Swatch-Abschluss: Endlich mal ein fesselnder Geschäftsbericht
Aktualisiert

Swatch-AbschlussEndlich mal ein fesselnder Geschäftsbericht

Ein Geschäftsbericht als Schmankerl, das ist ein Novum: Mit Swatch publiziert eine der grössten Schweizer Firmen seinen «Bricht» in Mundart. Die Rede ist von «Urä», «Margge» oder «Gwünn».

von
Sandro Spaeth

Eigentlich sind Geschäftsberichte etwas Langweiliges: Sie sind vor allem viel Papier – gemacht für Spezialisten, Analysten und Journalisten – oder Aktionäre mit viel Zeit: Der Bericht der UBS umfasste letztes Jahr 522 Seiten, jener von Novartis 296 Seiten. An die Aktionäre versendet werden die mehrere Zentimeter dicken Bücher längst nicht mehr. Zu teuer, zu aufwändig, zu verschwenderisch.

Meist lohnt sich der Blick in die Geschäftsberichte nicht – jedenfalls nicht für den normalen Aktionär. Die News sind längst draussen. Und nach Ungereimtheiten durchforstet werden die Berichte höchstens von Enthüllungsjournalisten.

Beim diesjährigen Swatch-Bericht ist es etwas anders. Zwar umfasst auch er über 200 Seiten, ist aber in verschiedensten Mundartdialekten gehalten.

Das ist einzigartig - und ein weiterer Geniestreich der Crew um den ehemaligen Marketingmann und heutigen CEO Nick Hayek. Die Swatch Group nützt den «Gschäftsbricht» als Bekenntnis zur Schweiz. «Das isch wahri Swissness, womit mer eusi Landslüüt es bezli uufrüttle», schreibt Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek im Vorwort, das in der Mundart-Version «S'Geleitwort vo dr Presidäntin» heisst.

Einmaliger Sonderfall

Den in Dialekt gehaltenen Geschäftsbericht verstehe man als positive Provokation, schreibt Hayek weiter. Mit einem Augenzwinkern gemeint sein dürften die veränderten Kantonswappen auf dem Titelblatt – und auch dass sich Swatch als 27. Kanton bezeichnet. «Kei Staat, sondern e Geischteshaltig» – heisst denn auch der Slogan, den der Uhrenkonzern neben das eigene Kantonswappen stellt.

Bei Swatch dürfte die Dialektausgabe des Geschäftsberichtes der Sonderfall bleiben: Schon auf dem Titelblatt steht nämlich: «Einmalige Dialäkt-Usgaab». Eigentlich schade.

Den Geschäftsbericht als pdf finden Sie hier.

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