Zürich: Wie das Gitarren-Total-Team den Dieb ihrer gestohlenen Gitarre wieder aufspürten

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ZürichEngländer klaut 13’000-Franken-Gitarre – beim Weiterverkauf patzt er

Den Diebstahl einer handgefertigen Gitarre lässt das Team von «Gitarren Total» nicht auf sich sitzen. Patrick Geser erzählt, wie sein Team und er den Dieb ausfindig und dingfest machten. 

von
Erika Unternährer
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Patrick Geser, Inhaber von «Gitarren Total», hat zusammen mit seinem Team eine aus seinem Geschäft gestohlene Gitarre zurückerobert.

Patrick Geser, Inhaber von «Gitarren Total», hat zusammen mit seinem Team eine aus seinem Geschäft gestohlene Gitarre zurückerobert.

Privat
Aufnahmen der Überwachungskamera zeigen, wie der Dieb die Gitarre vom ungesicherten Haken nimmt. 

Aufnahmen der Überwachungskamera zeigen, wie der Dieb die Gitarre vom ungesicherten Haken nimmt. 

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Die gestohlene Gitarre ist ein handgefertigtes Einzelstück. Ihr Wert beläuft sich auf 13’000 Franken.

Die gestohlene Gitarre ist ein handgefertigtes Einzelstück. Ihr Wert beläuft sich auf 13’000 Franken.

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Darum gehts

  • Ein Engländer stahl aus einem Gitarrengeschäft ein Instrument im Wert von 13’000 Franken. 

  • Der Inhaber des Geschäfts und sein Team liessen den Diebstahl nicht auf sich sitzen und spürten den Dieb auf.

Und weg war sie: Eine Gitarre im Wert von 13’000 Franken. Entwendet wurde das Instrument am 11. November aus dem Geschäft «Gitarren Total», dessen Inhaber Patrick Geser ist. Für den Gitarrenliebhaber ein Grund, aktiv zu werden. Denn: «Das ist nicht irgendeine Gitarre, das ist ein Einzelstück mit ganz eigenem Charakter», so Geser. Aber auch versicherungstechnisch ist der Diebstahl ärgerlich – handelt es sich nämlich um einen «einfachen Diebstahl», zahlt die Versicherung nichts.

Dass das Instrument entwendet wurde, realisierte das Gitarren-Total-Team erst zwei Tage, nachdem der Dieb zugeschlagen hatte. Geser: «Ein Geschäft in Basel rief uns an und sagte, dass bei ihnen Instrumente gestohlen wurden und auf einer Internet-Verkaufsplattform wieder aufgetaucht waren.» Der Geschäftsführer hätte sich sogleich die Aufnahmen der Überwachungskamera angeschaut: Darauf ist zu sehen, wie der Dieb die teure Gitarre vom ungesicherten Haken nimmt und ein günstigeres Instrument an die freigewordene Stelle hängt.

Dieb verkauft unter echtem Namen

Geser meldete den Diebstahl unverzüglich bei der Polizei. Parallel begannen er und sein Team aber auch nach dem Dieb zu suchen – mit Erfolg: «Es ging nicht lange, bis wir seinen Namen kannten und erfuhren, dass er in England lebt.» Der Dieb hat nämlich einen entscheidenden Fehler gemacht: Sein Account auf der Plattform «Reverb» lief unter seinem echten Namen. «So fanden wir ihn auf Facebook und Instagram.» Über Fotos auf Facebook habe die Polizei sogar herausgefunden, mit wem und in welchem Hotel der Mann sich aufgehalten hatte. Dadurch seien die Beamten im weiteren Verlauf auch an die Passnummer des Diebes gekommen. Aber: «Um ihn in der Schweiz zu fassen, war es zu spät. Er war schon ausgereist.»  

Ans Aufgeben dachten Geser und sein Team dennoch nicht: «Wir richteten auf Reverb einen Fakeaccount ein, um den Dieb online zu kontaktieren.» Dieser hatte die gestohlene Gitarre nämlich bereits auf der Plattform zum Verkauf angeboten. Die Bilder für auf der Plattform hatte er in einem Schweizer Hotel gemacht. «Wieder wandten wir uns an die Polizei in England und setzten uns zugleich mit dem Dieb in Verbindung.» Der Plan: Gitarre kaufen, Übergabeort vereinbaren, nach London reisen und dort in Begleitung der Polizei das Instrument abholen und dabei gleich den Dieb überführen. Doch es kam anders: «Die Polizei liess nichts von sich hören und der Typ sagte den Übergabetermin ab.»

«Wir sind happy – die Mühen haben sich gelohnt»

Also wandte sich Geser in der Schweiz an die Rechtshilfe. Diese kontaktierte Reverb, schilderte den Fall und forderte die Kontaktdaten des Diebes. Nur: «Aus Datenschutzgründen bekamen wir nicht die Auskunft, die wir brauchten. Stattdessen wurde der Account des Diebes gesperrt.» Über die zuständige Person von Reverb erfuhr Geser kurze Zeit später jedoch, dass seine Gitarre inzwischen vom Pfandhaus Cashconverter gekauft und für den Weiterverkauf auf Ebay gestellt worden war. «Endlich schaltete sich auch die Londoner Polizei ein, da nun eine Straftat bestand.»

Und zwar jene der Hehlerei: «Der Dieb konnte beim Verkauf der Gitarre keine Originalquittung vorlegen und somit auch nicht nachweisen, dass es sich beim Instrument um ein ehrlich erworbenes Gut handelt.» Statt einer Quittung hatte der Dieb im Pfandhaus eine Kopie seines Ausweises und seine Kontaktdaten hinterlassen – und bekam nun ziemlich schnell Besuch von der Polizei.

So ging für Geser und sein Team eine Odyssee zu Ende. «Wir sind happy – die Mühen haben sich gelohnt.» Das Instrument befände sich inzwischen auch in sicheren Händen: «Ein Freund von mir ist derzeit in England und hat die Gitarre auf dem Polizeiposten abgeholt.»

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