Weltuntergangs-Prognosen: Endzeit-Gläubige in heller Aufregung
Aktualisiert

Weltuntergangs-PrognosenEndzeit-Gläubige in heller Aufregung

Wie der Blutmond, der jüdische Kalender und eine Papstrede Endzeitjünger und Verschwörungstheoretiker in Aufregung versetzen. Diese Woche soll es zur Sache gehen.

von
J.-C. Gerber
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Zwischen dem 22. und dem 28. September soll es so weit sein. Allerlei Wirrköpfe reden die Apokalypse herbei und präsentieren einen Wust an angeblich todsicheren Hinweisen.

Zwischen dem 22. und dem 28. September soll es so weit sein. Allerlei Wirrköpfe reden die Apokalypse herbei und präsentieren einen Wust an angeblich todsicheren Hinweisen.

Keystone/Peter Schneider
Einige von ihnen sind überzeugt, dass ein gigantischer Asteroid die Erde treffen wird. Und das alles nur, weil ein Prediger aus Puerto Rico das von Gott so mitgeteilt bekommen habe. Beim Einschlag geht dann entweder die Welt unter ...

Einige von ihnen sind überzeugt, dass ein gigantischer Asteroid die Erde treffen wird. Und das alles nur, weil ein Prediger aus Puerto Rico das von Gott so mitgeteilt bekommen habe. Beim Einschlag geht dann entweder die Welt unter ...

Uncredited
... oder sie wird zumindest so schwer beschädigt, dass die Elite, die sich in Geheimbunkern vor der Katastrophe schützte, die Neue Weltordnung errichten und die übrig gebliebenen Menschen knechten kann.

... oder sie wird zumindest so schwer beschädigt, dass die Elite, die sich in Geheimbunkern vor der Katastrophe schützte, die Neue Weltordnung errichten und die übrig gebliebenen Menschen knechten kann.

AP/Frank Franklin ii

Es ist wieder einmal so weit: Diese, nächste, spätestens übernächste Woche geht die Welt unter. Oder zumindest die Welt, wie wir sie kennen. Allerdings wissen das nur die Mächtigen dieser Welt. Oh, und natürlich die Weltuntergangspropheten und Verschwörungstheoretiker. Denn sie haben haufenweise Hinweise und Vorzeichen ausgemacht, dass etwas im Busch ist. Schade nur, dass alles davon Mumpitz ist.

So soll die Erde zwischen dem 22. und dem 28. September von einem Asteroiden getroffen werden. Diese Prophezeiung geht auf Efrain Rodriguez, einen religiösen Fundamentalisten aus Puerto Rico, zurück. Er habe die Informationen vom lieben Gott persönlich erhalten, sagt er. Und weil besonders US-Evangelikale die Vorhersage massenhaft für bare Münze genommen haben, fühlte sich die US-Raumfahrtbehörde Nasa veranlasst, innerhalb von drei Monaten zweimal zu dementieren, dass sich irgendeine Art von Himmelskörper auf die Welt zubewegt.

Die Elite

Bei vielen Verschwörungstheoretikern dürfte das allerdings auf taube Ohren stossen, schliesslich ist die Nasa eine staatliche Stelle. Und es ist die Elite, der der Asteroideneinschlag sehr gelegen kommt. Denn nicht alle glauben, dass die Erde komplett ausgelöscht wird. Manch ein Endzeitgläubiger geht davon aus, dass die Mächtigen der Welt den Einschlag in geheimen Bunkern aussitzen werden, um danach die «Neue Weltordnung» zu errichten, also eine Weltregierung, die die Menschen knechtet.

Der Papst

Beschlossen werde das alles an der anstehenden 69. UNO-Vollversammlung, die eine neue Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsagenda, die sogenannte Post-2015-Agenda, zum Thema haben wird. Dies sei in Wirklichkeit der Plan für die Neue Weltordnung. Und nun kommt der Papst ins Spiel, der für viele christliche Fundamentalisten der Antichrist ist. Dass er am 25. September vor der UNO-Versammlung sprechen wird, sei ein weiteres Zeichen für den anstehenden Untergang – sagen die Verschwörungstheoretiker.

