Quartier leidet unter Auto-Posern: «Es ist, als wohne man mitten auf dem Hockenheimring»
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Quartier leidet unter Auto-Posern«Es ist, als wohne man mitten auf dem Hockenheimring»

Das Basler Hafenareal hat sich längst zum Hotspot für Auto-Liebhaber entwickelt. Die Bevölkerung leidet schon länger unter dem Lärm und gefährlichen Fahrmanövern. Jetzt verstärkt die Polizei ihre Kontrollen.

von
Oliver Braams
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Die Basler Kantonspolizei kontrollierte am Wochenende am Hafen fast 200 Auto-Poser und verzeigte 16 Lenker.

Die Basler Kantonspolizei kontrollierte am Wochenende am Hafen fast 200 Auto-Poser und verzeigte 16 Lenker.

Kapo BS
Die Polizei habe aufgrund eigener Beobachtungen und Meldungen aus der Bevölkerung ein «hohes Fahrzeugaufkommen» im Hafengebiet festgestellt, wie es im Communiqué der Kantonspolizei Basel-Stadt heisst.

Die Polizei habe aufgrund eigener Beobachtungen und Meldungen aus der Bevölkerung ein «hohes Fahrzeugaufkommen» im Hafengebiet festgestellt, wie es im Communiqué der Kantonspolizei Basel-Stadt heisst.

20min/Oliver Braams
20 Minuten berichtete jüngst von den halsbrecherischen Manövern und von Unfällen im Hafenareal, die eine Anwohnerin dokumentierte. Foto: Privat

20 Minuten berichtete jüngst von den halsbrecherischen Manövern und von Unfällen im Hafenareal, die eine Anwohnerin dokumentierte. Foto: Privat

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Die Kantonspolizei kontrollierte am Samstag rund 200 Autos im Hafenareal von Basel.

  • 16 Lenker wurden verzeigt, weil ihre Autos unerlaubte technische Änderungen aufwiesen.

  • Auf Facebook äussern sich die Anwohner dankbar, denn sie leiden unter den lärmenden Autos.

  • Die Polizei ist sich der Problematik bewusst und nimmt die Szene nun stärker ins Visier.

Rund 200 Autos kontrollierte die Basler Kantonspolizei Samstagabend im Hafenareal. 16 Lenker musste sie wegen unerlaubten technischen Änderungen am Fahrzeug oder wegen lautstarkem Beschleunigen und dem Verursachen von Lärm verzeigen. Die Polizei habe aufgrund eigener Beobachtungen und Meldungen aus der Bevölkerung ein «hohes Fahrzeugaufkommen» im Hafengebiet festgestellt, wie es im Communiqué der Kantonspolizei Basel-Stadt heisst, das auch auf Facebook veröffentlicht wurde.

Das Hafenareal in Basels Norden hat sich längst als Treffpunkt der Poser-Szene etabliert. 20 Minuten berichtete jüngst von den halsbrecherischen Manövern und von Unfällen im Hafenareal, die eine Anwohnerin dokumentierte: «Die bringen Menschen in Gefahr für ein bisschen Driften», kommentierte sie die Schäden eines Unfalls von Ende Januar.

«Man hat langsam das Gefühl, man wohnt mitten auf dem Hockenheimring.»

Anwohner

Die Bewohner des dicht besiedelten Quartiers Kleinhüningen leiden schon lange unter den spätabends umherfahrenden Auto-Posern, das wird in der Kommentarspalte des Posts der Basler Polizei deutlich. «Bravo. Als Anwohner eine Katastrophe», beschreibt eine Nachbarin die Situation und fügt an: «Bitte bald wiederholen.» Ein Nachbar atmet auf: «Endlich wird mal was unternommen. Man hat langsam das Gefühl, man wohnt mitten auf dem Hockenheimring.»

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt er, dass die lauten Autos das ganze Quartier beschäftigen. «Im Quartier ist das ein richtiger Aufreger», sagt er. «Vereinzelt sind die heulenden Motoren ja nicht so belastend, aber seit etwa zwei Jahren wird die Situation wird immer nerviger.» Man könne wegen dem Lärm, der bis in die Nacht hinein andauere, in der Wohnung kein Fenster mehr offen lassen.

Ausserdem fühlen sich die Bewohner Kleinhüningens wegen den schnellen Autos nicht mehr sicher: «Beim Überqueren der Strasse wissen wir nie, wie schnell die Autos kommen. Zum Teil kommen sie auch links an der Verkehrsinsel vorbeigeschossen», sagt der Anwohner. Die Situation in Kleinhüningen ist auch dem Anwohner und SP-Politiker Talha Ugur Camlibel ein Dorn im Auge: In einem Anzug fordert er den Basler Regierungsrat auf, das Umherfahren mit getunten Autos zu unterbinden.

«Diese Automobilisten stören das Quartierleben.»

Talha Ugur Camlibel, ehemaliger SP-Grossrat und Anwohner

Camlibel zeigt sich gegenüber 20 Minuten erfreut über die Polizei-Kontrolle vom Samstagabend. «Es bestätigt mein Anliegen, dass jetzt auch die Basler Polizei anfängt, die Poser zu kontrollieren», sagt er. Ihm zufolge stören diese Automobilisten das Quartierleben: «Die müssten doch die Anwohner, die Kindergartenkinder oder Arbeitenden respektieren», findet er. «Aber ihre Autos sind speziell ausgerüstet, um Lärm zu machen.» Sein Anzug sei vom Grossen Rat einstimmig zur Beantwortung an den Regierungsrat überwiesen worden, wie er sagt.

Laut Polizeisprecher Toprak Yerguz lege die Kantonspolizei Basel-Stadt derzeit ein Augenmerk auf die Lärm verursachenden Tuner-Autos. «Nicht nur im Hafen», wie er auf Anfrage von 20 Minuten sagt. «Übermässigen Lärm verursachende Autos sorgen oft für Konflikte, wenn sie durch bewohntes Gebiet fahren.» Am Sonntag sei die Basler Kantonspolizei erneut für eine grössere Kontrolle im Hafen gewesen und habe mehrere Dutzend Personen weggewiesen, so Yerguz. «Wiederum, weil wir festgestellt hatten, dass dort mehr Betrieb auf den Strassen war als üblich.»

Deine Meinung

98 Kommentare
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baslerinnen

24.02.2021, 15:06

ich würde das autoleasing abschaffen, dann hat es 1. weniger autos und 2. weniger grosse protzexemplare.ich schätze,dass wenn man alle geleasten autos von der strasse nimmt, etwa noch 1/3 verkehr hätten.bin absolut nicht gegen autos,habe auch eins, dennoch finde ich es soll zu 100% beim kauf bezahlt werden.

B. Landmann

24.02.2021, 03:17

The Basler and The Furious: Hafenareal Drift

Camilla Binder

23.02.2021, 08:59

Sie kaufen sich Autos mit Geld, welches sie nicht haben, um Leuten zu imponieren, welche es nicht interessiert.