Aktualisiert 18.05.2016 14:59

Nigeria

Entführte Schulmädchen offenbar am Leben

Erstmals seit zwei Jahren zeigt die Terrormiliz Boko Haram die gefangenen Mädchen in einem Video. Aber sind die Aufnahmen echt?

von
wig.
Jede wird nach ihrem Namen gefragt: Die entführten Mädchen im neuen Video. Screenshot: Youtube/CNN

Jede wird nach ihrem Namen gefragt: Die entführten Mädchen im neuen Video. Screenshot: Youtube/CNN

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Am 14. April 2014 – also vor exakt zwei Jahren – entführte Boko Haram 276 Mädchen aus dem nigerianischen Chibok. Die jihadistische Terrormiliz überfiel Mehr als 200 von ihnen befinden sich noch immer in den Fängen der Terrorgruppe. Nun taucht ein neues Video auf, das zeigen soll: Die Mädchen leben. Die Mädchen waren am 14. April 2014 von Islamisten aus dem Schlafraum ihrer Schule in der Stadt Chibok im Nordosten des Landes gezerrt worden.

Zwei Jahre nach der Massenentführung von 276 Schulmädchen in Nigeria sind zumindest einige von ihnen offenbar am Leben. Das zeigt ein Video, das der Fernsehsender CNN am Mittwoch ausstrahlte. Eltern hätten ihre Töchter wiedererkannt, hiess es in dem Beitrag. Experten bezeichneten die Aufnahme als glaubwürdig.

Das Video zeigt eine Gruppe von Mädchen in islamischem Gewand. Eine männliche Stimme fordert sie der Reihe nach auf, ihren Namen zu nennen. ...sind auf einem Video 15 verschleierte Mädchen zu sehen, die ihre Namen nennen, sagen, dass sie 2014 verschleppt worden seien und das Datum der Aufnahme, den 25. Dezember 2015, nennen. Drei Mütter sowie eine Klassenkameradin hätten die Mädchen erkannt, berichtete CNN.

(Video: Youtube/CNN)

Die Terrorgruppe Boko Haram hatte die Mädchen am 14. April 2014 aus der Stadt Chibok entführt. Dutzende von ihnen konnten später fliehen, doch 219 werden nach wie vor vermisst. Angehörige erhielten von ihnen seit zwei Jahren kein Lebenszeichen.

Selbst Michelle Obama forderte Freilassung

Boko Haram hat in den vergangenen Jahren zwar bereits Tausende Menschen in ihre Gewalt gebracht, der Fall der Chibok-Mädchen brachte die Extremisten jedoch in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Selbst die amerikanische First Lady Michelle Obama nutzte den Hashtag #BringBackOurGirls, um die Freilassung der Entführten zu fordern.

(Video: Youtube/CNN)

CNN berichtete, das «Lebenszeichen»-Video sei im Dezember 2015 an Unterhändler verschickt worden, die um die Freilassung der Mädchen ringen. «Uns geht es allen gut», sagt eine der Entführten in der Aufnahme. Dem Sender zufolge analysiert die nigerianische Regierung das Video. Senator Shehu Sani, der an früheren Verhandlungen um die Mädchen beteiligt gewesen ist, sagte der Nachrichtenagentur AP, er halte die Aufnahme für glaubwürdig.

Nigerias Regierung bestätigte, das Video erhalten zu haben. Experten seien dabei, die Echtheit der Aufnahme zu überprüfen, sagte Informationsminister Lai Mohammed.

«Wir sind ein wenig darüber besorgt, dass die Mädchen in dem Video nicht unter Stress zu stehen scheinen und dass sich ihr Aussehen [seit der Entführung] kaum verändert hat», sagte Mohammed dem Fernsehsender.

Nach der Entführung der Chibok-Mädchen standen die nigerianische Regierung und die Armee immens in der Kritik. Der damalige Präsident Goodluck Jonathan dementierte zunächst, dass es die Massenentführung überhaupt gegeben habe. International zur Aufklärung gedrängt, gab er den Vorfall später zu. 2015 verlor er zu grossem Teil wegen des Falls die Wahl und damit sein Amt.

Experten geschickt

Die USA, Grossbritannien und Frankreich zählten zu den Ländern, die Nigeria unter die Arme griffen. Sie schickten Berater, zu denen auch Experten für Geiselverhandlungen zählten. Amerikanische und britische Drohnen erspähten eine Gruppe von rund 80 Mädchen und teilten die Informationen mit der nigerianischen Führung. Getan wurde nach der Entdeckung aber nichts.

Ein seit 2015 pensionierter britischer Diplomat, Andrew Pocock, sagte der Zeitung «Sunday Times» im vergangenen Monat, ein Zugriff sei als zu gefährlich für andere Mädchen betrachtet worden. «Man hätte einige gerettet, aber viele wären getötet worden», sagte er. «Man wäre verteufelt worden, wenn man es getan hätte, und verteufelt worden, wenn man es nicht getan hätte.»

Das nigerianische Militär äusserte dieselben Ängste. Von Boko Haram kontrollierte Städte und Dörfer greift es trotzdem an. Nach eigenen Angaben haben die Soldaten seit dem 26. Februar 11595 zivile Geiseln gerettet – allerdings keine aus Chibok. (wig./afp)

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