Aktualisiert 18.05.2011 12:25

Perugia

«Engel mit Eisaugen» erneut vor dem Richter

Die wegen Mordes verurteilte Amanda Knox ist erneut vor einem italienischen Gericht erschienen. Die Polizei wirft der 23-Jährigen Verleumdung vor.

Amanda Knox hatte die Beamten beschuldigt, sie geschlagen und unter Druck gesetzt zu haben, als diese sie zum Mord an einer Mitbewohnerin befragt hatten. Sie sei wiederholt «dumme Lügnerin» genannt worden. Nun wirft die Polizei der US-Bürgerin Verleumdung vor.

Knox' Vater war am Dienstag auch im Gerichtssaal in Perugia. Der Prozess wurde nach einer kurzen Anhörung aus verfahrenstechnischen Gründen auf den 15. November vertagt. Das unabhängig davon laufende Berufungsverfahren wird am Samstag wieder aufgenommen.

Seit Dezember 2009 im Knast

Knox wurde im Dezember 2009 schuldig gesprochen, 2007 ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher sexuell genötigt und anschliessend getötet zu haben. Dafür wurde sie zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt. Knox' damaliger Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, wurde als Mittäter zu 25 Jahren verurteilt. Beide sitzen seit dem 6. November 2007 in Perugia in Haft und beteuern bis heute ihre Unschuld.

Die 21-Jährige Kercher wurde am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Ein dritter Verdächtiger, ein Mann aus der Elfenbeinküste, wurde bereits 2008 schuldig gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Er hatte die Vorwürfe ebenfalls bestritten.

Knox als «Engel mit Eisaugen» bekannt

Im Prozess gegen Knox, die von den italienischen Medien wegen ihres kindlichen und zugleich undurchdringlichen Gesichtsausdrucks «Engel mit Eisaugen» genannt wurde, sagten rund 100 Zeugen aus. Begleitet wurde das Verfahren von einem immensen Medienecho, das die intimsten Details aus dem Privatleben der Angeklagten an die Öffentlichkeit brachte.

Im Dezember hatte das Gericht in Perugia einer erneuten Überprüfung umstrittener DNA-Spuren zugestimmt. Für die Verteidigung der als «Engel mit Eisaugen» bekannt gewordenen Knox war das ein erster Erfolg. Bei ihrer erstinstanzlichen Verurteilung hatte das Gericht sich geweigert, eine weitere Untersuchung der am Opfer und an der Tatwaffe gefundenen DNA-Spuren vornehmen zu lassen. Ausserdem entschied das Berufungsgericht, weitere Zeugen vorzuladen.

(dapd)

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