Aktualisiert 23.09.2011 19:22

Falsch angepacktEngland entsetzt über Kinder im Kampfkäfig

In England sorgt ein Cagefight zwischen einem Acht- und einem Neunjährigen für Empörung. Einseitige Berichterstattung und fehlendes Fingerspitzengefühl der Veranstalter verschärfen die Debatte.

von
P. Toggweiler

Kein MMA-Kampf, sondern Grappling: Der Kampf zwischen zweier Kinder sorgt in England für Aufsehen. Video: (YouTube)

Zwei Knaben bekämpfen sich in einem Käfig. Der erwachsene Ringrichter ist beinahe doppelt so gross wie die beiden Buben. Ebenso das Publikum. Die Bilder schockieren – Kinder gehören nicht ins Set einer klassischen MMA-Kulisse.

Zehn Minuten dauert der Kampf zwischen dem neunjährigen Kian Makinson und dem achtjährigen Lucas Deelay in einem Gemeinschaftszentrum in der 130 000-Einwohner-Stadt Preston im Nordwesten Englands. Die beiden Buben tragen keinerlei Schutzausrüstung.

Von einer «brutalen Schlägerei» berichtet die Bildagentur «Dukas» später. Die «Sun» stösst ins gleich Horn und der «Mirror» schreibt: «Verängstigte Kinder werden vor hunderten schreienden Erwachsenen vorgeführt, die bis zu 25 Pfund dafür bezahlen, zusehen zu dürfen, wie sich die zwei windelweich prügeln». 450 betrunkene Zuschauer wurden gezählt. Ein Experte für Hirnschäden äussert seine Bedenken.

Die Meinung ist gemacht. Mittlerweile untersuchen Behörden, ob die Eltern der beiden Buben gegen ihre Pflichten verstossen haben.

Dass es sich beim Kampf der beiden Knirpse um einen Ringkampf handelte, bei dem Tritte und Schläge verboten waren, wird im allgemeinen Geschrei der Empörung verdrängt. Schulhofzankereien sind nicht anders – oder in der Gesellschaft anerkannte Judokämpfe. Und sie gelten als gute Schule im Umgang mit Aggressionen.

Judokämpfe finden aber in einem anderen Umfeld statt. Halbnackte Nummerngirls, grölende Erwachsene und Wettbüromief gehören nicht zu einem Sportevent mit Kindern.

Damit haben die Veranstalter ihrem Sport im stetigen Kampf um gesellschaftliche Anerkennung einen Bärendienst erwiesen. So sieht das auch MMA-Experte Chris Granet: «Wie im amerikanischen College-Ringen hätten sie einen Kopfschutz tragen sollen. Ein solcher Event hätte tagsüber in einer Turnhalle durchgeführt werden müssen und nicht nachts in einem schäbigen Gemeinschaftszentrum».

Und die beiden Kinder? Keines der beiden wurde verletzt. Tränen kullerten nicht, wie viele Medien schrieben, wegen der Schmerzen, sondern aus Enttäuschung. Genau wie beim Eiskunstlauf – wo Schutzausrüstung auch keine Schlechte Idee wäre.

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