«Ungerechter» Flüchtlingsstatus: Kämpferische Afghanin (18) stellt «Arena» auf den Kopf

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«Ungerechter» FlüchtlingsstatusKämpferische Afghanin (18) stellt «Arena» auf den Kopf

Moderator Sandro Brotz hatte in der SRF-Diskussionssendung sichtlich Mühe, eine 18-jährige Geflüchtete aus Afghanistan zu beschwichtigen.

Shakila Ansari teilte in der Sendung den Zuschauern ihre Meinung deutlich mit.

Video: sla

Darum gehts

Bis im Herbst rechnet der Bund mit bis zu 120’000 geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Bereits rund 50’000 sind in der Schweiz registriert. Sie erhalten den Schutzstatus S. Andere Geflüchtete wie zum Beispiel aus Syrien oder Afghanistan erhalten diesen nicht. Besteht die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft? Das war das Thema am Freitagabend in der SRF-Sendung «Arena»

Unter der Leitung von Moderator Sandro Brotz diskutierten wie immer vier Politiker aus allen Lagern. Doch diesmal waren auch zwei Flüchtlinge eingeladen: Solomiia Fedorchuk (17) aus der Ukraine und Shakila Ansari (18) aus Afghanistan. 

F ist nicht S

Flüchtlinge aus der Ukraine erhalten aktuell den Status S und können sofort einer Arbeit nachgehen. Vorläufig Aufgenommene hingegen bekommen – nach einem monatelangen Prozess – den Ausweis F. Sie dürfen während dieser Zeit nicht arbeiten. Weitere Unterschiede gibt es beim Familiennachzug: Angehörige einer geflüchteten Person mit Status S dürfen sofort nachreisen, bei Flüchtlingen mit dem Status F ist das erst nach drei Jahren möglich. Reisen ins Ausland sind für F-Flüchtlinge zudem verboten, ukrainische Flüchtlinge dürfen grundsätzlich ins Ausland reisen.

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«Geflüchtete sind Geflüchtete, egal woher sie kommen», sagt Shakila Ansari in der SRF-«Arena». (20. Mai 2022)

«Geflüchtete sind Geflüchtete, egal woher sie kommen», sagt Shakila Ansari in der SRF-«Arena». (20. Mai 2022)

Screenshot SRF
Sie und die Ukrainerin Solomiia Fedorchuk (17) waren Gäste der Sendung.

Sie und die Ukrainerin Solomiia Fedorchuk (17) waren Gäste der Sendung.

Screenshot SRF
Die junge Afghanin diskutiert sehr engagiert mit den Politikerinnen und Politikern.

Die junge Afghanin diskutiert sehr engagiert mit den Politikerinnen und Politikern.

Screenshot SRF

Die jungen Geflüchteten in der «Arena»-Sendung kommen beide aus Kriegsgebieten, haben aber nicht den gleichen Flüchtlingsstatus. Die Afghanin mit dem Status F beschrieb, wie sie darunter leidet, ihre Familie nicht sehen zu können, und dass sie keine Lehre beginnen kann. «Geflüchtete sind Geflüchtete, egal woher sie kommen», sagte Shakila Ansari. Sie habe nichts gegen ukrainische Flüchtlinge und sei dankbar, dass ihnen in der Schweiz geholfen wird. Sie sei auch dankbar, dass sie hier Hilfe erhalte. Aber die Unterschiede zwischen Flüchtlingen aus Europa und anderen Gebieten seien sehr gross, betonte sie.

Engagierte Afghanin

An diesem Punkt versuchte Sandro Brotz das Gespräch wieder in die vordere Reihe zu den Politikern zu lenken, doch Ansari sprach engagiert weiter. Der Moderator versuchte sie zu stoppen, was nicht auf Anhieb gelang. Die junge Frau erzählte von weiteren Ungerechtigkeiten, bis schliesslich die Politiker wieder zu Wort kamen. Dort erhielt sie vom Grünen-Präsident Balthasar Glättli Unterstützung: «Schutzbedürftige Menschen sollten in der Schweiz alle die gleichen Chancen haben.» Adrian Schoop, FDP-Grossrat aus dem Kanton Aargau, warnte jedoch, jetzt das ganze Asylwesen auf den Kopf zu stellen.

Dann erhielt Shakila Ansari wieder das Wort. Sie wollte eine Antwort auf die Frage, warum Flüchtlinge aus der Ukraine den Status S hätten, während ihre Landsleute nur den Status F bekommen. Sie sprach dann aber weiter – Brotz bekundete erneut Mühe, sie zu stoppen. Die Antwort des Grossrats Schoop befriedigte Ansari zudem auch nicht, weshalb sie ihm immer wieder ins Wort fiel. 

Solomiia Fedorchuk aus der Ukraine pflichtete der Afghanin bei und fand auch, dass alle Flüchtlinge die gleichen Rechte haben sollten. Die Sendezeit war zu diesem Zeitpunkt schon überschritten, dennoch verlangte Ansari nochmals das Wort, welches ihr Brotz widerwillig erteilte. «Nur einen Satz», sagte er. Dabei blieb es allerdings nicht.

«Sie haben ihre Stimme sehr deutlich erhoben»

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann aus Zürich erklärte Ansari nochmals den Grund für die unterschiedlichen Ausweise. Und obwohl Brotz die Sendung nun beenden wollte, streckte Ansari den Finger in die Luft und sprach weiter. Es sei ungerecht und sie wolle ihre Stimme erheben. Der Moderator beschwichtigte sie: «Sie haben ihre Stimme sehr deutlich erhoben.»

Ansari liess sich aber kaum beruhigen, bis ihr Brotz versprach, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Sendung zusammen bleiben und weiter diskutieren. Bei anderen Gästen musste er sich entschuldigen, weil kaum Zeit für sie übrig blieb. Als der Moderator sich verabschiedete, sah man im Hintergrund, wie sich die engagierte Frau erneut zu Wort meldete.  

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(chk)

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