Der französische Aussenminister

Einen weiteren Hinweis auf das bevorstehende Ende soll der französische Aussenminister Laurent Fabius geliefert haben, als er im Sommer 2014 erklärte: «Wir haben also noch 500 Tage, um das Klimachaos abzuwenden». Die 500 Tage sind nun fast um, was für die Verschwörungstheoretiker nur eines heissen kann: Apokalypse! Allerdings fällt das Argument in sich zusammen, wenn man den Kontext der Aussage betrachtet. Fabius sagte Anfang Juli vergangenen Jahres in Spitzbergen: «Die Klimakonferenz beginnt in 500 Tagen. Wir haben also noch 500 Tage, um das Klimachaos abzuwenden.» Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass Verschwörungstheoretiker für gewöhnlich gar nicht an den Klimawandel glauben.

Die Filmindustrie

Die Verschwörungstheoretiker mögen die Elite zwar nicht, halten ihren Mitgliedern aber zumindest zugute, Gentlemen zu sein. Und als solche dürfen sie die Menschen nicht ganz ohne Vorwarnung ins Verderben rennen lassen. Der fiese Trick: Sie platzieren Hinweise auf die Periode vom 22. bis zum 28. September in Hollywood-Filmen. So geschehen unter anderem in «Tomorrowland», «Mission Impossible» und «Mad Max». Echt jetzt?

Der Blutmond

Auch der gute alte Mond macht den Untergangspropheten Sorgen: In der Nacht auf den 28. September geht mit der Mondfinsternis eine Periode von vier Blutmonden innert zwei Jahren zu Ende, eine sogenannte Tetrade. In dieser sind alle Finsternisse mit jüdischen Festen zusammengefallen. Das hat die beiden US-Prediger John Hagee und Mark Biltz unter Berufung auf bestimmte Bibelpassagen zur Blutmond-Prophezeiung veranlasst, wonach nun die Endzeit anbricht und die Wiederkunft Christi ansteht.

Dazu ist zu sagen, dass der jüdische Kalender auf dem Mondjahr basiert und jede sechste Mondfinsternis während den jüdischen Festen Pessach oder Sukkot (Laubhüttenfest) stattfindet. Zudem gab es in christlicher Zeit bereits acht Tetraden, bei denen alle Finsternisse mit diesen jüdischen Festen zusammenfielen. Und noch nie brach danach die Endzeit an oder kam Jesus wieder, um seine Anhänger zu sich zu holen.

Das Cern

Auch in der Schweiz wird übrigens fleissig am Weltuntergang gebastelt. So ist das Cern dabei, den Teilchenbeschleuniger LHC auf volle Leistung hochzufahren. Was unmittelbar zum Untergang führen muss, weil a.) für Laien schwer zu verstehen ist, was dort genau gemacht wird, und b.) weil im Cern-Logo dreimal die Ziffer 6 vorkommt, was ja bekanntlich die Zahl des Antichristen ist.

Nun ja. Dass der LHC kleine Schwarze Löcher produziert, die uns alle verschlucken werden, hiess es schon 2008, als der Teilchenbeschleuniger das erste Mal angelassen wurde – und doch gibt es uns immer noch.

Die Welt wird also nicht untergehen. Wie sie auch 2012 trotz abgelaufenem Maya-Kalender nicht untergegangen ist. Doch die Untergangspropheten haben auch für diesen Fall vorgesorgt. Die nächsten Daten für die Apokalypse stehen schon fest, wie eine eigens dafür eingerichtet Seite auf Wikipedia verrät. Demnach könnte es bereits am 7. Oktober wieder so weit sein. Oder dann 2020, oder 2021, vielleicht aber auch erst 2026 …

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