Enthauptung: Rätselhafte Vorgeschichte
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Enthauptung: Rätselhafte Vorgeschichte

Die weltweit mit Entsetzen aufgenommene Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg in Irak hat eine rätselhafte Vorgeschichte.

US-Truppen und die irakische Polizei stritten am Donnerstag darüber, wer für eine etwa zweiwöchige Inhaftierung des 26-jährigen vor dessen Ermordung verantwortlich war. Bergs Familie hatte den US-Streitkräften vorgeworfen, den jungen Mann bis zum 6. April gefangen gehalten und damit seine Ausreise aus Irak verhindert zu haben. Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilte den Mord als scheussliches Verbrechen.

Unstrittig ist, dass die US-Streitkräfte über Bergs Inhaftierung vom 24. März bis 6. April informiert waren. Das FBI habe den Radiotechniker drei Mal besucht «und festgestellt, dass er in keinerlei kriminelle oder terroristische Aktivitäten verwickelt war», sagte Militärsprecher Dan Senor.

Wie aus US-Militärkreisen verlautete, galt Berg wegen seines Verhaltens - er bewegte sich in der Regel ohne Begleitung mit Taxis durch Irak - als verdächtig. Zudem habe der 26-Jährige Schriften mit «judenfeindlicher Tendenz» bei sich gehabt, sagte ein US-Offizier, der nicht genannt werden wollte. Berg war allerdings selbst Jude.

Der Offizier bekräftigte, dass die Festnahme durch die irakische Polizei erfolgt sei. Dagegen erklärte der Polizeichef von Mossul, Mohammed Chair el Barhaui: «Die irakische Polizei hat den getöteten Amerikaner nie festgenommen.»

Bergs Familie hatte am 5. April vor einem Gericht in Philadelphia Klage gegen seine Inhaftierung eingereicht. Einen Tag später wurde der 26-Jährige freigelassen und nahm sich in Bagdad ein Hotelzimmer, wo er nach Angaben von Angestellten bis zum 10. April blieb. An diesem Tag bot die US-Botschaft Berg nach Angaben des US-Aussenministeriums einen Flug nach Jordanien an, den er aber ablehnte.

(dapd)

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