Bezirksgericht: Enkel verjubelt Grosis Sparbatzen
Aktualisiert

BezirksgerichtEnkel verjubelt Grosis Sparbatzen

Um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, hat ein Zürcher Bankangestellter das Konto seiner betagten Horgner Grossmutter geplündert. Er zweigte über 122 000 Franken für sich ab. Das Grosi weiss davon bis heute nichts.

von
Attila Szenogrady

Der heute 31-jährige Bankangestellte schämte sich am Freitag vor Gericht in Grund und Boden. Der geständige Angeklagte wurde im Februar 2006 von der Vormundschaftsbehörde Horgen als Beistand seiner 1920 geborenen Grossmutter ernannt. Keine fünf Monate später begann der Enkel das Bankkonto der pflegebedürftigen und ahnungslosen Seniorin regelmässig zu plündern.

Grosis Sparbatzen verjubelt

Zwischen Juli 2006 und Mai 2008 zweigte der Angeklagte über 122 000 Franken für seinen aufwendigen Lebensstil ab und verjubelte Grosis Sparbatzen im Zürcher Nachtleben. Als im Frühling 2008 die Vormundschaftsbehörde vom Täter einen Rechenschaftsbericht über die Vermögensführung für das Mündel verlangte, wurde es für ihn eng. Er erstattete schliesslich Selbstanzeige und legte ein umfassendes Geständnis ab. Als die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl im letzten November Anklage wegen mehrfacher Veruntreuung sowie Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen erhob, war die geschädigte Rentnerin nicht mehr am Leben. Sie war bereits am 23. Oktober verstorben. Ohne etwas über die Delikte zu wissen, wie der reumütige Enkel am Rande der Verhandlung versicherte.

Bedingte Freiheitsstrafe

Vor Gericht war nur noch das Strafmass ein Thema. Die Staatsanwaltschaft verlangte für den vorbestraften Schweizer eine teilbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 50 Franken sowie 400 Franken Busse. Die Hälfte der Sanktion sollte der Angeklagte bezahlen.

Das Gericht setzte aufgrund des nicht mehr leichten Verschuldens eine deutlich höhere Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 50 Franken sowie 300 Franken Busse fest. Allerdings setzte es im Sinne einer letzten Chance die gesamten 18 000 Franken zur Bewährung aus. Bei einer Probezeit von vier Jahren. Für diesen Zeitraum erteilten die Richter dem psychisch angeschlagenen Bänker die Weisung, eine ambulante Psychotherapie zu besuchen. Die finanziellen Forderungen der Horgner Behörden verwies das Gericht auf den Weg des Zivilprozesses.

Deine Meinung