Nigeria: Entführte Schülerinnen entdeckt
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NigeriaEntführte Schülerinnen entdeckt

Das nigerianische Militär hat die knapp 300 im April entführten Schülerinnen entdeckt, kann sie aber nicht mit Gewalt befreien.

Gut sechs Wochen nach der Verschleppung von fast 300 Schülerinnen in Nigeria hat das Militär nach eigenen Angaben ihren Aufenthaltsort herausgefunden. Allerdings könnten die Truppen die Mädchen nicht mit Gewalt befreien, sagte Armeechef Alex Badeh am Montag vor Demonstranten. Ansonsten sei das Leben der Geiseln in Gefahr. Wo das Militär sie gefunden haben will, wollte er nicht mitteilen.

Die Mädchen waren am 15. April aus ihrer Schule in der abgelegenen Stadt Chibok im Nordosten Nigerias entführt worden. Laut der Polizei konnten sich 53 von ihnen auf eigene Faust befreien, 276 sind noch immer in der Gewalt ihrer Kidnapper. Zu der Tat bekannte sich die radikalislamische Gruppe Boko Haram.

Solidaritätsmarsch für entführte Mädchen

Generalmarschall Badeh zeigte sich zuversichtlich, dass seine Truppen die Schülerinnen retten könnten. Zugleich sagte er einschränkend: «Wir können nicht einfach da rein und unsere Mädchen bei dem Versuch, sie zurückzubringen, töten.» Badeh äusserte sich in Abuja vor Tausenden Demonstranten. Sie hatten an einem Solidaritätsmarsch für die vielfach kritisierte Armee teilgenommen. Viele von ihnen wurden mit Bussen dorthingebracht, was denVerdacht nahelegte, dass es sich um eine orchestrierte Kundgebung handelte.

Das bisherige militärische Versagen bei der Fahndung nach den Geiseln hat weit über die Grenzen Nigerias hinaus für Empörung gesorgt. Die Regierung von Präsident Goodluck Jonathan musste kürzlich schliesslich internationale Hilfe annehmen. Seitdem sind US-Flugzeuge in die Suche involviert. Grossbritannien, Frankreich, Israel und andere Länder entsandten Experten, die die Truppen vor Ort bei der Überwachung und bei Verhandlungen mit Geiselnehmern unterstützen sollen.

Uwilligkeit der Regierung

Jonathans wochenlanges Zögern, internationale Hilfe anzunehmen, sehen viele als Zeichen der Unwilligkeit der Regierung, Aussenstehende einen Einblick in die als äusserst korrupt geltende Armee zu gewähren. So klagten Soldaten im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP über unzureichende Besoldung. Sie würden zudem ohne Vorräte in gefährliches Terrain geschickt. Die Extremisten von Boko Haram seien überdies besser ausgerüstet als die Truppen, erklärten die Soldaten.

Einige erhoben auch schwere Vorwürfe gegen die Armeeführung. Etliche Offiziere würden sich am Militärbudget bereichern und hätten daher kein Interesse daran, den seit fünf Jahre andauernden Aufstand der Boko Haram mit Tausenden Todesopfern zu stoppen.

Armeechef Badeh verbat sich in seiner Rede vor denDemonstranten jedoch Kritik an den Streitkräften. «Niemand sollte daherkommen und sagen, dass das nigerianische Militär nicht weiss, was es tut. Wir wissen, was wir tun.» (sda)

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