Alle Episoden aufs mal: Endlich bekommen Serien-Addicts, was sie wollen
Aktualisiert

Alle Episoden aufs malEndlich bekommen Serien-Addicts, was sie wollen

Mit «House of Cards» ist erstmals eine grosse TV-Serie exklusiv auf einem Video-on-Demand-Portal erschienen. Damit hat für alle Serienjunkies eine rosige Zukunft begonnen.

von
Patrick Toggweiler

Digitales und analoges Aufzeichnen, Video-on-Demand, Live-Streams aus dem Internet und Downloads haben TV-Sendungen unverpassbar gemacht. Während viele Serienjunkies ihr Konsumverhalten den neuen Möglichkeiten angepasst haben, schaute die Filmindustrie lange Zeit regungslos zu. Doch langsam kommt Bewegung ins Spiel.

Der neue Serienhit «House of Cards» mit Kevin Spacey in der Hauptrolle erschien am ersten Februar exklusiv auf der Video-on-Demand-Plattform Netflix – und zwar alle dreizehn Episoden gleichzeitig. Auch die vierte Staffel von «Arrested Development», einer Serie, welche 2006 bei Fox abgesetzt und von Netflix neu belebt wurde, soll auf diese Weise veröffentlicht werden.

Konsumentengerechtes Angebot

Mit dieser Massnahme schlägt Netflix zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits muss sich der Konsument nicht mehr dem veralteten Konzept eines zeitlich gebundenen TV-Programms beugen, andererseits wird man damit dem Phänomen des «binge viewing» gerecht – dem Marathonglotzen.

Marathonglotzer begnügen sich nicht mit einer einzigen Folge pro Woche. Sie verschlingen ganze Staffeln an einem Wochenende. Und Marathonglotzen ist ein Massenphänomen: Alleine in den 24 Stunden, bevor die vierte Staffel von «Breaking Bad» ausgestrahlt wurde, konsumierten auf Netflix mehr als 50'000 User die dritte Staffel – die gesamte dritte Staffel.

«House of Cards» will diesem Konsumverhalten gerecht werden – denn für den roten Faden einer Geschichte ist entscheidend, ob zwei Folgen durch sieben Tage oder nur durch eine kurze Pinkelpause getrennt werden.

Ohne Zusammenfassungen

«Die Show geht davon aus, dass der Zuschauer der Geschichte lückenlos folgt, während beim klassischen Fernsehen angenommen werden muss, dass ein Grossteil der Zuschauer irgendwann zuschaltet», sagte Ted Sarandos von Netflix gegenüber der «New York Times». Als eine Folge davon wird auf die klassische Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zu Beginn einer Folge verzichtet.

Auch bei «Breaking Bad» hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Eine Nebenhandlung in der zweiten Staffel wird in der vierten gross aufgeblasen. Produzent Vince Gilligan will damit die Marathonglotzer belohnen, welche sich deshalb besser an vergangene Ereignisse erinnern.

Und nun noch der Wermutstropfen zum Schluss: Netflix ist in der Schweiz auf konventionellem Weg nicht erhältlich. Einen echten Serienjunkie hält ein solches Hindernis allerdings nicht auf.

Sind auch Sie ein Marathonglotzer? Dann berichten Sie im Talkback von Ihren grössten TV-Exzessen!

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