Aktualisiert 10.06.2009 23:11

WM-QualifikationEnglands beste Saisonbilanz seit 1966

An der letzten EM fehlte England, das nächste Turnier in Südafrika verpassen die «Three Lions» mit Sicherheit nicht. Nach dem 6:0 gegen Andorra fehlt dem verlustpunktlosen Team von Fabio Capello nur noch ein Heim-Remis gegen die Kroaten.

Die Finnen sind indes endgültig vom WM-Kurs abgekommen. Vor eigenem Anhang unterlagen sie den favorisierten Russen 0:3. Schweden erfüllte wenige Tage nach dem bitteren 0:1 gegen die Dänen gegen das auch nach acht Partien torlose (!) Malta nur die Pflicht (4:0).

Rooney auf der Höhe von Lineker

Im vergangenen September mühte sich England gegen Andora während 49 Minuten erfolglos ab, ehe Joe Cole den Bann gegen die Winzlinge brach. Knapp neun Monate später präsentiert sich alles anders: England hat in sieben Partien 21 Punkte gewonnen. So brillant war die Bilanz letztmals 1966, im Jahr des letzten WM-Titels. Auf der Insel beginnen sie wieder zu träumen. Sogar der Streik der U-Bahn-Betreiber rückte für die begeisterten Fans in den Hintergrund.

Exakt 240 Sekunden benötigte Wayne Rooney im mit 57 000 Anhängern sehr gut besetzten Wembley für das erste Tor. Zehn Minuten nach Frank Lampards 2:0 schoss Rooney das 3:0 (39.) gegen das hoffnungslos überforderte Andorra. Jimmy Greaves, der englische Weltmeister und drittbeste Torschütze der «Three Lions», schmunzelte im Pausen-Interview: «Gegen wen spielt England eigentlich? Andorra? Ich habe in meinem Leben nie eine schlechtere Mannschaft gesehen.»

Rooney brauchte sich nicht mit den Defiziten der Zwerge befassen. Der gegenwärtig beste Skorer der WM-Ausscheidung (9 Tore) hat in dieser Saison eine brillante Marke erreicht. In seinen letzten sieben Einsätze traf der ManU-Stürmer zehnmal. Letztmals erreichte Gary Lineker 1991 im Nationalteam einen gleich guten Wert.

Für einen, den (zu) viele bereits abgeschrieben hatten, verlief der Abend ebenfalls denkwürdig: David Beckham, einst «Captain fantastic», gehörte erstmals seit zwei Jahren wieder zur Startformation. Mit einem Freistoss bereitete der 112-fache Internationale den zweiten Treffer von Jermain Defoe (5:0) vor. In Südafrika ist im nächsten Jahr nicht nur in den Bars mit «Becks» zu rechnen.

Russlands Demonstration

Finnland hat in Helsinki mutmasslich die entscheidende Niederlage der WM-Kampagne erlitten. Die Equipe mit dem FCZ-Captain Hannu Tihinen in der Innenabwehr wurde von Russland beim 0:3 regelrecht gedemütigt. Derweil sich die Osteuropäer dem topklassierten EM-Finalisten Deutschland bis auf einen Punkt näherten, wird sich «Suomi» nur noch in der Theorie mit einem Barrage-Platz befassen. Im Oktober steht der DFB-Auswahl in Moskau zweifelsfrei ein «heisser» Tanz bevor.

Für die Doublette des Abends sorgte Alexander Kerschakow. Vor dem kursweisenden 1:0 profitierte der 26-jährige Stürmer von Dynamo Moskau von der exzellenten Vorarbeit des Arsenal-Stars Andrej Arschawin. In der 53. Minute schob er einen Abpraller des finnischen Keepers ein. Und als die Finnen ihre Bemühungen in der Offensive spürbar verstärkten, schlugen die Russen im Konter-Stil ein drittes Mal nervenstark zu.

Ex-FCB-Abwehrchef Majstorovic traf

Die fatale 0:1-Heimniederlage gegen Dänemark hinterliess beim schwedischen Team Spuren. In der ersten Viertelstunde gerieten die Nordländer (mit FCB-Verteidiger Safari in der Startformation) selbst gegen harmlosen Tabellenletzten Malta zweimal in Bedrängnis. Kim Källström löste die allgemeine Blockade erst in der 22. Minute mit dem 1:0. In der Folge fand der Aussenseiter praktisch nur noch in der eigenen Platzhälfte statt.

Unmittelbar nach der Pause erhöhten die Gastgeber innerhalb von sechs Minuten auf 4:0. Unter die Torschützen reihte sich auch Daniel Majstorovic. Der frühere FCB-Abwehrchef, der inzwischen bei AEK Athen auf der Lohnliste steht, verwertete einen Cornerball Källströms mit dem Kopf (52.).

An der aus schwedischer Sicht prekären WM-Ausgangslage hat sich trotz erfüllter Pflicht indes wenig verändert. Das Handicap gegenüber dem zweitplatzierten Ungarn umfasst vier Punkte. Im kommenden September ist ein Erfolg in Budapest unumgänglich, ansonsten wird Lagerbäcks Equipe erstmals seit der Jahrtausendwende an einem EM- oder WM-Turnier nicht vertreten sein.

