ziele und Vorstellungen, und die haben wir für uns erreicht. Was andere über uns sagen, ignorieren wir darum einfach meistens. Das funktioniert auch sehr gut, wenn man sich wochenlang im Studio einsperrt und nur Musik macht.

Bald gehts wieder auf Tour. Freut ihr euch?

Ja, auf jeden Fall. Wir sind alle schon lang befreundet und genies­sen es immer sehr, zusammen zu reisen. Natürlich gehen wir uns manchmal auch auf die Nerven, weil wir immer auf engstem Raum usammengepfercht sind. Wir kennen unsere Grenzen aber recht gut und überschreiten sie auch nicht – meistens (lacht).

Von Postpunk zu New Wave

Das Debüt «To Lose My Life» war eine geballte Ladung Postpunk. Auf «Ritual» schlagen die Lon­doner neue Töne an: Mit viel Electro-Pomp treten sie in die grossen Fussstapfen von Depeche Mode, und stolpern kein einziges Mal. Unbedingt anhören: «Bigger Than Us».

White Lies live: Freitag 11. März, 20 Uhr, Komplex, Zürich.

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