Basel vs. Rasgrad: Enfant terrible ist Basels letzte Hoffnung
Aktualisiert

Basel vs. RasgradEnfant terrible ist Basels letzte Hoffnung

In Wolfsburg und Augsburg enttäuschte er – sportlich wie charakterlich. Nun soll Giovanni Sio ausgerechnet im CL-Playoff für den FCB die Kohlen aus dem Feuer holen.

von
E. Tedesco
Sofia

FCB-Neuzugang Giovanni Sio ersetzt in Sofia den verletzten Stürmer Marco Streller. (Video: 20 Minuten)

Der FC Basel hat turbulente Tage hinter und schwierige vor sich. Am Mittwoch tritt der Schweizer Meister zum ersten der zwei wichtigsten Spiele in diesem Herbst an. Sportlich geht es um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League – wirtschaftlich um 20 Millionen Franken. Der FCB geht als Favorit ins Hinspiel auswärts gegen den bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad. Zumindest, wenn man die Sache auf dem Papier anschaut.

Aber normal ist beim FCB derzeit nichts. Die letzte schlechte Nachricht für Trainer Yakin: Ausfall von Captain Marco Streller. Vorher waren es Spekulationen um Aleksandar Dragovic, der Kiew erst ab- und dann zusagte. Polemiken um die Ägypter Mohammed Salah und Mohammed Elneny während der Qualifikationsspiele gegen Maccabi Tel Aviv. Die Raserfahrt von Raúl Bobadilla, der vom FCB erst suspendiert und dann an Augsburg verkauft wurde. Die Suche nach Ersatz und die Verpflichtung von Giovanni Sio. Die Rückholaktion der Vaduz-Leihgabe Kwan Ryok Pak.

Die Sprachbarriere von Sio in Wolfsburg

Bobadilla-Ersatz Sio wechselte im Januar 2012 für sieben Millionen Franken vom FC Sion zum VfL Wolfsburg, wo er einen Vertrag bis Juni 2015 unterschrieb. Obwohl er schnell und kreativ ist und über viel Potenzial verfügt – beim VW-Klub kam er zu nur zehn Einsätzen (0 Tore). In Wolfsburg sagt man ihm mangelnde Trainingsdisziplin nach.

Auch, dass er nicht zu hundert Prozent bei der Sache war. Zurückzuführen auch auf eine Sprachbarriere, nachdem der französisch-ivorische Stürmer keine Anstalten machte, Deutsch zu lernen. «Um erfolgreich Fussball spielen zu können, muss ich kein Deutsch sprechen», sagte der Stürmer am Dienstag am Flughafen in Basel.

Sochaux bot zu wenig

Wolfsburg lieh Sio zunächst an Augsburg aus. Dort zeigte er nach einem Platzverweis gegen Fürth auf dem Weg unter die Dusche den Fans auf der Tribüne den Mittelfinger. Die Aktion markierte nach 6 Partien (0 Tore) seinen Abgang aus Augsburg. Besser lief es in Sochaux, wohin ihn Wolfsburg weiter auslieh. Bei den Franzosen fühlte sich Sio wohl, war im Team integriert und erzielte in 13 Partien 4 Tore.

Sochaux wollte den Stürmer definitiv übernehmen. Doch die von den Franzosen gebotenen zwei Millionen Euro waren Wolfsburg-Sportdirektor Klaus Allofs zu wenig. Er musste zurück zum VfL, obwohl klar war, dass er dort keine Zukunft hatte.

Yakin wirft Sio ins kalte Wasser

Die nimmt er nun beim FCB in Angriff. Und zwar in der Startelf, nachdem er nach dem Ausfall von Streller der einzige fitte Stürmer ist. «Ich bin glücklich, dass ich beim FCB bin, und habe grosse Lust zu spielen.» Der Wechsel zum FCB sei rasch über die Bühne gegangen. Kein Wunder, er hat die Chance erhalten, zu einem Klub mit Namen zu wechseln. Natürlich habe er auch mit Geoffroy Serey Die, den er aus gemeinsamen Zeiten beim FC Sion kenne, gesprochen, aber die Entscheidung habe er von sich aus gefällt.

«In so einer wichtigen Partie darf man in der Offensive gewisse Risiken eingehen», sagt FCB-Trainer Murat Yakin. «Sio kann Streller nicht ersetzen – Marco fehlt uns. Aber wir hoffen, dass Sio uns mit einem Auswärtstor entscheidend helfen kann.»

Schlechte Erfahrung gegen Cluj

Die Ausgangslage vor dem Spiel gegen den bulgarischen Meister ist ähnlich wie vor einem Jahr gegen Cluj. Mit einem feinen Unterschied: Der FCB hatte schon ein Jahr zuvor in der Champions League gegen die Rumänen gespielt; man kannte die Mannschaft.

Das Niveau des CFR Cluj war höher, aber er war keineswegs übermächtig. Trotzdem verloren die Bebbi nach einer 1:2-Heimpleite im Hinspiel auch das Rückspiel (0:1) – damals noch unter Trainer Heiko Vogel. Alex Frei jagte einen Penalty salopp in den rumänischen Nachthimmel. Es war der Anfang vom Ende im Millionenspiel und der Anfang vom Ende der kurzen Ära Heiko Vogel. Im Oktober folgte die Trennung.

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