Ukraine bedrängt Kroatien weiter

Mit dem Selbstvertrauen des respektablen 2:2-Remis in Zagreb vermied die Ukraine in der Gruppe 6 in Kiew gegen den Vorletzten Kasachstan trotz eines Fehlstarts einen Punktverlust. Ohne ihren Captain Schewtschenko und Abwehrchef Kutscher von UEFA-Cupsieger Schachtjor handelten sich die Gastgeber in der 19. einen 0:1-Rückstand ein, als Nusserbajew alle überraschte. Die Korrektur erzwang Sergej Nasarenko im Alleingang. Zunächst zirkelte der Professional von Dnjepropetrowsk einen Freistoss ins Tor, ehe er in der zweiten Hälfte das 2:1 markierte. Dank dem Sieg hat die ehemalige Sowjet-Republik nun gleich viele Punkte wie Kroatien vorzuweisen.

Hollands Bestätigung

Holland bestätigte die früheste WM-Qualifikation aller europäischen Teams mit einem weiteren Sieg. Vier Tage nach dem 2:1 auf Island, mit dem die «Elftal» von Bert van Maarwijk das Ticket für Südafrika löste, kamen die Holländer in Rotterdam gegen das letztklassierte Norwegen (2:0) zum siebten Erfolg im siebten Auftritt. Der zum PSV Eindhoven zurückkehrende Blackburn-Verteidiger Andre Ooijer und Real Madrids Arjen Robben aus spitzem Winkel sorgten bis zur 51. Minute für klare Verhältnisse.

WM-Qualifikation

Gruppe 1:

Schweden - Malta 4:0 (1:0)

Ullevi, Göteborg.

Tore: 22. Källström 1:0. 52. Majstorovic 2:0. 56. Ibrahimovic 3:0. 58. Berg 4:0.

Bemerkungen: Schweden mit Safari (Basel).

Rangliste: 1. Dänemark 6/16. 2. Ungarn 6/13. 3. Portugal 6/9 (8:4). 4. Schweden 6/9 (6:2). 5. Albanien 8/6. 6. Malta 8/1.

Gruppe 4:

Finnland - Russland 0:3 (0:1)

Olympiastadion, Helsinki.

Tore: 26. Kerschakow 0:1. 53. Kerschakow 0:2. 71. Syrjanow 0:3.

Bemerkungen: Finnland mit Tihinen (FCZ), ohne Lampi (FCZ) Ersatz. 40. Tihinen verwarnt.

Rangliste: 1. Deutschland 6/16. 2. Russland 6/15. 3. Finnland 6/10. 4. Wales 7/9. 5. Aserbaidschan 5/1. 6. Liechtenstein 6/1.

Gruppe 6:

Ukraine - Kasachstan 2:1 (1:1)

Kiew.

Tore: 19. Nusserbajew 0:1. 33. Nasarenko 1:1. 47. Nasarenko 2:1.

England - Andorra 6:0 (3:0)

Wembley, London. - 57 897 Zuschauer.

Tore: 4. Rooney 1:0. 29. Lampard 2:0. 39. Rooney 3:0. 73. Defoe 4:0. 75. Defoe 5:0. 80. Crouch 6:0.

Rangliste: 1. England 7/21. 2. Kroatien 6/11 (12:6). 3. Ukraine 6/11 (9:6). 4. Weissrussland 5/9. 5. Kasachstan 7/3. 6. Andorra 7/0.

Gruppe 7:

Färöer - Serbien 0:2 (0:1)

Torshavn.

43. Jovanovic 0:1. 61. Subotic 0:2.

Rangliste: 1. Serbien 7/18. 2. Frankreich 5/10. 3. Litauen 7/9. 4. Österreich 6/7 (7:9). 5. Rumänien 6/7 (7:10). 6. Färöer 5/1.

Gruppe 9:

Mazedonien - Island 2:0 (1:0)

Nationalstadion, Skopje.

Tore: 9. Stojkov 1:0. 85. Ivanovski 2:0.

Holland - Norwegen 2:0 (1:0)

De Kuip, Rotterdam. - 45 000 Zuschauer.

Tore: 32. Ooijer 1:0. 51. Robben 2:0.

Rangliste: 1. Holland 7/21. 2. Schottland 5/7. 3. Mazedonien 6/7. 4. Island 7/4. 5. Norwegen 5/3.

Testspiele:

Italien - Neuseeland 4:3 (1:2)

Pretoria.

Tore: 13. Smeltz 0:1. 33. Gilardino 1:1. 42. Killen 1:2. 48. Gilardino 2:2. 55. Killen (Foulpenalty) 2:3. 68. Iaquinta 3:3. 73. Iaquinta 4:3.

Estland - Portugal 0:0

Le Coq Arena, Tallinn.

Bemerkung: 120. und letztes Länderspiel von Estlands Goalie Mart Poom (37, ex-Wil).

(si)

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