Modern Talking: Englisch soll Landessprache light werden
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Modern TalkingEnglisch soll Landessprache light werden

Zuckerbrot und Peitsche für Expats: FDP-Mann Fathi Derder will, dass sie auf Englisch mit den Behörden verkehren dürfen – dafür aber lernen müssen, ein Weggli in einer Landessprache zu bestellen.

von
S. Hehli
FDP-Nationalrat Fathi Derder sieht Englisch als Bereicherung für die Schweizer Tradition der Vielsprachigkeit - nicht als Konkurrenz für die Landessprachen.

FDP-Nationalrat Fathi Derder sieht Englisch als Bereicherung für die Schweizer Tradition der Vielsprachigkeit - nicht als Konkurrenz für die Landessprachen.

An den Unis, in der Geschäftswelt, in der Eishockey-Nati: Überall in der Schweiz sei Englisch auf dem Vormarsch, stellt FDP-Nationalrat Fathi Derder fest. Er möchte der Weltsprache daher auch rechtlich den Platz einräumen, den sie in der Gesellschaft schon hat – und sie zu einer halboffiziellen Amtssprache machen. Einen entsprechenden Vorstoss hat Derder letzte Woche während der Sommersession eingereicht.

Es gebe zwar bereits viele offizielle Dokumente auf Englisch, sagt der Waadtländer. Aber es gehe ihm auch um ein Zeichen: «Expats sollen hierzulande das Recht haben, auf Englisch mit den Behörden zu kommunizieren, etwa mit der Gemeindeverwaltung.» Es gehe nicht darum, Englisch zur fünften Landessprache aufzuwerten, betont Derder. Die Schweiz dürfe aber auch nicht wie Frankreich oder Deutschland in einer Abwehrhaltung gegenüber der Weltsprache verharren: Das wäre gefährlich für Wirtschaft und Wissenschaft. «Wir müssen Englisch als Bereicherung unserer Tradition der Vielsprachigkeit sehen.»

«Überflüssiges Bundesdiktat»

Martin Naville von der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer begrüsst Derders Vorstoss – gerade aus der Sicht der international mobilen Führungskräfte. «Die Schweiz soll auch jene willkommen heissen, die gar nicht integriert werden können, weil sie nur ein paar Jahre hier leben.»

Hannes Germann, SVP-Ständerat und Präsident des Gemeindeverbandes, hält hingegen ein «Bundesdiktat» für überflüssig: «Unsere Gemeindebehörden sind sowieso dienstleistungsorientiert und bemühen sich, auch englischsprachige Kunden gut zu bedienen.» So hat zum Beispiel die Stadt Zug als eine der führenden Expat-Gemeinden einen englischsprachigen Internetauftritt.

Hat Englisch überhaupt Förderung nötig?

Derder will die englischsprachigen Einwanderer aber nicht nur hätscheln, sondern sie auch zur Integration zwingen: Im selben Vorstoss verlangt der Liberale, dass jeder, der eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz will, eine Landessprache beherrschen muss. Einen Widerspruch erkennt er darin nicht, für ihn gehören die Forderungen zusammen. Allzu streng will er bei der Sprachkompetenz nicht sein – und auch keine «Sprachpolizei» losschicken: «Es geht mir darum, dass ein Zuzüger wenigstens in der Bäckerei ein Brot bestellen kann. Hat er ein juristisches Problem mit den Behörden, soll er das dennoch auf Englisch regeln dürfen.»

Für Matthias Aebischer ist es ein «Rätsel, wie Derder die beiden Forderungen koppeln kann». Der SP-Nationalrat findet ebenfalls, dass Immigranten möglichst rasch eine Landessprache lernen sollten. Gegen das Anliegen, die englische Sprache zusätzlich zu fördern, wehrt er sich jedoch: «Englisch ist auch so schon dominant genug.» Er verweist darauf, dass in Zürich oder in der Ostschweiz Englisch das Französische als erste Fremdsprache abgelöst hat. Das tue ihm als Berner weh. «Für den Zusammenhalt des Landes müssen wir unsere eigene Sprachenvielfalt pflegen.»

Sprache eine «Frage des Stellenbeschriebs»

Noch vernichtender ist die Reaktion von Derders FDP-Parteikollegen Christian Wasserfallen, dem Präsidenten der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Er hält den Aufwand für viel zu gross, die Behörden beim Bund, in Kantonen und Gemeinden generell auf Englischtauglichkeit zu trimmen. In Bezug auf die zweite Forderung sagt Wasserfallen, die Sprachkompetenz der ausländischen Angestellten sei eine Frage des Stellenbeschriebs: «Für Jobs in einem international tätigen Konzern oder als Erntehelfer muss man nicht zwingend eine Landessprache beherrschen.»

Auch die beiden CVP-Nationalrätinnen Kathy Riklin und Elisabeth Schneider-Schneiter, die ebenfalls in der WBK sitzen, reagieren skeptisch auf Derders Vorstoss. Der rhetorisch beschlagene frühere TV-Moderator wirft die Flinte aber noch nicht ins Korn: «Ich muss einfach noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten.»

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