Wohnungssuche: Engländerin prellt Leute mit fingiertem Inserat
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WohnungssucheEngländerin prellt Leute mit fingiertem Inserat

Eine Engländerin haut Wohnungssuchende übers Ohr: Sie will eine Maisonette-Wohnung vermieten, die gar nicht ihr gehört.

von
qll
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Gemäss dem Inserat besitzt die Maisonette-Wohnung eine moderne Küche ...

Gemäss dem Inserat besitzt die Maisonette-Wohnung eine moderne Küche ...

zvg
... und ein renoviertes Bad.

... und ein renoviertes Bad.

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Mit 5.5-Zimmern soll die Wohnung nur 1250 Franken pro Monat kosten, ...

Mit 5.5-Zimmern soll die Wohnung nur 1250 Franken pro Monat kosten, ...

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«5,5-Zimmer-Maisonette an der Stückelbergstrasse in St. Gallen zu vermieten. Die Wohnung liegt zentral, besitzt eine moderne Küche und ein renoviertes Bad. Miete pro Monat: 1250 Franken.» Gemäss dem «St. Galler Tagblatt» lautete so ein Wohnungsinserat auf Comparis.

Hinter diesem eher fragwürdigen Angebot soll eine Engländerin stecken, die als Projektmanagerin im Tiefbau tätig ist und derzeit wegen eines grossen Bauprojekts in London wohnt. Angeblich hat sie die Wohnung in St. Gallen während eines längeren Aufenthalts in der Ostschweiz gekauft und will sie nun vermieten.

2500 Franken als Absicherung

Als Daniel Candrian sich bei der Inserentin meldete, verlangte sie eine Kaution: Schon einmal sei sie von England nach St. Gallen gereist, um jemandem die Wohnung zu zeigen. Schliesslich sei der Interessent aber nicht erschienen – das habe sie viel Geld gekostet.

Deshalb wolle sie nun eine Absicherung: Ein Agent der Wohn-Plattform Airbnb soll die Wohnungsbesichtigung übernehmen. Als Beweis dient ein Link auf die echte Airbnb-Seite mit unzähligen rechtlichen Bestimmungen. Candrian werde den Schlüssel per Post erhalten. Dafür soll er aber zwei Wohnungsmieten in der Höhe von 2500 Franken vorab bezahlen.

Keine Wohnung ist frei

Laut der Engländerin geht Daniel kein Risiko ein: Falls ihm die Wohnung nicht gefällt, erhält er sein Geld zurück. Doch Candrian bezahlt nicht.

Stattdessen suchte er den Kontakt zu den Mietern. Dort erfuhr er, dass im besagten Haus an der Stückelbergstrasse keine Wohnung frei sei – auch nicht die Maisonette-Wohnung. Daraufhin meldet er den Fall der Polizei. Laut Candrian konnte diese aber nicht viel unternehmen.

Betrüger sitzen in Afrika oder Asien

Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigt dies: «Eine Rückverfolgung ist schwierig.» Die Betrüger würden eh meistens in Afrika oder auch in Asien sitzen und von dort aus mit verschlüsselten Servern operieren.

«Da sind uns die Hände gebunden, auch, weil die polizeiliche Zusammenarbeit mit diesen Ländern oft schwierig ist», so Rezzoli weiter. Deshalb setze die Kantonspolizei St. Gallen auf Präventionsarbeit. Auch sei es bei Anzeigen sowieso meist zu spät: «Wer bezahlt hat, sieht das Geld nicht wieder.»

Immer gleiche Masche

Laut Felix Schneuwly, Sprecher beim Vergleichsdienst Comparis, ist die Masche immer dieselbe: Angeblich hält sich der Vermieter im Ausland auf. Um den Hausschlüssel per Post zu schicken, verlangt er aber eine Absicherung. Wer bezahlt, hört nie wieder etwas von ihm.

«Die Betrugsfälle häufen sich», so Schneuwly gegenüber dem «Tagblatt». «Wir überprüfen deshalb alle Inserate.» Dort, wo die Miete stark vom ortsüblichen Preis abweiche, frage Comparis nach. Oftmals reiche diese Kontrolle allein nicht aus. Deshalb sei es wichtig, die Konsumenten für solche Betrugsfälle zu sensibilisieren.

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