Zucht mit Folgen: Englische Bulldoggen sind kränker als alle anderen Hunderassen
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QualzuchtEnglische Bulldoggen sind kränker als alle anderen Hunderassen

Für ihr Aussehen zahlen Englische Bulldoggen einen hohen gesundheitlichen Preis. Wie hoch dieser ist, haben Forschende nun erstmals nachgewiesen.

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Die Englische Bulldogge gehört in ihrem Heimatland zu den beliebtesten Hunderassen. (Im Bild: Englische Bulldogge bei dem Event «Bark in the Park», 2021) 

Die Englische Bulldogge gehört in ihrem Heimatland zu den beliebtesten Hunderassen. (Im Bild: Englische Bulldogge bei dem Event «Bark in the Park», 2021) 

USA TODAY Sports
Mit ein Grund dafür sind unter anderem ihre platte Schnauze und ihr kräftiger, gedrungener Körper.

Mit ein Grund dafür sind unter anderem ihre platte Schnauze und ihr kräftiger, gedrungener Körper.

Wikimedia Commons/Pleple2000/CC BY-SA 3.0
Doch für ihr angezüchtetes Aussehen zahlen die Tiere einen hohen Preis. 

Doch für ihr angezüchtetes Aussehen zahlen die Tiere einen hohen Preis. 

Pexels

Darum gehts

Die Englische Bulldogge mit ihrer platten Schnauze und ihrem kräftigen, gedrungenen Körper gehört in ihrem Heimatland zu den beliebtesten Hunderassen. Ihr typischer Körperbau bereitet ihr allerdings eine Reihe gesundheitlicher Probleme, wie britische Forschende in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie schreiben.

Englische Bulldoggen erkranken demnach deutlich öfter als andere Rassen. Augen- und Hautentzündungen, Atemwegsprobleme und Zysten sind nur ein paar der Leiden, die die gedrungene Hunderasse deutlich häufiger treffen.

Erkranken doppelt so oft wie andere Rassen

Dan G. O’Neill vom Royal Veterinary College in London wertete für die Studie im Fachjournal «Canine Medecine and Genetics» mit Kollegen eine Statistik aus dem Jahr 2016 über die Tierarztbehandlungen von mehr als 24’000 Hunden aus, darunter mehr als 2000 Englische Bulldoggen. Demnach erkranken Englische Bulldoggen doppelt so oft wie andere Hunde.

Die Beschaffenheit ihres Fells begünstigt der Studie zufolge Hautkrankheiten. Ihre Triefaugen entzünden sich leicht und die flache Schnauze begünstigt Atemwegsleiden. Und wegen ihrer kräftigen Muskulatur entwickeln Englische Bulldoggen schnell Zysten zwischen den Zehen. Abgesehen davon erschwert ihr Körperbau den Weibchen das Gebären von Jungen, häufig ist ein Kaiserschnitt nötig.

Zuchtkriterien müssen geändert werden

Diese Probleme bei Englischen Bulldoggen sind nicht neu. In der nun veröffentlichten Studie werden die diversen Leiden aber erstmals quantifiziert. Die Studienautoren führen die vielen gesundheitlichen Probleme auf die extreme Fixierung der Züchter auf typische Rassemerkmale der Englischen Bulldogge zurück. Diese Kriterien müssten dringend geändert werden, «um zu verhindern, dass Grossbritannien auf die wachsende Liste derjenigen Länder kommt, in denen die Zucht von Englischen Bulldoggen verboten ist».

Bislang erfreut sich die Rasse im Vereinigten Königreich grosser Beliebtheit. 2020 belegte sie Platz vier bei der Registrierung von Hunden beim Züchterverband Kennel Club. Auch in Deutschland werden Englische Bulldoggen gezüchtet.

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Der Basset Hound, eine britische Rasse, ist da schon besser wieder zu erkennen. Doch auch er hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und auch das nicht unbedingt zum Guten. 

Der Basset Hound, eine britische Rasse, ist da schon besser wieder zu erkennen. Doch auch er hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und auch das nicht unbedingt zum Guten. 

Dogs of all nations/Caen Elegans
So wurde er durch Züchtung regelrecht tiefer gelegt, was auch zu Veränderungen an den Hinterbeinen geführt hat. Zudem machen ihm überschüssige Haut, Wirbelprobleme, triefende Augen und übergrosse Ohren zu schaffen. Sie verhindern, dass der Jagdhund ohne Probleme seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: Dem Laufen. 

So wurde er durch Züchtung regelrecht tiefer gelegt, was auch zu Veränderungen an den Hinterbeinen geführt hat. Zudem machen ihm überschüssige Haut, Wirbelprobleme, triefende Augen und übergrosse Ohren zu schaffen. Sie verhindern, dass der Jagdhund ohne Probleme seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: Dem Laufen. 

Getty Images/iStockphoto
So sah der Deutsche Boxer noch Anfang des letzten Jahrhunderts aus. Heute ist sein Äusseres anders. 

So sah der Deutsche Boxer noch Anfang des letzten Jahrhunderts aus. Heute ist sein Äusseres anders. 

Dogs of all nations/Caen Elegans

Qualzucht auch bei Cavalier King Charles Spaniels

In einer im Jahr 2021 veröffentlichten Studie kam ein schwedisches Forschungsteam zu dem Schluss, dass die für ihre grossen Kulleraugen und flauschigen Schlappohren beliebten Cavalier King Charles Spaniels die Hunderasse mit den meisten schädlichen Genmutationen darstellen (siehe Bildstrecke unten). Ein Umstand, der ebenfalls auf die Zucht zurückzuführen ist.  

In Norwegen werden die durch die Zucht heraufbeschworenen Probleme als so gravierend eingestuft, dass dort seit Februar 2022 die selektive Zucht der beiden Hunderassen verboten ist, weil sie gegen Paragraf 25 des norwegischen Tierschutzgesetzes verstösst. Dieser besagt, dass die Zucht nur Eigenschaften fördern soll, die robusten Tieren eine gute Funktion und Gesundheit verleihen. Verhindert werden soll dagegen, dass die körperlichen oder geistigen Funktionen beeinträchtigt oder solche Erbanlagen fortgeführt werden. Auch die Fähigkeit der Tiere, sich an natürlichen Verhaltensweisen zu beteiligen, darf nicht eingeschränkt werden.

Bei der selektiven Zucht, werden dagegen Hunde verpaart, die beide die problematischen Merkmale und Beschwerden an ihre Nachkommen weitergeben.  In Norwegen weiterhin erlaubt ist die seriöse Zucht der beiden Rassen.

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So tragen sie mehr krankheitsverursachende Genmutationen in sich als andere Hunderassen, wie Forschende aus Schweden nachgewiesen haben.

So tragen sie mehr krankheitsverursachende Genmutationen in sich als andere Hunderassen, wie Forschende aus Schweden nachgewiesen haben.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD
Die Hunde haben damit beispielsweise ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Herzerkrankung, die sogenannte myxomatöse Mitralklappenerkrankung, kurz MMVD.

Die Hunde haben damit beispielsweise ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Herzerkrankung, die sogenannte myxomatöse Mitralklappenerkrankung, kurz MMVD.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD
Zudem werden sie häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen beim Tierarzt vorstellig.

Zudem werden sie häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen beim Tierarzt vorstellig.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD

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