Endlich wieder Gas für Gaza
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Endlich wieder Gas für Gaza

Fast eine Woche nach der Abriegelung des Gazastreifens hat Israel am Dienstag wieder Treibstofflieferungen in das Autonomiegebiet erlaubt. Doch das beruhigte die aufgebrachten Palästinenser nur wenig: Nach zwei Tagen ohne Strom wurde ein ägyptischer Grenzposten gestürmt.

Tanklaster pumpten an der Grenze rund 700 000 Liter Benzin in palästinensische Fahrzeuge um, ausserdem wurden Propangas und Medikamente geliefert. Die meisten Einwohner von Gaza Stadt hatten nach fast zwei Tagen wieder Strom. Die Lieferungen würden fortgesetzt, erklärte das Aussenministerium in Jerusalem. Palästinensische Extremisten schossen wieder mindestens 18 Raketen auf israelisches Gebiet ab.

Für die nächsten Tage hat Israel insgesamt 2,2 Millionen Liter Treibstoff zugesagt. Damit könnte das einzige Kraftwerk des Gazastreifens wieder eine Woche lang in Betrieb bleiben, erklärte Kanan Obeid von der örtlichen Energiebehörde. Israel hatte den von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen als Reaktion auf Raketenangriffe militanter Palästinenser am vergangenen Donnerstag abgeriegelt. Das Kraftwerk der Küstenregion, das ein Drittel der Stromversorgung abdeckt, musste daraufhin abgeschaltet werden.

Warnung des Roten Kreuzes

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte vor dramatischen Engpässen bei der Lebensmittelversorgung der 1,5 Millionen Einwohner. Auch das Gesundheitssystem drohe zusammenzubrechen. Auf Antrag der Arabischen Liga wollte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen noch am Dienstagabend mit der Lage im Gazastreifen befassen. Der palästinensischer Beobachter am New Yorker UN-Hauptsitz, Rijad Mansur, sagte, er erwarte eine Erklärung, in der Israel zur Grenzöffnung aufgefordert wird.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, dessen Fatah faktisch nur noch im Westjordanland regiert, protestierte mehrfach gegen die Blockade. Gleichwohl erklärte er am Dienstag, dass die Friedensverhandlungen mit Israel fortgesetzt würden. Sie sollten sogar intensiviert werden, «um das Leiden unseres Volkes zu beenden», erklärte Abbas. Er hat angeboten, die Kontrolle der Grenzübergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen selbst zu übernehmen. Die Hamas hat sich zu diesem Vorschlag bislang nicht geäussert.

Scharmützel an ägyptischer Grenze

Bei den täglichen Protesten von Hamas-Anhängern gegen die Blockade kam es im Süden des Gazastreifens zu Auseinandersetzungen zwischen hunderten Demonstranten und ägyptischen Grenzbeamten. Rund 70 Menschen wurden verletzt, als Steine flogen und Schüsse fielen. Ägypten hält seine Grenze geschlossen und hat damit stillschweigend die israelische Abriegelung unterstützt.

UN-Hilfsorganisationen baten die Geberländer für das laufende Jahr um Unterstützung für die Palästinenser im Umfang von 462 Millionen Dollar (320 Millionen Euro). Nur so könne der wachsenden Verarmung der Bevölkerung insbesondere im Gazastreifen entgegengewirkt werden. Die Palästinenser würden damit zur drittgrössten Gruppe der Hilfe-Empfänger nach dem Sudan und Kongo, wie aus UN-Statistiken hervorgeht. (dapd)

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