06.08.2018 03:41

«Ganz grosses Kino»

Endlich Bestnoten für den Schweizer «Tatort»

Der neuste Luzerner «Tatort» wurde als One-Take ohne Schnitt inszeniert. Der Mut zahlt sich aus: Für einmal jubelt auch die deutsche Presse über den Schweizer «Tatort».

von
fim/shy
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«Die Musik stirbt zuletzt» ist der 14. und viertletzte Schweizer «Tatort» aus Luzern. Danach wird der Kult-Krimi in Zürich gedreht. Geht das mutige Werk von Regisseur Dani Levy auf? Wir machen den Check.

«Die Musik stirbt zuletzt» ist der 14. und viertletzte Schweizer «Tatort» aus Luzern. Danach wird der Kult-Krimi in Zürich gedreht. Geht das mutige Werk von Regisseur Dani Levy auf? Wir machen den Check.

SRF
Die Story wird zur Nebensache. Der schwerreiche Geschäftsmann Walter Loving (Hans Hollmann) gibt sich gerne als grosszügiger Gutmensch. Hat er eine dunkle Vergangenheit? Auch verkorkste Liebesgeschichten und eine problematische Vater-Sohn-Beziehung nährten den Schweizer «Tatort». Doch leider bleibt der Krimi oft an der Oberfläche und lässt den Zuschauer am Schluss etwas ratlos zurück. Das heisst: Die Handlung wird, wegen der theatralischen Erzählform ziemlich zur Nebensache.

Die Story wird zur Nebensache. Der schwerreiche Geschäftsmann Walter Loving (Hans Hollmann) gibt sich gerne als grosszügiger Gutmensch. Hat er eine dunkle Vergangenheit? Auch verkorkste Liebesgeschichten und eine problematische Vater-Sohn-Beziehung nährten den Schweizer «Tatort». Doch leider bleibt der Krimi oft an der Oberfläche und lässt den Zuschauer am Schluss etwas ratlos zurück. Das heisst: Die Handlung wird, wegen der theatralischen Erzählform ziemlich zur Nebensache.

SRF/Hugofilm
Das Setup funktioniert.Die Szenen im vollbesetzten KKL mit über 1500 Statisten sind für Schweizer Verhältnisse richtig wuchtig und verfehlen ihre Wirkung nicht.

Das Setup funktioniert.Die Szenen im vollbesetzten KKL mit über 1500 Statisten sind für Schweizer Verhältnisse richtig wuchtig und verfehlen ihre Wirkung nicht.

SRF/Hugofilm

Viel und gern wurden die «Tatort»-Fälle aus Luzern kritisiert, von Medien und Zuschauern gleichermassen. Unterdurchschnittliche Quoten festigen den Eindruck, dass das Schweizer Ermittler-Duo einen besonders schweren Stand unter den «Tatort»-Fans hat.

Nun wagte das SRF mit dem der neusten Folge «Die Musik stirbt zuletzt» – der zweitletzte «Tatort» aus Luzern, bevor er Anfang 2019 nach Zürich verlegt wird – ein formales Experiment: Der Fall wurde im Luzerner KKL von Dani Levy nach intensiven Probewochen und mit Einsatz von 1500 Statisten als One-Take inszeniert, ohne einen einzigen Schnitt.

9 von 10 Punkten

Während Bild.de im Vorfeld nach einem ersten Screening noch vom möglicherweise schlechtesten Tatort aller Zeiten schrieb und fragte, ob der Folge «zu schlecht zum Senden» sei, fallen die Kritiken aus Deutschland nun ganz anders aus. Allen voran Spiegel.de: Dort ist die Rede von «ganz grossem Tatort-Kino». Besonders Kameramann Filip Zumbrunn wird gelobt: Er beweise «virtuose Beweglichkeit» und habe so Szenen eingefangen, die «man so im deutschsprachigen Fernsehen noch nicht gesehen hat». Diese Leistung schlägt in der Bewertung mit 9 von 10 möglichen Punkten zu Buche.

Lob auch im Feuilleton der «Frankfurter Allgemeinen»: Zum Glück seien Experimente innerhalb des «Tatort»-Formats möglich. «Ziemlich originell verknüpft Levy als Autor und Regisseur Genre- und Autorenkino zu einem spannenden Krimi als Gesellschaftssatire», heisst es. Das Fazit ist letztlich dasselbe wie beim «Spiegel»: «Das ist grosses Kino.» Stern.de hält fest, dass Regisseur Levy und Kameramann Filip Zumbrunn «einen wirklich ungewöhnlichen Film geschaffen» haben, der als «spannendes Experiment» gewürdigt wird.

Auf Twitter gehen die Meinungen auseinander

Die «Augsburger Allgemeine» titelt «Die Schweiz kann es doch» und stuft die Folge als «überdurchschnittlich» und «bemerkenswert» ein. Bei der «Frankfurter Rundschau» fällt die Bilanz zwiespältig aus. «‹Die Musik stirbt zuletzt› ist ein formal gewagter, den Zuschauer forsch und durchaus erfolgreich hineinziehender ‹Tatort›; was die Handlung und ihre Auflösung betrifft aber ist er allzu lässig.»

In eine ähnlich positive Richtung geht der Grundtenor der Schweizer Zuschauer, die ihre Meinung auf Twitter unter dem Hashtag #SRFTatort geteilt haben:

Es waren aber – natürlich – nicht alle zufrieden:

Und unter dem Hashtag #Tatort twitterten vor allem die deutschen Zuschauer, bei denen der Schweizer «Tatort» wie gewohnt zur Zielscheibe für ordentlich Häme wurde:

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