«Binz bleibt Binz»: Enorme Schäden nach Krawallen in Zürich
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«Binz bleibt Binz»Enorme Schäden nach Krawallen in Zürich

Eine Kundgebung für das besetzte Binz-Areal in der Stadt Zürich ist am späten Samstagabend eskaliert. Demonstranten lieferten sich Scharmützel mit der Polizei und hinterliessen eine Spur der Verwüstung.

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rme/jbu

In der Stadt Zürich haben sich in der Nacht auf Sonntag randalierende Demonstranten und die Polizei Scharmützel geliefert. Zu diesen kamen es im Rahmen einer Kundgebung für das seit 2006 besetzte Fabrikgebäude auf dem Binz-Areal, dem Ende Mai die Räumung droht.

Nach Angaben der Polizei formierte sich kurz nach 23 Uhr beim Binzareal an der Uetlibergstrasse ein unbewilligter Demonstrationszug, der weit über tausend Personen umfasste. Darunter befanden sich gemäss der Mitteilung auch Linksautonome und Personen aus der Hausbesetzerszene.

Alles begann mit einer Party

Die Leute hatten sich aufgrund eines Partyaufrufes unter Gleichgesinnten im besetzten Binzareal besammelt.«Deshalb kamen wahrscheinlich auch so viele Leute», mutmasst eine Leser-Reporterin. Etwa um 23 Uhr seien alle nach draussen geschickt und zur Demo gebeten worden. Es habe geheissen, man kehre später vermutlich wieder ins Areal zurück. «Der grosse Teil der Leute wollte einfach Party machen und ist nicht bewusst für die Binz auf die Stasse gegangen», so die Leser-Reporterin.

Der Demonstrationszug setzte sich stadteinwärts in Bewegung, wo die Situation nach und nach eskalierte – obwohl die Kundgebung zunächst friedlich verlaufen war, wie eine Leser-Reporterin beteuerte. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, wie die Demonstranten zu Musik und mit Feuerwerk tanzen und feiern. «Wir drehen das Volumen auf, damit man uns nicht überhören kann», liessen die Organisatoren der Kundgebung mittels Communiqué wissen. Sie forderten «physischen Raum und Akzeptanz für unser Engagement, unsere Kreativität und unsere Anliegen.»

Fenster eingeschlagen und Geschäfte geplündert

Von «Kreativität» konnte aber bald keine Rede mehr sein. Die Regionalwache Wiedikon und diverse umliegende Gebäude wurden durch Schmierereien und eingeschlagene Fensterscheiben massiv beschädigt.

Die Polizei setzte Gummischrot, Reizstoff und Wasserwerfer ein. Trotzdem konnte sie den wütenden Mob nicht aufhalten – er zog weiter in Richtung Langstrasse, wo Chaoten Container und Autos in Brand steckten. Auch mehrere Einsatzfahrzeuge wurden massiv beschädigt und Geschäfte geplündert. So wurde bei einer Coop-Filiale die Tür eingeschlagen, worauf Demonstranten Alkohol und Zigaretten stahlen.

Erst gegen 2 Uhr zog sich «die immer noch mehrere hundert Personen umfassende und sehr aggressive Menschenmenge» ins Binzareal zurück, wie die Polizei schreibt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist gemäss ersten Schätzungen ein Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken entstanden. Verhaftet wurde niemand, wie es bei der Stadtpolizei auf Anfrage hiess. Auch Berichte über Verletzte liegen bislang keine vor.

«Mitgegangen, mitgehangen»

Der Stadtzürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) verurteilte die Ausschreitungen in aller Schärfe. «Dieser Gewalt- und Zerstörungszug durch Wiedikon und den Kreis 4 kann nur als kriminell bezeichnet werden», wird Leupi in einer Mitteilung des Polizeidepartements zitiert.

Offenbar sei die Gewalt von einer relativ kleinen Kerngruppe ausgegangen. Bedenklich sei aber, dass die grosse Zahl der Mitläufer sich nicht deutlich von der Gewalt distanziert habe. «Hier gilt klar der Grundsatz: Mitgegangen, mitgehangen.» Die Binz-Aktivisten hätten sich mit dieser nächtlichen Gewalteskalation «mehr als diskreditiert», betonte Leupi.

Organisatoren: Die Polizei hat angefangen

Die Organisatoren der Demonstration hingegen beschuldigen die Polizei, mit der Gewalteskalation begonnen zu haben. «Der festliche Umzug verlief fröhlich, bis zu dem moment, in dem die Polizei ohne Vorwarnung mit übermässigem Tränengas- und Gumischroteinsatz die Menge von tausenden feiernden Menschen in Panik versetzte», schreibt die Gruppe «Raumpflege» in einem Statement. Eine Person habe durch den Wasserwerfereinsatz schwerste Verletzungen an den Augen erlitten.

Die Polizeiangriffe hätten Zorn und Wut geweckt, und der massive Tränengaseinsatz gegen 3000 Menschen habe einen weiteren festlichen Ablauf verunmöglicht und stattdessen ein Chaos verursacht.

(Video: Youtube.com/wwwlive1tv)

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