Aktualisiert 08.09.2009 14:52

14 Monate unbedingtEnkeltrickbetrüger macht Rechnung ohne Grosi

Ein Enkeltrickbetrüger wollte eine 88-jährige Zürcherin um 55 000 Franken prellen. Er geriet an die falsche Adresse und muss nun für 14 Monate hinter Gitter.

von
Attila Szenogrady

Seit dem letzten April hat die Stadt Zürich eine betagte Heldin. Die Rede ist von einer rüstigen Seniorin aus dem Zürcher Seefeld. Die 88-jährige Ex-Krankenschwester hat die fiesen Methoden von Enkeltrickbetrügern durchschaut und einen der Gauner in eine Polizeifalle gelockt.

55 000 Franken verlangt

Der Vorfall passierte am vergangenen 22. April. Damals erhielt die 1921 geborene Zürcher Seniorin einen Anruf aus Deutschland. Es meldete sich ein angeblicher Verwandter namens Werner. Obwohl die Geschädigte bemerkte, dass es nicht Werners Stimme war, führte sie das Gespräch fort. Dabei erklärte der angebliche Sohn einer nahen Freundin, dass er für den Kauf einer Zürcher Eigentumswohnung dringend 55 000 Franken benötige. Werner führte aus, dass er jemanden vorbei schicken werde, um das Geld abzuholen. Als Treffpunkt sollte eine Lebensmittel-Filiale an der Seefeldstrasse dienen.

Papierschnitzel und Polizei

Die Rentnerin ging scheinbar auf den Vorschlag ein, schaltete aber nach dem Anruf sogleich die Stadtpolizei Zürich ein. Dieser war klar, dass einmal mehr die Bande der Enkeltrickbetrüger am Werk war. Zusammen mit der betagten Dame lockten die Polizeibeamten einen Läufer der Organisation in eine Falle. So erschien die Geschädigte am vereinbarten Übergabeort. Mit einem mit Papierschnitzeln gefüllten Umschlag. Tatsächlich erschien der Bote und riss das Couvert an sich. Kurz drauf wurde er von der Polizei festgenommen.

Geständig, aber schweigsam

Am Dienstag musste sich der 32-jährige Hausierer aus Polen wegen versuchten Betrugs vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Bei einem Schuldspruch musste der Angehörige der Volksgruppe der Roma mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten rechnen. Acht Monate davon sollte er absitzen.

Der Angeklagte zeigte sich zwar geständig, verstand es aber geschickt, sich als kleinen Fisch zu verkaufen. So habe er für eine in Aussicht gestellte Entlöhnung von 500 Euro bloss einen Botendienst durchführen wollen, sagte er. Gegen ihn sprach die Tatsache, dass er bereits vor vier Jahren in Deutschland wegen eines Enkeltrickbetruges eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten kassiert hatte.

Verteidiger für Milde

Der Verteidiger bezeichnete seinen Klienten als mausarmen und einfältigen Läufer, für den eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten sowie eine sofortige Haftentlassung angemessen wären. Der Anwalt ging nur von einer Gehilfenschaft aus und stufte den Tatbeitrag des mittellosen Familienvaters als untergeordnet ein. Der Angeklagte wolle bloss wieder nach Hause zu seiner Familie, plädierte er.

Wegen Rückfall 14 Monate unbedingt

Das Gericht folgte bei der rechtlichen Würdigung der Verteidigung und sah eine direkte Mittäterschaft des Angeklagten mangels Beweisen als nicht erwiesen an und trat auf diesen Vorwurf nicht einmal ein. Hingegen sprachen die Richter den grundsätzlich geständigen Täter wegen Gehilfenschaft zu einem versuchten Betrug schuldig. Dafür wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Wegen des Rückfalls kam für die Richter nur noch der unbedingte Strafvollzug in Frage. Pikanterweise überschritt das Gericht damit den Antrag der Staatsanwaltschaft. Im Gerichtssaal war auch die 88-jährige Seniorin anwesend. Allerdings enthielt sie sich jeglichen Kommentars.

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