Aktualisiert 28.08.2005 21:05

Endspurt: CDU inszeniert Merkel-Show

Es war eine perfekte Show: 10 000 CDU- Anhänger waren am Sonntag mit Kind und Kegel in die Westfalenhalle eingeladen, dazu 1000 Delegierte und 1000 Journalisten.

Der Star war Kanzlerkandidatin Angela Merkel.

Drei Wochen vor der Bundestagswahl inszenierte die CDU ihren Wahlparteitag in der Dortmunder Westfalenhalle wie ein Popkonzert, mit viel Musik, «Angie»-Schildern und einer gut gelaunten Kanzlerkandidatin.

Schon zwei Stunden vor dem eigentlichen Parteitag, der nur drei Stunden dauerte, heizte die Gruppe «Mayqueen» mit einer für eine konservative Partei ungewöhnlich schrillen Bühnenshow ein. CDU- Generalsekretär Volker Kauder liess Hits wie «Radio Gaga» und «We are the champions» seiner Lieblingsgruppe Queen anstimmen.

Auf den unteren Rängen hielten Junge-Union-Mitglieder in orangefarbenen T-Shirts «Angie»- und «Wir werden Bundeskanzlerin»- Plakate in die Luft.

Schrille Light-Show

Die Kanzlerkandidatin schritt nach einer Lasershow im lachsfarbenen Blazer in die Halle, begleitet von CSU-Chef Edmund Stoiber und ihrem sogenannten Kompetenzteam. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der anfänglich wegen der schrillen Light-Show etwas skeptisch guckte, wurde mit tosendem Applaus begrüsst und sass neben Merkel.

Diese nutzte ihre 50-minütigen Rede zu einer Abrechnung mit Rot- Grün: «Wir werden die Wende zum Besseren schaffen». Bundeskanzler Gerhard Schröder sei bereits auf «Abschiedstour» in Deutschland.

Der Anspruch der Union sei dagegen: «Wir wollen es grundlegend anders machen, damit es grundlegend besser wird.» Stoiber bekam tosenden Beifall, als er von der «kulturellen Selbstverleugnung» der 68-er Generation sprach. Rot-Grün könne mit den Werten Heimat, Patriotismus und Nation nichts anfangen.

Nichts dem Zufall überlassen

Wahlkampfmanager Kauder wollte beim Start in die entscheidende Wahlkampfphase nichts dem Zufall überlassen. Zu schlecht sind noch die jüngsten Erinnerungen an die Äusserungen von Stoiber und dem brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm über Ostdeutschland, die Merkel den Wahlkampfauftakt verhagelten. Auf inhaltliche Debatten oder gar die Verabschiedung des Wahlprogramms wurde verzichtet.

Das Programm für den Dortmunder Wahlparteitag hatte die CDU/CSU- Spitze bereits im Juli auf einer gemeinsamen Vorstandssitzung verabschiedet. So gab es auch keine Rede des neuerdings designierten Finanzministers Paul Kirchhof oder der möglichen Familienministerin Ursula von der Leyen.

Das neunköpfige Kompetenzteam posierte am Schluss der Veranstaltung lediglich gemeinsam fürs Familienfoto. Dabei hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers davor in seiner kurzen Rede «Substanz statt Show» gefordert.

(sda)

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