Aktualisiert 10.10.2016 18:03

St. GallenEntenmagen hilft gegen den Kater

Die Stiftsbibliothek St.Gallen zeigt derzeit eine Ausstellung über Medizin im Mittelalter. Darunter gibt es allerhand Kurioses und überraschende Heilmittel.

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luh/sda
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Die Stiftsbibliothek in St.Gallen ist die älteste Bibliothek der Schweiz...

Die Stiftsbibliothek in St.Gallen ist die älteste Bibliothek der Schweiz...

Stiftsbibliothek St.Gallen
...und hat einen einmaligen Buchbestand.

...und hat einen einmaligen Buchbestand.

Stiftsbibliothek St.Gallen
Zur Zeit zeigt die Stiftsbibliothek die Ausstellung «Abracadabra-Medizin im Mittelalter».

Zur Zeit zeigt die Stiftsbibliothek die Ausstellung «Abracadabra-Medizin im Mittelalter».

Stiftsbibliothek St.Gallen

«Tauch einen Entenmagen in Salz und Vipernpulver und deck ihn zu mit einem getoasteten Brot, und menge viel Pfefferpulver dazu – damit nimmst du ein göttliches Geschenk zu dir», so heisst es einem mittelalterlichen Rezept. Es erklärt, was man gegen Magenbeschwerden oder zur Kater-Bekämpfung machen kann.

Nebst diesem Alltagsrezept gibt es zurzeit in der Stiftsbibliothek in St. Gallen noch viele andere Kuriositäten der mittelalterlichen Medizin zu bestaunen. Dies im Rahmen der Ausstellung «Abracadabra – Medizin im Mittelalter», die sich mit der Entwicklung von Medizin und Krankensorge von etwa 500 bis 1500 befasst.

Irland hilft gegen alles Giftige

Der Glaube an die magischen Kräfte war für die Menschen im Mittelalter ein natürlicher Teil ihrer Welt. Da die Wirksamkeit der Therapien beschränkt war, waren Kranke für allerhand

magische Praktiken und Wunderheilungen empfänglich, erklärt Stiftsbibliothekar Cornel Dora. So etwa der angelsächsische Mönch Beda Venerabilis. In einer Schrift heisst es, dass Wasser, das mit Blättern irischer Bücher versetzt war, gegen Schlangenbisse helfen soll. «Irland galt allgemein als gesunder und paradiesischer Ort», so Dora.

Ein weiteres Beispiel zeigt die Heilung von Malaria. «Abracadabra ist ursprünglich kein Zauberwort aus einem Märchen, sondern sollte vielmehr gegen Malaria helfen», so Dora. Das Rezept schreibt vor, Abracadabra elf Mal untereinander aufzuschreiben, mit je einem Buchstaben weniger pro Zeile, so dass zum Schluss nur noch ein «A» übrig bleibt. Dieses Schriftstück müsse man sich dann als Amulett um den Hals hängen. So soll man geheilt werden.

Der schwangere Herzog

Eine wichtige Figur in der frühmittelalterlichen Medizin war laut Dora der St. Galler Mönch Notker. Dieser nahm auch gerne einmal einen Herzog aufs Korn, wie eine Handschrift zeigt. Um Notker zu testen, gab der Herzog dem Gelehrten eine Urinprobe seiner Kammerjungfer statt des seinigen. Darauf hin teilte Notker vor versammeltem Publikum mit, dass der Herzog schwanger sei. Tatsächlich war dann die vermeintliche Jungfrau schwanger und der Herzog peinlich berührt.

Neben den magischen Einflüssen galt der Aderlass als weit verbreitetes Heilverfahren im Mittelalter. Beim Aderlass wurde dem Patienten teilweise eine grosse Menge Blut entnommen.

Die Ausstellung «Abracadabra – Medizin im Mittelalter» dauert noch bis am 6. November.

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