England unter Schock: Auch Briten folterten

Aktualisiert

England unter Schock: Auch Briten folterten

Weltweit sorgten die Folterbilder aus Abu Ghraib für Entrüstung. Nun droht der britischen Armee ein Skandal selben Ausmasses: In einem Militärprozess im deutschen Osnabrück wurden 22 Bilder von britischen Folterern freigegeben.

Neue Aufnahmen von Folterungen irakischer Gefangener durch britische Soldaten bringen die Regierung von Premierminister Tony Blair in Bedrängnis. Die schockierenden Folterfotos wurden am Mittwoch publik.

Mehrere Zeitungen veröffentlichten die Bilder, die an die Folterfotos von US-Soldaten im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib erinnern. Sie sind Teil der Anklage gegen drei britische Soldaten, gegen die gegenwärtig wegen des Verdachts der Misshandlung irakischer Gefangener vor einem Militärgericht auf einem britischen Militärstützpunkt in Osnabrück verhandelt wird.

«Nicht schuldig»

«Schande» und «Schock» lauteten einige der Überschriften der Zeitungen. Auf den Bildern sind nackte Iraker zu sehen sind, die offenbar sexuelle Handlungen simulierten. Auf anderen Fotos werden Gefangene offenkundig geschlagen und misshandelt. Die drei Soldaten haben sich für nicht schuldig erklärt.

Anders als im Fall Abu Ghraib gibt es bislang keine Vorwürfe systematischer Folter bei den britischen Truppen. Dennoch dürften die Bilder zur einem Wutausbruch in der arabischen Welt führen und den Ruf der britischen Armee beschmutzen, schreibt die «Times».

Politisch riskant

Die «Financial Times» sieht aus dem Skandal neue politische Risiken für Blair erwachsen, dessen enge Allianz mit den USA im Irakkrieg bei der Mehrheit der Briten auf Kritik gestossen war. Die Debatte über den Irakkrieg könnte nun wieder angefacht werden und Labour-Wähler gegen die Regierung aufbringen - weniger als vier Monate vor den erwarteten Wahlen in Grossbritannien, hiess es.

Nach der Veröffentlichung der Folterfotos von Abu Ghraib im vergangenen Frühling hatten britische Regierung und Armee immer wieder auf die Professionalität ihrer Truppen im Irak hingewiesen und sich vom aggressiveren Stil der US-Einheiten distanziert.

(sda)

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