22.01.2017 15:36

Schräge GesetzeEngländer haben ein Recht auf «altes Licht»

Wenn Ihnen während 20 Jahren Sonnenlicht ins Wohnzimmer fiel, dann gehört dieses Licht Ihnen – zumindest in England.

von
M. Steiger
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Erste Erwähnung findet das «Ancient Lights»-Gesetz bereits 1663. In seiner heutigen Form existiert es seit 1832.

Erste Erwähnung findet das «Ancient Lights»-Gesetz bereits 1663. In seiner heutigen Form existiert es seit 1832.

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Das Gesetz gibt Hausbesitzern ein Recht auf Licht, sofern es 20 Jahre ununterbrochen durch ihre Fenster schien – oder auf ihren Gartensitzplatz.

Das Gesetz gibt Hausbesitzern ein Recht auf Licht, sofern es 20 Jahre ununterbrochen durch ihre Fenster schien – oder auf ihren Gartensitzplatz.

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Wenn die Nachbarn nun ein hohes Haus bauen wollen, kann der «Ancient Lights»-Hausbesitzer sie verklagen. Es gibt diverse Fälle, in denen die Kläger bereits Recht bekommen und so die Baupläne ihrer Nachbarn verhindert haben.

Wenn die Nachbarn nun ein hohes Haus bauen wollen, kann der «Ancient Lights»-Hausbesitzer sie verklagen. Es gibt diverse Fälle, in denen die Kläger bereits Recht bekommen und so die Baupläne ihrer Nachbarn verhindert haben.

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In vielen alten Backsteinhäusern in und um London finden sich Schilder unter Fenstern, auf denen «Ancient Lights» steht. Beispielsweise in Chinatown und Covent Garden, aber auch in vielen Seitengassen der Stadt.

Und die Schilder gibt es nicht nur in London. Ebenfalls verbreitet sind sie in Dorset, Kent und anderen Städten in England. Aber was hat es damit auf sich?

Ein Recht auf Licht

«Ancient Lights» oder auch das «Right to light» ist im englischen Grundstücksgesetz verankert. Es ist ein aussergewöhnliches, aber durchaus sinnvolles Gesetz: Es gibt Hausbesitzern das Recht auf natürliches Licht durch ein Fenster. Wenn besagtes Fenster bereits seit 20 Jahren ununterbrochen mit Sonnenlicht beschienen wird, dann hat der Hausbesitzer das Recht auf dieses spezifische Licht.

Das bedeutet, dass ein Nachbar auf seinem Grundstück kein Hochhaus bauen darf, dass diesen Lichteinfall stört oder verhindert. Aber nicht nur Hochhäuser werden so verhindert: Das Gesetz lässt sich auch auf Zäune und Bäume anwenden.

Kein verstaubtes Gesetz aus früheren Zeiten

Das Gesetz stammt zwar ursprünglich von 1663, in seiner aktuellen Form gibt es den Text seit 1832. Gültig ist es jedoch bis heute. Aber Achtung: Natürlich können Engländer ihre Nachbarn nicht zwingen, einen Baum zu fällen, der in den letzten 20 Jahren gewachsen ist. Das Gesetz bezieht sich auf Neubauten oder eben erst kürzlich gepflanzte Bäume.

In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Fälle, in denen Briten ihre Nachbarn verklagten, weil sie ihnen das Licht genommen hatten – die meisten haben vor Gericht gewonnen. Das liegt aber auch an der Formulierung des Gesetzes.

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