Aktualisiert 17.11.2015 13:32

BLS

Endlich Steckdosen – aber nur in der 1. Klasse

Die Nina-Züge der BLS werden derzeit für 30,7 Millionen Franken aufgerüstet. Mehr Komfort gibt es aber vor allem für die Passagiere der 1. Klasse.

von
Nora Camenisch

Sie waren eng, dunkel und zu Stosszeiten rappelvoll. Nun werden die Nina-Züge der BLS für 30,7 Millionen Franken aufgewertet. In diesem Sommer wurde mit der Aufrüstung der Wagen begonnen – nun ist der erste der insgesamt 36 Zügen fertig.

Von aussen erstrahlt die Nina von 1999 in neuem Glanz, hat sie doch einen neuen Anstrich erhalten. Im Innern aber hat sich nicht viel verändert – zumindest nicht für die Passagiere der 2. Klasse. Die Sitzbezüge und auch der Boden sind im Gegensatz zur 1. Klasse die gleichen geblieben. Zwei Sitzreihen wurden gar entfernt, dafür gibt es nun mehr Stehplätze.

Zweite Klasse ist zweitrangig

Wem allerdings in der 2. Klasse beim Handy der Saft ausgeht, hat Pech gehabt. Steckdosen gibt es nämlich nur in der 1. Klasse. Grund: «Die Passagiere der 1. Klasse zahlen 70 Prozent mehr für ihr Billett, die Steckdosen sind der Mehrwert», sagt Andreas Willich, Leiter Personenverkehr. Zudem handle es sich um eine Aufrüstung – da sei es viel teurer, Steckdosen einzubauen als bei einem neuen Zug. Man habe aber wahrgenommen, dass Steckdosen heute auch ein Bedürfnis in der 2. Klasse sind. Willlich: «Beim neuen Rollmaterial, das wir ab 2020 einsetzen werden, wird es überall Steckdosen haben.»

Doch die 1. Klasse erfährt noch mehr Aufwertung: Statt Lederbezüge sind die Sitze nun aus Stoff. Es stehen 20 statt wie bis anhin 16 Plätze mit 20 Zentimeter mehr Beinfreiheit zur Verfügung. Der 1.-Klasse-Wagen befindet sich nun in der Mitte des Zuges und ist mit einer automatischen Glastür abgetrennt.

Pilotprojekt für besseren Empfang

Neu für alle Passagiere ist die Beleuchtung im Zug. Wesentlich für die Sicherheit seien auch die neuen Lichtgitter bei den Eingängen, die verhindern sollen, dass Fahrgäste eingeklemmt werden. Aufgerüstet wurden auch die Scheiben. «Wir haben Drähte in die Scheibe eingezogen, damit der Empfang verbessert wird», sagt Projektleiter Oliver Zimmermann. Die Drähte sind ein Pilotprojekt der Uni Basel und sollen nun getestet werden. Funktionieren sie nicht, gibt es einen Plan B. «Wir haben bereits Leerrohre verbaut, damit wir nachrüsten könnten», so Zimmermann.

Der letzte Nina-Zug soll bis 2018 aufgerüstet sein. Pro Komposition dauert dies zwischen 2400 und 2800 Stunden und kostet rund 850'000 Franken. Die Ninas können so bis etwa 2035 genutzt werden. Jene, die derzeit noch auf der S52 verkehren, fahren ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember auf der Linie S5. Sie ersetzen dort die Lötschberger, welche neu auf der RegioExpress-Linie Bern–Langnau–Luzern verkehren. Wie bislang werden für die Linien S44 (S-Bahn Bern) sowie für die S6 und S7 (S-Bahn Zentralschweiz) Ninas eingesetzt.

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